Kategorie: Ausstellungen

  • Leon Kahane – Kritik und Selbstkritik in der freien Zeit | Criticism and Self-criticism in Free Time

    Leon Kahane – Kritik und Selbstkritik in der freien Zeit | Criticism and Self-criticism in Free Time

    Der Ausstellungstitel Kritik und Selbstkritik in der freien Zeit greift den im Marxismus-Leninismus zentralen Begriff von „Kritik und Selbstkritik“ auf und verbindet ihn mit einem doppeldeutigen Verständnis von Freiheit. „Freie Zeit“ bezeichnet dabei zugleich ein gesellschaftliches Modell und eine historische Zeit und verweist auf unterschiedliche Vorstellungen davon, wie Arbeit, Bildung, Freizeit und individuelle Freiheit zu organisieren und zu denken sind. Darin spiegeln sich auch die politischen Bedingungen, unter denen Kunst entsteht. Die Ausstellung fragt nach dem Selbstverständnis künstlerischer Arbeit zwischen gesellschaftlichem Auftrag, persönlicher Verantwortung und künstlerischer Autonomie und danach, was von diesen wechselnden Bedingungen in Bildern, Erinnerungen und Formen fotografischer und filmischer Repräsentation fortlebt.

    Diese Fragen werden in einer neuen, Fotografie, Film und Installation umfassenden Werkgruppe konkret. Ausgangspunkt ist Sport, Biologie und Freizeit (1970), ein öffentliches Wandbild von Doris Kahane in Berlin-Johannisthal. In der heutigen Auseinandersetzung mit dem Wandbild reflektiert Leon Kahane künstlerische Praxis im Spannungsfeld von politischem Zeitgeist, institutionellen Aufträgen und gesellschaftlicher Verantwortung. Die Ausstellung schlägt dabei einen Bogen zu Kahanes eigenen Fotografien, die er vor 20 Jahren als Pressefotograf im Westjordanland aufgenommen hat, sowie zu einem Zeitzeugeninterview seines Großvaters, das seine Kindheit im Scheunenviertel- jenem historischen Stadtteil, in dem sich heute auch der Kunstverein befindet – in den Kontext gegenwärtiger Debatten holt.

    Leon Kahane (*1985, Berlin) studierte Fotografie an der Ostkreuzschule und Bildende Kunst an der Universität der Künste Berlin (UdK). Seine künstlerische Praxis beschäftigt sich u.a. mit europäischer Grenzpolitik sowie ostdeutschen und osteuropäischen Geschichten und kulturellen Praktiken, häufig ausgehend von seiner eigenen Biografie. Seine Arbeiten wurden international u. a. in der Kunsthalle Wien, im Jüdischen Museum Berlin, im Belvedere 21 Wien und in den Deichtorhallen Hamburg gezeigt. Parallel zu seiner Soloausstellung kuratiert Kahane gemeinsam mit Fabian Bechtle im Schinkel Pavillon und n.b.k. Projektionen auf den Osten.

    Kuratorische Leitung: Susanne Prinz

    The title draws on the Marxist-Leninist concept of “criticism and self-criticism” and connects it to an ambivalent notion of freedom. “Free time” refers both to a social model and to a historically contingent notion of time, reflecting how different political systems and societies organise and understand work, education, leisure and individual freedom. These ideas, in turn, reflect the political conditions under which art is produced. The exhibition considers the position of artistic practice between social responsibility, personal agency and artistic autonomy, and asks what remains of these shifting conditions in images, memories and forms of photographic and cinematic representation.

    These questions take shape in a new body of work spanning photography, film and installation. Its starting point is Sport, Biology and Leisure (1970), a public mural by Doris Kahane in Berlin-Johannisthal. In his contemporary engagement with the mural, Leon Kahane reflects on artistic practice caught between political zeitgeist, institutional commissions and social responsibility. The exhibition connects this work to Kahane’s own photographs, taken twenty years ago while working as a photojournalist in the West Bank, and to an oral history interview with his grandfather, which brings his childhood in the Scheunenviertel – the historic district in which the Kunstverein is now located – into dialogue with contemporary debates.

