16., 24. + 30.7.2022: trash +/- value

Öffentliche Interventionen von und mit u.a. Hannes Brunner, Alena Trapp, Florian Techel, Marina Resende-Santos + Jakob Wirth, Jérémie Le Hénaff, Paul Ohnesorgen, Olga Shalashova, Abie Franklin, Ulrike Mohr, Wolfgang Knapp, Ivanna Heredia

16., 24. und 30. Juli 2022*    (letzte Vorstellung *16-19h)

Die Interventionen sind Teil der Ausstellung ENTWURFSANLAGEN +/- circular economies von Hannes Brunner, zu sehen 15. – 31. Juli 2022 jeweils Do-Sa 14-18h;  1.-27. August 2022 mit Terminreservierung über: besuch@einmalvorort.de

Die Installation aus Gerüststangen ist ein Informations- und Marktstand sowie eine Bühne für wechselnde performative Aktionen im öffentlichen Raum. Sie ermöglicht es, kulturelle Produktion aus dem Moment heraus in neue Kontexte zu stellen. Sie ist Ort des symbolischen und realen Austauschs. Das bevorzugte Mittel ist das Spiel. Es geht um das Weggeworfene, scheinbar Wertlose, um den Umgang mit dem Material, um Vorschläge und Ideen für einen alternativen Umgang mit dem Zurückgelassenen.

The small installation made of scaffolding poles is an information and market stand as well as a stage for changing performative actions in public space. It allows cultural production to be placed in new contexts out of the moment. It is a place of symbolic and real exchange. The preferred means is play. It is about the discarded, seemingly worthless, about dealing with the material, about suggestions and ideas for an alternative way of dealing with what is left behind.

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Die gemeinsam von Marina Resende-Santos und  Jakob Wirth  konzipiere Arbeit Negativer Preis für Müll schließt den Wert(stoff)kreislauf, der normalerweise durch die Ablagerung von Kunststoff auf Deponien unterbrochen wird. Verbraucher haben bei dem Kunstprojekt die Möglichkeit, etwas Müll zurückzunehmen und die zuvor gezahlte Recyclinggebühren zurückzuerhalten, um ihn dann erneut in die Gelbe Tonne und dadurch zurück in die Müllwirtschaft zu geben.

Das Projekt kommentiert die weitgehend intransparente Ökonomie des Wertstoffs und aller daran Beteiligten: Produzenten, Staat, Verbraucher, Transport- und Recyclingunternehmen. Es zielt speziell auf die Reihe von Wertübertragungen, die üblicherweise zu einer extremen Wertminderung führen. Ein Verlust, der letztlich nicht nur des Material, sondern auch die Chancen am menschlichen Verhältnis zur Erde etwas zu verändern, betrifft.

The work Negative Price for Garbage, conceived jointly by Marina Resende-Santos + Jakob Wirth, closes the value (material) cycle that is normally interrupted by the dumping of plastic in landfills. In the art project, consumers have the opportunity to take back some rubbish and get back the recycling fees they previously paid, only to put it back into the yellow bin and thus back into the waste industry.

The project comments on the largely non-transparent economy of recyclables and all those involved in it: producers, the state, consumers, transport and recycling companies. It specifically targets the series of value transfers that usually lead to extreme depreciation. A loss that ultimately affects not only the material, but also the chances of changing something about the human relationship to the earth.

Marina Resende ist Künstlerin, Autorin und Forscherin. Ihre Arbeiten sind meist ortsspezifisch und umfassen Interventionen im öffentlichen Raum, Installationen und konzeptionelle Systeme, die sich mit Fragen der Nachhaltigkeit und Technologie, der Raumpolitik und der Wertschöpfung befassen.

Marina Resende is an artist, writer and researcher. Her work is mostly site-specific and includes public space interventions, installations and conceptual systems that address issues of sustainability and technology, spatial politics and value creation.