    Leon Kahane (*1985, Berlin) studied photography at the Ostkreuzschule and Fine Art at the Berlin University of the Arts (UdK). His practice engages with European border politics, as well as East German and Eastern European histories and cultural practices, often drawing on his own biography. His work has been shown internationally at institutions including Kunsthalle Wien, the Jewish Museum Berlin, Belvedere 21 Vienna and Deichtorhallen Hamburg. longside his solo exhibition, Kahane is co-curating Projections Onto the East with Fabian Bechtle at Schinkel Pavillon and n.b.k.

    Curatorial lead: Susanne Prinz

    Die Ausstellung wird ermöglicht durch die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt / The exhibition was made possible by the Senat Deparment for Culture and Social Cohesion

  • Sommerpause

    Sommerpause

    Image: Lennart Lahuis, Calorgraph #1 (All Seasons). Heat and sweat on carbon steel in artist frame. 31x21cm. @ Ludger Paffrath

    Der Kunstverein ist bis 27. August 2026 für den Ausstellungsbetrieb geschlossen.

    Wir freuen uns, Sie am 10. September 2026 um 18h zur Eröffnung der Ausstellung von Leon Kahane, Kritik und Selbstkritik in der freien Zeit / Criticism and Self-Criticism in Free Time, wieder begrüßen zu dürfen.

    Am 28. August 2026 laden wir außerdem von 18-21 h zur Pop-up-Buchpräsentation Fluide Grenze von und mit Marie Jeschke × Shift Books × Staatliche Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg- Vorpommern x KV_RLP

    Wir wünschen Ihnen einen wunderbaren Sommer!

  • Lennart Lahuis – In All Weathers

    Lennart Lahuis – In All Weathers

    In All Weathers ist die erste Einzelausstellung des niederländischen Künstlers Lennart Lahuis in einem deutschen Kunstverein. Die Ausstellung untersucht Prozesse der Transformation, Instabilität und des Austauschs, die sowohl natürliche Umgebungen als auch menschliche Bedeutungssysteme prägen.

    Im Zentrum von Lahuis‘ künstlerischer Praxis steht das Verhältnis von Materie und Sprache. Wasser, Feuer, Luft und Erde erscheinen dabei nicht als stabile Kategorien, sondern als Kräfte ständigen Wandels. Sie tragen Spuren von Leben, Erinnerung und Erzählung in sich und bilden die Grundlage von Mythen, Geschichten und Wissensordnungen, die keinen eindeutigen Ursprung kennen. Wie Flüsse, Sedimente oder Wetterphänomene werden diese Erzählungen im Laufe der Zeit umgeschrieben, umgelenkt und abgetragen.

    In der Zusammenführung von vier Werkgruppen verfolgt In All Weathers die Bewegung von Information durch unterschiedliche materielle Zustände. Texte treten als Spuren in abgetragenem Denim hervor, werden durch Schweiß und Oxidation in erhitzten Stahl eingeschrieben, erscheinen flüchtig als Wasserdampf in der Luft und bleiben als fragmentierte Inschriften im Ton erhalten. Sprache ist in diesen Arbeiten niemals festgeschrieben. Sie wird von Körpern, Wettersystemen, geologischen Prozessen und materiellen Oberflächen getragen, die ihre Form fortwährend verändern.

    In der gesamten Ausstellung fungieren Schreiben, Einschreiben und Erosion als wiederkehrende Gesten. Die Tonarbeiten der Serie MURMUR erinnern an archäologische Fragmente, deren Bedeutungen unvollständig bleiben, während HYDROLOGY den Wasserkreislauf durch Wörter sichtbar macht, die in der Atmosphäre materialisieren und sich wieder auflösen. Die Denim-Arbeiten und CALORGRAPHS halten auf ähnliche Weise Spuren von Berührung fest und übersetzen alltägliche Gewohnheiten sowie körperliche Präsenz in subtile Aufzeichnungen von Zeit und Transformation.

    Anstatt feste Bedeutungen oder eindeutige Erzählungen anzubieten, rücken die Arbeiten Prozesse des Entstehens und Verschwindens in den Vordergrund. Materie fungiert dabei als temporäre Trägerin von Erinnerung, während Bedeutung einer fortwährenden Revision unterliegt. Die Arbeiten gleichen sorgfältig angelegten Versuchsanordnungen des Denkens, die die Bedingungen ihrer eigenen Möglichkeit niemals vollständig absichern können – und gerade in dieser Unabgeschlossenheit nehmen sie Gestalt an.

    Bio: Lennart Lahuis (NL) lebt und arbeitet in Brüssel. Er studierte am ArtEZ Institute of the Arts in Zwolle/Arnhem sowie an De Ateliers in Amsterdam. Residenzen führten ihn unter anderem an das Banff Centre for Arts and Creativity (Kanada), die Glasgow Sculpture Studios und Sundaymorning @EKWC. Seine Arbeiten waren zuletzt in Einzel- oder Duoausstellungen im Bergson (München), Museum Schloss Moyland und im Fries Museum zu sehne. In seinen skulpturalen und installativen Arbeiten verbindet Lahuis Materialität, technische Systeme und fragile Gleichgewichte.

    Kuratorische Leitung: Susanne Prinz

    ENG: In All Weathers is the first solo exhibition by the Dutch artist Lennart Lahuis in a German Kunstverein. The exhibition explores processes of transformation, instability and exchange that shape both natural environments and human systems of meaning. 

    At the core of Lahuis‘ practice lies the relationship between matter and language. Water, fire, air, and earth appear not as stable categories, but rather forces in constant transformation forces in constant flux. They carry traces of life, memory and storytelling, forming the basis of myths, histories and systems of knowledge that have no single origin. Like rivers, sediments or weather patterns, these narratives are rewritten, redirected and eroded over time.

    Bringing together four bodies of work, In All Weathers follows the movement of information through different states of matter. Texts emerge as traces in worn denim, are drawn onto heated steel through perspiration and oxidation, appear briefly as water vapour in the air, and persist as fragmented inscriptions impressed into clay. Across these works, language is never fixed. It is carried by bodies, weather systems, geological processes and material surfaces that continuously alter its form.

    Throughout the exhibition, acts of writing, imprinting and erosion function as recurring gestures. The clay works of the MURMUR series evoke archaeological fragments whose meanings remain incomplete, while HYDROLOGY renders the water cycle visible through words that materialise and dissolve in the atmosphere. The denim works and CALORGRAPHS similarly register moments of contact, translating everyday habits and bodily presence into subtle records of time and transformation.

    Rather than offering fixed meanings or definitive narratives, the works foreground processes of emergence and disappearance. Matter acts as a temporary carrier of memory, while meaning remains subject to continuous revision. The works resemble carefully constructed experimental arrangements of thought, which can never fully secure the conditions of their own possibility – and it is precisely in this lack of closure that they take form.

    Bio: Lennart Lahuis (NL) lives and works in Brussels. He studied at the ArtEZ Institute of the Arts in Zwolle/Arnhem and at De Ateliers in Amsterdam. Residencies have taken him to the Banff Centre for Arts and Creativity (Canada), Glasgow Sculpture Studios and Sundaymorning @EKWC, among others. His work was recently shown in solo and duo exhibitions at Bergson (Munich), Museum Schloss Moyland and the Fries Museum. In his sculptural and installation-based practice, Lahuis brings together materiality, technical systems and fragile equilibria.

    Curatorial lead: Susanne Prinz

    @Ludger Paffrath

  • Friederike Feldmann & Paul McDevitt – Renovieren

    Friederike Feldmann & Paul McDevitt – Renovieren

    17.4.2026 ab/from 19 h Intervention: ITINERANT INTERLUDE #2

    Die in Berlin lebenden Künstler:innen Friederike Feldmann und Paul McDevitt präsentieren ein gemeinsames Projekt, das sich nahezu vollständig entlang der Wände des Ausstellungsraums entfaltet. Renovieren ist eine kluge, unterhaltsame und meisterhaft ausgeführte Reflexion des Mediums Malerei mit seinen eigenen Mitteln und gleichzeitig eine feinsinnige Selbstreflexion der beiden Maler:innen über ihr eigenes künstlerisches Tun. 

    Thematisch wie motivisch speist sich das Projekt im Wesentlichen aus dem Repertoire jener anderen „Maler“, der Dekorateure und Anstreicher, deren Berufsbezeichnung mit der der Künstler:innen identisch ist.

    Feldmanns expansive malerische Gesten, in denen Pinsel und Oberfläche ineinander übergehen, greifen in diesem Kontext noch stärker als sonst in die Architektur aus und lösen die Grenze zwischen Bild und Wand auf. McDevitt, dessen Praxis in Zeichnung, Druckgrafik und grafischer Intervention verwurzelt ist, bringt eine eigenständige, geschichtete Bildsprache ein, geprägt von Unmittelbarkeit und Rhythmus, verbunden mit einer überraschend spielerischen Haltung gegenüber den Werkzeugen und Materialien des handwerklichen Maleralltags, den vertrauten Utensilien seiner beruflichen Namensvetter.