Jakob Wirth ist Künstler, Aktivist und Soziologe. Er arbeitet im öffentlichen Raum und wählt seine künstlerische Sprache prozesshaft, je nach Kontext und Thema. Sie reicht von Performancekunst, sozialer Praxis und direkten Guerilla-Interventionen, die fast ausschließlich im öffentlichen Raum realisiert werden. (www.jakobwirth.net)

Jakob Wirth is an artist, activist and sociologist. He works in public space and chooses his artistic language processually, depending on context and theme. It ranges from performance art, social practice and direct guerrilla interventions, which are almost exclusively realised in public space. (www.jakobwirth.net)

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Alena Trapp ist Künstlerin, Musikerin, Politikwissenschaftlerin und queer-feministische Aktivistin und lebt in Berlin und Bremen. Sie hat Kommunikations- und Medienwissenschaft und Politik studiert. Sie (re)kombiniert und programmiert verschiedene Disziplinen und Felder neu. Mit diesem Ansatz versucht sie, die Grenzen zwischen Wissenschaft, Kunst und Aktivismus zu verwischen. Sie ist vor allem im Bereich der Performance, der bildenden Kunst und der (sozialen) Bildhauerei zu Hause.

Mit ihrer Performance für das Projekt Trash +/- Value thematisiert Alena die Rolle des Abfalls in westlichen Gesellschaften. Wie gehört der Abfall zu uns? Welche Art von Aufmerksamkeit schenken wir ihm, oder sogar wie sichtbar wollen wir ihn haben? Wie beeinflussen wir andere Wesen mit unserem Verhalten im Alltag, in der Arbeit und im Kreislauf von Produktion und Konsum? Als ein Teil des gesamten Forschungsprozesses adressiert die Performance diese Fragen im öffentlichen Raum.

Alena Trapp is an artist, musician, political scientist and queer-feminist activist living in Berlin and Bremen. She studied communication, media science, and politics. She (re)combines and reprograms different disciplines and fields. With this approach she tries to blur the boundaries between science, art and activism. She is particularly at home in the fields of performance, visual art and (social) sculpture.

With her performance for the project Trash +/- Value, Alena wants to explore the role of waste in Western societies. How does waste belong to us? What kind of attention do we pay to it, or even how visible do we want it to be? How do we influence other beings with our behaviour in everyday life, in work and in the cycle of production and consumption? As a part of the whole research process, the performance addresses these questions in public space.

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Olga Shalashova ist eine in Paris lebende Künstlerin. In ihren Arbeiten verwendet sie recycelte und gebrauchte Materialien wie Haushaltsgeräte, Plastik und Textilien. Sie gibt Objekten, die zuvor als nutzlos und unansehnlich galten, eine neue Bedeutung und Interpretation, indem sie ihnen durch ihre verbesserte Ästhetik Schönheit und Poesie verleiht.

Ein Performance-Projekt mit dem Titel Sparkling Plastic wirft Fragen über den täglichen Konsum und die Schuldgefühle auf, die er hervorruft. Es gibt Aufschluss über die Wünsche und den freien Willen des Menschen. Gibt es eine Entscheidung zwischen Konsum und Abfallzirkulation, oder ist es ein unendlicher, unaufhaltsamer Prozess?

Olga Shalashova is an artist living in Paris. In her work, she uses recycled and used materials such as household appliances, plastic and textiles. She gives new meaning and interpretation to objects that were previously considered useless and unsightly, infusing them with beauty and poetry through their enhanced aesthetics.

A performance project titled Sparkling Plastic raises questions about everyday consumption and the guilt it creates. It sheds light on human desires and free will. Is there a choice between consumption and waste circulation, or is it an endless, unstoppable process?

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Abie Franklin is an Israeli artist living in Berlin. His practice centers around boundaries: between mediums, artificial and natural, body and space, material and matter. He is mainly engaged in projects that supplant the painterly conception of landscape. He studied fine art- painting at Weißensee academy of Art Berlin, where he worked as a tutor for Prof. Nader Ahriman.

Speculative Action Cards wurde von Abie Franklin und der Kuratorin Annalena Amthor Basierend auf der formalen Struktur von Tarotkarten entwickelt. Die Karten zeigen Auszüge aus Franklins Werk, das sich mit aquatischen Hybriden befasst. Die Karten weisen Portale für spekulative Aktionen und Erzählungen auf, wobei die Durchlässigkeit zwischen Individuen und Ökosystemen im Mittelpunkt steh

Abie Franklin ist ein in Berlin lebender israelischer Künstler. In seiner Praxis geht es um Grenzen: zwischen Medien, künstlich und natürlich, Körper und Raum, Material und Materie. Er beschäftigt sich hauptsächlich mit Projekten, die eine rein malerische Auffassung von Landschaft ablösen. Er studierte Bildende Kunst – Malerei an der Kunsthochschule Weißensee Berlin, wo er als Tutor bei Prof. Nader Ahriman arbeitete.