    In ihrer räumlichen Verschränkung entsteht eine vielschichtige Bildarchitektur, die den Innenraum des Kunstvereins transformiert und die Besucher:innen dazu einlädt, die Wände nicht als bloßen Hintergrund, sondern als aktive, reagierende Oberflächen zu erfahren.

    Kuratorische Leitung: Susanne Prinz

    Zum Abschlusswochenende veranstalten wir einen besonderen Performance-Abend im Rahmen von ITINERANT INTERLUDES, kuratiert von Laurie Schwartz. Die Reihe bringt Künstler*innen aus den Bereichen Klang und Performance in Dialog mit aktuellen Ausstellungen in ganz Berlin und schafft Begegnungen zwischen visuellen und auditiven Praktiken.

    17. April, ab 19 Uhr: ITINERANT INTERLUDE #2: Alexey Kokhanov und Natalia Pschenitschnikova, Stimmen
    ITINERANT INTERLUDES wird unterstützt durch Initiative Neue Musik Berlin.

    Berlin-based artists Friederike Feldmann and Paul McDevitt present a joint project occupying almost the entire wall surface of the exhibition space. Renovieren – English “to renovate” – is a clever, entertaining, and masterfully executed reflection on the medium of painting using its own means, and at the same time a subtle self-reflection by the two painters on their own artistic practice.

    Thematically and materially, the project draws almost entirely on the repertoire of other “painters”: those decorators and house painters whose professional title happens to be identical to that of the artists.

    Feldmann’s expansive painterly gestures, where brush and surface blur into one another, extend in this context even more than usual onto the architecture, dissolving the boundary between image and wall. McDevitt, whose practice is rooted in drawing, print, and graphic intervention, introduces a distinct layered visual language marked by immediacy and rhythm, coupled with a surprisingly playful engagement with the tools and materials of a renovation site – the everyday instruments of his professional namesakes. In their spatial convergence, the works generate a charged visual field that transforms the interior of the Kunstverein, inviting visitors to encounter the walls not as backdrop but as active, responsive surfaces.

    Curatorial lead: Susanne Prinz

    To mark the closing weekend, we are hosting a special evening of performances as part of ITINERANT INTERLUDES, curated by Laurie Schwartz. The series brings together artists working with sound and performance in dialogue with ongoing exhibitions across Berlin, creating encounters between visual and aural practices.

    April 17, from 19 h: ITINERANT INTERLUDE #2: Alexey Kokhanov and Natalia Pschenitschnikova, Stimmen
    ITINERANT INTERLUDES is supported by:
  • am Platz – die SteDi Sammlung trifft Künstler*innen vom Platz

    am Platz – die SteDi Sammlung trifft Künstler*innen vom Platz

    Volksbühne und Galerien, Concept Stores und Babylon, Kunstverein und die dort lebenden Künstler*innen: Der Rosa-Luxemburg-Platz ist eine Ausnahme in Berlin, fast alles ist anders. Die Ausstellung umfasst Positionen aus der SteDi Sammlung sowie Werke von Akteur*innen des Platzes, die sich jetzt hier im Plattenbau begegnen.

    Eine Hommage kuratiert von Frank Hauschildt.

    Volksbühne and galleries, concept stores and Babylon, the Kunstverein and the artists who live there: Rosa-Luxemburg-Platz is an exception in Berlin – almost everything is different. The exhibition brings together works from the SteDi Collection alongside pieces by local actors from the square, who now encounter each other here in the Plattenbau.

    A tribute curated by Frank Hauschildt.

  • Marco Siciliano – circa

    Marco Siciliano – circa

  • Mateusz Choróbski – P.OST

    Mateusz Choróbski – P.OST

    Mateusz Choróbski, P.OST, exhibition views. © Tomasz Koszewnik

    Der Kunstverein am Rosa-Luxemburg-Platz freut sich, P.OST, die erste institutionelle Einzelausstellung des polnischen Künstlers Mateusz Choróbski in Deutschland, zu präsentieren. Speziell für den Kunstverein entwickelt, versammelt die Ausstellung Klang, Video-, Licht- und skulpturale Installationen, um über Erinnerung, Transformation und der vielschichtigen Identität des Rosa- Luxemburg-Platzes nachzudenken.

    Choróbskis Arbeiten erkunden das Spannungsevrhältnis zwischen Nostalgie und Erinnerung, hinterfragen die Tendenz, die Vergangenheit zu idealisieren, und fragen, wie Nostalgie verstanden werden kann – als Sentimentalität, als Erbe oder als Missverständnis. So verweist bereits der Titel P.OST zugleich auf den verschwundenen OST – Schriftzug der Volksbühne und auf die Frage, was „nach dem Osten“ kommt.

    Inspiriert von der architektonischen und kulturellen Geschichte des Rosa-Luxemburg-Platzes – besondere von Hans Poelzigs Entwürfen für das Babylon-Kino – verwandelt Choróbski den Ausstellungsraum in eine Bühne aus Spuren, Schatten und Fragmenten urbanen Umfelds. Seine Arbeit spannt einen weiten Bogen über Video, Installation, Performance, Klang und Skulptur. Häufig setzt der Künstler den menschlichen Körper neben und in Architekturen und untersucht, was bleibt, wenn soziale, politische oder materielle Systeme an ihre Grenzen gelangen – verfallene modernistische Gebäude, die Schuld(en)lasten oder der verletzliche Körper in Ruhe. Diese Überreste werden Ausgangspunkte, um über Verletzlichkeit, Resilienz und sich stetig ändernde kulturelle Narrative nachzudenken.

    Mit gefundenen Glasobjekten, zu neuen Formen verschmolzen, verwandelt er Licht in ein Gefäß für Geschichte und Erinnerung. Dafür nutzt er eine komplexe Technologie, die Licht von Zeit und Ort entkoppelt und es in der Ausstellung neu einsetzt – so wird Licht aus entfernten Orten oder Zeiten in der Ausstellung wieder sichtbar und erfahrbar.

    Gleich beim Betreten des Gebäudes begegnen Besucher*innen einem Türgriff, gegossen aus eingeschmolzenen polnischen Ein-Grosz-Münzen, modelliert nach Poelzigs historischen Entwürfen. Eine Klanginstallation – ein gelooptes Einatmen – erfüllt den Eingangskorridor und verwandelt die Schwelle in eine Zone erhöhter Wahrnehmung, die physische Berührung mit einem subtilen Hinweis auf Atem und Erwartung verbindet.

    Im ersten Galerieraum führt eine zehn Meter lange Linie aus eingeschmolzenen Drahtglasplatten, beleuchtet von versteckten LEDs, exakt das Licht wieder ein, das am Vortag auf dem Rosa-Luxemburg-Platz aufgezeichnet wurde. Die unregelmäßigen, organischen Oberflächen tragen Spuren von Zeit und Atmosphäre in sich, spiegeln die wechselnden Bedingungen draußen wider und laden dazu ein, über Erinnerung, Präsenz und den Fluss der Zeit nachzudenken.

    Ein zweiter Raum zeigt eine großformatige Installation aus Glasplatten, die mit Überresten früherer Arbeiten des Künstlers verschmolzen sind. Leicht über dem Boden schwebend und von der Straße aus sichtbar, wird die Arbeit zu einer Art Schattentheater: Silhouetten der Besucher*innen beleben die Oberfläche, machen das Publikum zum integralen Bestandteil der Arbeit und erweitern die Dramaturgie der Ausstellung in den öffentlichen Raum hinein.

    Im abgeschlossenen Schaufenster projiziert eine Video die Hand eines Dirigenten, der Musik aus dem Stummfilm Der Golem, wie er in die Welt kam (1920)* dirigiert, für den Poelzig das Bühnenbild entworfen hat. Zur Straße hin projiziert, antwortet die Geste auf die Rhythmen und Stimmungen des Platzes und spürt seinen fortwährenden Puls von Spannung, Inszenierung und gemeinsamer Präsenz.

    Die Ausstellung wurde kuratiert von Chiara Valci Mazzara und Susanne Prinz.