Speculative Action Cards was developed by Abie Franklin and curator Annalena Amthor based on the formal structure of tarot cards. The cards feature excerpts from Franklin’s work dealing with aquatic hybrids. The cards allocate portals for speculative action and narrative, focusing on the permeability between individuals and ecosystems.

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Als ausgebildetet Architekt beschäftigte sich Florian Techel seit seinen Studium in den 1980er Jahren intensiv mit der Integration von Computern in den Entwurf, die Planung und Durchführung von Gebäuden, seit der Jahrtausendwende speziell mit Building Information Modeling (BIM). In ca. 30 Jahren als Hochschullehrer in Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten hat er diese Paradigma über 1500 Studenten nahe gebracht. Unter anderem hat er diese Technologie zuletzt für den Bau seines Null-Energie-Hauses praktisch verwendet. Für dieses Projekt hat Florian Techel Animationen und Renderings beigesteuert.

As a trained architect, Florian Techel has been intensively involved with the integration of computers in the design, planning and execution of buildings since his studies in the 1980s, and especially with Building Information Modelling (BIM) since the turn of the millennium. In about 30 years as a university lecturer in Germany and the United Arab Emirates, he has taught this paradigm to over 1500 students. Among other things, he most recently used this technology in practice for the construction of his zero-energy house. Florian Techel contributed animations and renderings for this project

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Paul Ohnesorgen studiert derzeit Bildhauerei an der Kunsthochschule Weissensee in Berlin. Seine multidisziplinäre Praxis dreht sich um die Themen räumliche Gestaltung und Transformation, Wahrnehmung und soziales Verhalten sowie die Kommunikation von Ideen durch Materialien, Erfindungen und kreative Prozesse.

Performative Draft Enclosure ist ein einaktiges Theaterstück über die Geschichte des menschlichen Designs, seine Methoden, Prozesse und Auswirkungen auf die soziale Ordnung der Gegenwart.  Intellekt, Kultur und Technologie haben die menschliche Errungenschaft in das Zeitalter des Anthropozäns gebracht, in dem die menschlichen Gestaltungs- und Ordnungssysteme eine Schwelle erreicht haben, die ihre eigene Nachhaltigkeit bedroht.

Paul Ohnesorgen is currently studying sculpture at the Weissensee School of Art in Berlin. His multidisciplinary practice revolves around spatial design and transformation, perception and social behaviour, and the communication of ideas through materials, invention and creative processes.

Performative Draft Enclosure is a one-act play about the history of human design, its methods, processes and impact on the social order of the present.  Intellect, culture and technology have brought human achievement into the age of the Anthropocene, where human systems of design and order have reached a threshold that threatens their own sustainability.

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Ulrike Mohr ist eine bildende Künstlerin. Sie lebt in Berlin und arbeitet mit dem Konzept der Zeichnung, des Raums, der Zeit und der Kohle. Mohrs künstlerischer Ansatz nutzt Transformationsprozesse von Materialien, die von komplexen Forschungsergebnissen, traditionellem Wissen und Zufall beeinflusst sind. Durch die Beobachtung von Natur und Materialität schaffen die Arbeiten ihre eigene materielle Präsenz.

Lebendiger Müll, ihre phänomenologische Analyse mittels Beobachtung und Aufzeichnung, bringt uns der Abfallmaterie näher.  Ähnlich der Ikebana Philosophie erwecken wir die „Müllblumen“ zum Leben, zeichnen die Arrangements des Unperfekten.  Ikebana bedeutet wörtlich übersetzt „lebende Blume“.  Wir widmen uns dem Geist und der Schönheit des Berliner Strassenmülls.  Durch die künstlerisch-zeichnerische Tätigkeit verhelfen wir dem Müll zur vollen Entfaltung und lassen ihn Teil eines Kunstwerks werden.  Wir schenken der Materie Müll ein neues Leben, den sparsamen und ästhetischen Stilleben aus Hinterlassenschaften ein schöneres Aussehen.

Ulrike Mohr is a visual artist based in Berlin.She works with the concept of drawing,  space, time and charcoal. Mohr’s artistic approach uses transformation processes of materials,  which are influenced by complex research results, traditional knowledge and coincidence. Through observations of nature and materiality,  the works create their own material presence.

Living Waste, her phenomenological analysis through observation and drawing, brings us closer to waste matter. Similar to the Ikebana philosophy, we bring „garbage flowers“ to life, drawing the arrangements of the imperfect. Ikebana literally means „living flower“. We devote ourselves to the spirit and beauty of Berlin’s street litter. Through the artistic and graphic activity, we help the garbage to develop fully and let it become part of a work of art. We give the material rubbish a new life, the economical and aesthetic still lifes from legacies a more beautiful appearance.

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Als Sozial- und Erziehungswissenschaftler lehrt und forscht Wolfgang Knapp seit 1988 am Institut für Kunst im Kontext an der Universität der Künste Berlin UDK. Seine Schwerpunkte sind interdisziplinäre Kooperationen an der Schnittstelle von Bildproduktion, Kunst und Wissenschaft (seit 1993), Minderheiten in Kunst und Medien, kuratorische Tätigkeiten und Publikationen. Seit 1982 initiierte er u.a. internationale Projekte und Ausstellungen, forschte und lehrte im Ausland. (z.B.: China, Finnland, Frankreich, Ungarn, Iran, Japan, Oman, Russland, Schweiz, Syrien, Südafrika, Türkei, UK, USA;).

Roses – Rubbish – Readings: Die Besucher können mit einem (oder zwei) Würfeln aus Styropor spielen. Material:  Auf 5 Seiten jedes Würfels ist ein Foto einer Rosenblüte, benannt nach einem Künstler, eine Seite bleibt weiß. Entsprechend dem Rosennamen der ausgewählten 10 Künstler kann der/die SpielerIn laut aus Schriften dieser KünstlerInnen, die durch die Rose auf der Seite über dem Würfel repräsentiert werden, vorlesen (z.B. Briefe, Gedichte, Statements, künstlerische Ideen usw.) – wenn gewünscht liest Wolfgang Knapp vor.(Das Spiel schließt einen Wettbewerb aus und hat keine Gewinner als Endergebnis).

As a social and educational scientist Wolfgang Knapp has been teaching and researching at the Institute for Art in Context at the University of the Arts in Berlin  UDK since 1988. His focus is on interdisciplinary collaborations on the interface of image production arts and sciences (since 1993), minorities in art and the media, curatorial activities and publications. Since 1982 he frequently was e.g. initiating international projects and exhibitions, researching and lecturing abroad. (e.g.: China, Finland, France, Hungary, Iran, Japan, Oman, Russia, Switzerland, Syria, South Africa, Turkey, UK, USA).

Roses – Rubbish – Readings: Visitors can play with one (or two) styrofoam dice. The game cubes have artists‘ names and readings from their writings.  On 5 sides of each cube a photo of a rose blossom named after an artist, one side remains white. According to the rose name of the selected 10 artists, the player can read aloud from writings of these artists represented by the rose on the side above the cube (e.g. letters, poems, statements, artistic ideas, etc.) – if desired, Wolfgang Knapp reads aloud. (The game excludes competition and has no winners at the end).

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Ivanna Heredia wurde in Mexiko-Stadt geboren und lebt in Berlin. Ihre Arbeit konzentriert sich derzeit auf die Schnittstelle zwischen Mode und zeitgenössischer Kunst. Ihr Beitrag ist ein Metallhemd. Die Stickerei wird als Mittel zum Erzählen von Geschichten verwendet; in dieser Arbeit formt der silberbeschichtete Draht die Werteerzählung des Kleidungsstücks. Grundsätzlich symbolisiert ein weißes Vintage-T-Shirt  einen der wenigen Bereiche, in denen die menschliche „Herstellung“ noch nicht durch eine Maschine ersetzt wurde. Das T-Shirt gewinnt durch jede Person, die es trägt, an Wert, indem es dem Kleidungsstück die auf dem Vintage-T-Shirt-Markt hoch geschätzten Gebrauchsspuren verleiht.