    Die Ausstellung wird unterstützt von der Alexander Tutsek Stiftung und ermöglicht durch durch die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit, mit Beteiligung von OP Enheim. Sie wurde vom Adam-Mickiewicz-Institut ko-organisiert und kofinanziert vom Ministerium für Kultur und Nationales Erbe der Republik Polen.
    „Der Golem, wie er in die Welt kam“, Partitur für kleines Orchester von Hans Landsberger, rekonstruiert und orchestriert von Richard Siedhoff, wurde uns freundlicherweise aus dem Bestand des Ries & Erler Musikverlags zur Verfügung gestellt.

    Mateusz Choróbski (b. 1987, Radomsko) graduated from the University of the Arts in Poznań and the Academy of Fine Arts in Warsaw. He works across sculpture, installation, video, performance, and sound, engaging with architectural history, material transformation, and the conditions of contemporary life. Selected institutional solo exhibitions include: H.aven, Éva Kahán Foundation, Vienna (2024); Hide And Seek, Fabbrica del Vapore, Milan (2023); What the Barbarians Did Not Do, Opole Centre for Contemporary Art (2021); Mateusz Choróbski, Fondazione Nicola Del Roscio, Rome (2019); and The Loneliness of the Long Distance Runner, Manifesta 11, Zurich (performance, 2016).

    Adam Mickiewicz Institute (IAM) brings Polish culture to people around the world. As a state institution, it creates lasting interest in Polish culture and art through strengthening the presence of Polish artists on the global stage. It initiates innovative projects, supports international cooperation and cultural exchange. It promotes the work of both established and promising artists, showing the diversity and richness of our culture. The Adam Mickiewicz Institute is also responsible for the Culture.pl website, a comprehensive source of knowledge about Polish culture. More information: www.iam.pl.

    The Foundation for Polish-German Cooperation (SDPZ/FWPN) fosters good relations between Poland and Germany. For over 30 years, it has co-financed 16,000 bilateral projects, supporting partnerships between institutions, educational initiatives, scientific collaboration, and artistic and literary exchange. The Foundation also initiates its own projects—study visits, scholarships, publications, and debates—to inspire dialogue and strengthen Polish-German cooperation in a modern, open, and socially just European context. More information: sdpz.org

    Adam Mickiewicz Institute (IAM) brings Polish culture to people around the world. As a state institution, it creates lasting interest in Polish culture and art through strengthening the presence of Polish artists on the global stage. It initiates innovative projects, supports international cooperation and cultural exchange. It promotes the work of both established and promising artists, showing the diversity and richness of our culture. The Adam Mickiewicz Institute is also responsible for the Culture.pl website, a comprehensive source of knowledge about Polish culture. More information: www.iam.pl.

    The Foundation for Polish-German Cooperation (SDPZ/FWPN) fosters good relations between Poland and Germany. For over 30 years, it has co-financed 16,000 bilateral projects, supporting partnerships between institutions, educational initiatives, scientific collaboration, and artistic and literary exchange. The Foundation also initiates its own projects—study visits, scholarships, publications, and debates—to inspire dialogue and strengthen Polish-German cooperation in a modern, open, and socially just European context. More information: sdpz.org

  • Rahel Sorg – Hyänen weinen nicht

    Rahel Sorg – Hyänen weinen nicht

    [ENG] The paintings move on the border between figuration and abstraction; they are characterized by intense color, which result from the use of a wide variety of painting media and the manner in which they are applied and integrated into the image. By playing with familiar ways of looking at art and evoking memories of familiar forms, the works trigger associations that are then undermined by their incompleteness. Questions arise about whether there is too much or too little. Similarly, numbers and letters can be interpreted—sometimes forming words, sometimes sentences, but at other times remaining illegible. The artist describes her work as an attempt to stimulate thought—to set the mind in motion without dictating where it should go.

    Consequently, the realization remains that Rahel Sorg’s paintings cannot truly be put into words, precisely because they deliberately elude unambiguous interpretation. This is precisely where the intended effect lies: to provide food for thought, to point in various directions, and to focus the use of painting and language on being simple within complexity, without imposing guidelines or restrictions.

    Pause, persevere, continue, done.

    We would like to thank Lina Louisa Krämer, Deborah Sorg, Anna Virnich, and Winfried Virnich, without whom this exhibition would not have been possible, as well as the Mainz Academy of Fine Arts for its support of the catalog.