Ivanna Heredia was born in Mexico City and lives in Berlin. Her work currently focuses on the interface between fashion and contemporary art. Her contribution is the Metal Shirt. Embroidery is used as means of storytelling; in this work, the silver-coated wire shapes the value narrative of the garment. A white vintage T-shirt symbolises one of the few areas where human „making“ has not yet been replaced by a machine. The T-shirt gains value through each person who wears it, giving the garment the traces of use that are highly valued in the vintage T-shirt market.

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Hannes Brunner ist ein in der Schweiz geborener und in Berlin lebender Künstler. Er bevorzugt ephemere Materialien in Installationen. In seinen kontextbezogenen Projekten werden unterschiedliche Medien mit gesellschaftlichen Prozessen kombiniert. Er lehrte als Professor, Prorektor und Vorsitzender an der Weißensee Kunsthochschule Berlin, am Royal College of Art London, dem NYIT, New York Institute of Technology, der Muthesius Kunsthochschule Kiel, der ETH Zürich, u.a. Es ist alles in den Karten ist eine öffentliche Übung. Basierend auf dem „Tarot de Marseille“ von M. Ernst, A. Breton und anderen zitieren die Karten Werke von fünf Künstlern, die zuvor in Marseille gefundene Materialien inszeniert haben. Die Fotos evozieren Vorhersagen, die weder künstlerische noch wissenschaftliche Expertise sind, sondern systemische Kombinationen von Fremdbestimmung durch Algorithmen zu gartenbezogenen Vitalismen.

Hannes Brunner is a swiss born artist based in Berlin. He favors ephemeral materials in installations. In his context-related projects, different media are combined with social processes. He taught as a professor, pro-rector and chairman at the Weißensee Kunsthochschule Berlin, the Royal College of Art London, the NYIT, New York Institute of Technology, the Muthesius Kunsthochschule Kiel, the ETH Zurich, a.o.

It’s all in the cards is a public exercise. Based on „Tarot de Marseille“ by M.Ernst, A. Breton and others, the cards quote works by five artists who previously staged materials found in Marseille. The photos evoke predictions that are neither artistic nor scientific expertise, but rather systemic combinations of external determination through algorithms to garden-specific vitalisms.

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Jérémie Le Hénaff  ist Journalist und Filmemacher, er studierte Politikwissenschaften an der Sorbonne und am Institut d’études politiques de Rennes. Er nimmt an dem Projekt teil, indem er es dokumentiert und recherchiert

Jérémie Le Hénaff is a journalist and filmmaker, he studied political science at the Sorbonne and the Institut d’études politiques de Rennes. He participates in the project by documenting and researching it.

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Die Projekte und ein anschließender Katalog werden unterstützt durch die Kulturstiftung des Kanton Thurgau | The projects and a subsequent catalogue are supported by the Cultural Foundation of the Canton of Thurgau

Hannes Brunner, ENTWURFSANLAGEN +/- circular economies

Hannes Brunner                           ENTWURFSANLAGEN +/- circular economies

Eröffnung: 14 Juli 2022, 18h

Öffnungszeiten: 15. – 30. Juli 2022 jeweils Do-Sa 14-18h;  1.-27. August 2022 ausschließlich über Terminreservierung über: besuch@einmalvorort.de

Die öffentlichen Interventionen trash +/- value finden am 16.,24. und 30. Juli 2022* statt. *( 16-19 h)

„Algorithmen und Künstliche Intelligenz sind gekommen, um zu bleiben. Doch was wissen Menschen […] darüber und wie nehmen sie den Einfluss dieser digitalen Technologien auf ihr Leben und die Gesellschaft wahr?“ (Markus Overdiek / Algorithmenethik).

Der aus der Schweiz stammende Berliner Künstler Hannes Brunner beschäftigt sich seit langem mit der Modellierung von etablierten Handlungsbereichen, die oft eine lange anthropomorphische Entwicklungsgeschichte haben, sich heute aber zunehmend nach algorithmisch erfassten Expertisen richten. Seine Modelle sind Spiele, Partituren und Übungen und bieten in sinnbildlicher, metaphorischer oder synonymer Übersetzung Verweise auf gedanklich Erfahrbares. Es sind Ansätze zu potenziellen Weiterentwicklungen, Unfertigkeiten, die sich als Angebot zur Kommunikation und damit als Bestandteil eines Dialogs verstehen.