    Titelfoto: Max Eulitz © Rahel Sorg Archive

  • Carmen Mariscal – Sediments of Memory – Unearthing Histories Beneath the Mexican Embassy in Berlin

    Carmen Mariscal – Sediments of Memory – Unearthing Histories Beneath the Mexican Embassy in Berlin

    ERÖFFNUNG / OPENING:
    3. Juli, 2025, 18–21 h
    Ausstellung / Exhibition:
    4.7.–2.8.2025 

    Erstmals wird in Berlin die Arbeit der mexikanischen Künstlerin, Forscherin und Bühnenbildnerin Carmen Mariscal gezeigt. In ihrer interdisziplinären Praxis beschäftigt sie sich mit den Erinnerungen, die in Räumen eingeschrieben sind – vom menschlichen Körper über Kleidung und Architektur bis hin zur Stadt.

    In ihrem aktuellen Projekt widmet sich Mariscal den historischen Schichten des Geländes, auf dem heute die mexikanische Botschaft in Berlin steht. Mithilfe von Fotografie, Film und Installation macht sie Erinnerungsspuren und Veränderung bis hin zu diplomatischen Verflechtungen sichtbar, die sich vor allem über das 20. Jahrhundert hinweg an diesem Ort eingeschrieben haben. Dabei bringt sie vergessene oder verdrängte Geschichten zum Vorschein, die Mexiko mit Deutschland, aber auch mit dem Vereinigten Königreich und weiteren Ländern verbinden. Zusätzlich werden in der Ausstellung zwei Filme früherer ortsspezifischer Projekte in Mexiko gezeigt.

    Anlässlich der Ausstellung findet am Tag vor der Eröffnung, am 2. Juli um 18 h, ein öffentlicher Vortrag in der Botschaft von Mexiko (Klingelhöferstraße 3, 10785 Berlin) mit anschließendem Spaziergang zum Kunstverein statt.

    Carmen Mariscal ist eine in London lebende mexikanische Künstlerin und Forscherin. Ihre interdisziplinäre Praxis untersucht Spuren von Erinnerung in Behausungen mithilfe körperlich-verkörperter Methoden. Diese Behausungen reichen vom menschlichen Körper – unserem ersten Lebensraum – über Kleidung, Wohnungen, öffentliche Räume bis hin zu Städten. In jüngerer Zeit befasst sich ihre Forschung zudem mit Themen wie Entropie und architektonischem Verfall im Kontext des mexikanischen Modernismus.

    Mariscal arbeitet mit Fotografie, Skulptur, Klang, Bewegtbild, Bühnenbild und Installation. Derzeit entwickelt sie das Projekt An Investigation through the Remains of a Modernist House in Mexico City im Rahmen ihrer PhD-Arbeit Memory and Oblivion am Royal College of Art in London.

    Ihre Arbeiten wurden international in öffentlichen und privaten Institutionen gezeigt. Zu ihren wichtigsten Arbeiten im öffentlichen Raum zählen: El pueblo creador, Mexikanischer Pavillon, Expo Hannover 2000; Innata, Atrium des Rathauses Den Haag, 2003 und Chez Nous, Place du Palais-Royal, Paris, 2020.

    Sediments of Memory ist Teil des von der EU geförderten Projekts Spatial Practices in Art and Architecture for Empathetic Exchange (SPACEX).

     Her current project investigates the layered histories of the site now occupied by the Mexican Embassy in Berlin. Through photography, film, and installation, Mariscal explores the layered histories of the embassy’s current site, uncovering traces of memory, transformation, and diplomacy throughout the 20th century. Her work brings to light forgotten stories that connect Mexico, Germany, the United Kingdom, and others, tracing its transformations throughout the 20th century. In addition the exhibition includes two films from previous site-specific projects in Mexico.

    To mark the exhibition, a public talk followed by a walk to the Kunstverein will take place on 2 July at 6pm, hosted by the Embassy of Mexico (Klingelhöferstraße 3, 10785 Berlin).

    Carmen Mariscal is a London-based Mexican artist and researcher. Her interdisciplinary practice explores traces of memory embedded in dwellings through embodied methods. These dwellings range from the human body—our first habitat—to clothing, homes, public spaces, and cities. Recently, her research has also examined themes of entropy and architectural ruin in the context of Mexican modernism.

    Mariscal works across photography, sculpture, sound, moving image, theatre set design, and installation. She is currently developing the project An Investigation through the Remains of a Modernist House in Mexico City as part of her PhD thesis Memory and Oblivion at the Royal College of Art, London.

    Her work has been shown internationally in both public and private institutions. Notable public artworks include: El pueblo creador, Mexican Pavilion, Expo Hannover 2000; Innata, Atrium City Hall, The Hague, 2003; and Chez Nous, Place du Palais-Royal, Paris, 2020.

    all images Ludger Paffrath

    Sediments of Memory is part of Spatial Practices in Art and Architecture for Empathetic Exchange (SPACEX), a project supported by the European Union.

  • Signe Mähler & William Cody Maher – Pandora’s Box – An alternate dramaturgy of the past and the present or for a dystopian world

    Signe Mähler & William Cody Maher – Pandora’s Box – An alternate dramaturgy of the past and the present or for a dystopian world

    Der Kunstverein freut sich, die gemeinsame Ausstellung der deutschen Fotografin Signe Mähler und des amerikanischen Dichters William Cody Maher zu präsentieren. Pandora’s Box vereint Bilder und Szenerien, Gedichte und Lebensgeschichten – und eröffnet eine Welt, in der sich das Persönliche und das Universelle durchdringen und spiegeln.

    In Fotografie, Video, Poesie und Live-Performance zeigen die beiden, wie die Geschichte eines Paares globale Ereignisse und individuelle Erinnerungen widerspiegeln kann – und wie die Vergangenheit genutzt werden kann, um die Gegenwart zu verstehen. Ihre Werke verweben intime Gespräche und Anekdoten mit surrealen, dramatischen, ironischen und bisweilen absurden Darstellungen der Kämpfe und Wunder des Lebens.

    Gemeinsam erschaffen sie Figuren, Kostüme und Szenerien, die in Mählers Fotografien die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmen lassen – und so eine alternative Erzählung ihres Lebens und eine poetische Interpretation der Welt anbieten. Mahers Gedichte, präsentiert als Timelines, erzählen von widersprüchlichen Wahrheiten und überraschenden Wendungen im gemeinsamen Leben – und spiegeln zugleich kollektive Erfahrungen wider.

    Die Ausstellung wurde von der Alexander Tutsek-Stiftung unterstützt.

     

    Signe Mähler, geboren 1947, lebt als Fotografin in Berlin. William Cody Maher, geboren 1950 in San Francisco, ist Schriftsteller und Performancekünstler und lebt ebenfalls in Berlin. Neben ihren eigenen Arbeiten haben sie gemeinsam zwei Dokumentarfilme in den USA realisiert: Along Troubled Roads über die politische Lage vor Obamas Wahl sowie Down Southern Roads über den amerikanischen Süden nach dem Hurrikan Katrina und der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko. Zudem entstand der Kurzfilm über den Schriftsteller und Übersetzer Carl Weissner: Mit ‘nem dicken Hals schreib ich am besten!.

     

    ENG: The Kunstverein is pleased to present the works of German photographer Signe Mähler and American poet William Cody Maher. Their joint exhibition, Pandora’s Box – An alternate dramaturgy of the past and the present or for a dystopian world brings together images and sceneries, poems and life narratives, introducing a world in which the personal and the universal intersect and mirror one another.

     

     

    Through photography, video, poetry, and live performance, the artists explore how the story of a couple can echo both global events and private memories—using the past as a lens through which to understand the present. Their work weaves intimate conversations and anecdotes into surreal, dramatic, ironic, and at times absurd depictions of life’s struggles and wonders.

    Together, they invent personas, costumes, and scenes that, in Mähler’s photographs, blur the line between dream and reality—offering an alternative narrative of their shared life and a poetic reading of the world. Maher’s poems, presented as Timelines, trace conflicting truths and unexpected turns within their personal story while resonating with broader collective experience.

    The show was supported by the Alexander Tutsek-Stiftung.

     

    Signe Mähler, born in 1947, is a photographer based in Berlin. William Cody Maher, born in San Francisco in 1950, is a writer and performance artist also living in Berlin. In addition to their individual practices, they have collaborated on two documentary films made in the United States: Along Troubled Roads, examining the political climate prior to Obama’s election, and Down Southern Roads, which looks at the American South following Hurricane Katrina and the BP oil spill. They also produced a short film on the writer and translator Carl Weissner, titled Mit ‘nem dicken Hals schreib ich am besten!.