Die im Kunstverein am Rosa-Luxemburg-Platz gezeigten Arbeiten beziehen sich explizit auf einen derartigen Austausch. Video-Installationen wie Drivers Comments: wären ohne die Beifahrer – allesamt vom Künstler eingeladene Kulturvermittler*innen – nicht denkbar. Sie kommentieren jeweils die Inseln im Zentrum der unzähligen Verkehrskreisel, die Künstler und Vermittler*in in irrwitzigen Kreisfahrten umrunden. Brunner stellt den Videos eine Reihe begehbarer Modelle gegenüber, die jeweils die Kreisbewegung wie ein Karussell in entgegengesetzter Richtung zu drehen scheinen. Bewegung wird so in den Raum übersetzt und ermöglicht verwandte und neue Erfahrungen.

Brunners Modellierung einer Fahrschule für autonomes Fahren, eine Fiktion als solche, Tautologie oder Pleonasmus, beschäftigt sich mit einer anderen, seit langem viel diskutierten Auswirkung der Automatisierung. Hier möglicherweise einfach eine Art doppelte Erklärung oder die erhoffte Option, Algorithmen doch noch zu beherrschen.

Im Außenraum baut Brunner, gemeinsam mit einer Gruppe wechselnder Kollaborateur*innen temporäre Gerüstbauten auf und wieder ab. Fragen zur Algorithmisierung des Arbeits- und Materialwertes werden in Spielformaten abgehandelt. trash +/- value ist ein spontaner Versuch, den Tausch von Arbeit und Material aus dem Moment heraus neu zu gestalten und Geschichten über Weggeworfenes und dessen Rückholung zu entwicklen.

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„Algorithms and artificial intelligence are here to stay. But what do people […] know about them and how do they perceive the influence of these digital technologies on their lives and society?“ (Markus Overdiek / Algorithm Ethics).

The Berlin-based Swiss artist Hannes Brunner has long been concerned with modelling established areas of action that often have had a long anthropomorphic development, but are now increasingly guided by algorithmically recorded expertise. His models are games, scores and exercises and offer references to the mentally experiential in allegorical, metaphorical or synonymous translation. They are approaches to potential further developments that see themselves as an offer for communication and thus as a component of a dialogue.

The works shown at the Kunstverein am Rosa-Luxemburg-Platz explicitly refer to such an exchange. Video installations such as Drivers Comments: would be inconceivable without the passengers – all of them cultural mediators invited by the artist. They comment on the islands at the centre of the countless roundabouts that the artist and the mediator drive around in crazy circles. Brunner juxtaposes the videos with a series of walk-in models, each of which seems to turn the circular movement in the opposite direction like a carousel. Movement is thus translated into space and enables related and new experiences.

Brunner’s modelling of a school for autonomous driving deals with another impact of automation that has been much discussed for a long time – a fiction as such, tautology or pleonasm. Here, possibly simply a kind of double explanation or the hoped-for option of mastering algorithms after all.

In the outdoor space, Brunner builds temporary scaffolding constructions together with a group of changing collaborators and takes them down again. Questions about the algorithmisation of work and material value are addressed in play formats. trash +/- value is a spontaneous attempt to reshape the exchange of work and material out of the moment and to develop stories about the discarded and its reclamation for this purpose.

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Mitwirkende sind | Cooperators are: Alan Trapp, Florian Techel, Marina Resende-Santos+Jakob Wirth, Jérémie Le Hénaff, Paul Ohnesorgen, Abie Franklin, Ulrike Mohr, Wolfgang Knapp, Ivanna Heredia, Hannes Brunner, u.a.

Hannes Brunner lebt in Berlin und der Schweiz | Hannes Brunner lives in Berlin and Switzerland.

Die Projekte und ein anschließender Katalog werden unterstützt durch die Kulturstiftung des Kanton Thurgau | The projects and a subsequent catalogue are supported by the Cultural Foundation of the Canton of Thurgau

Maja Wirkus & Eric Pries, We Are Millennium Stars

Ausstellungsdauer 29.April – 1.Juli 2022, Mi-Fr 14-18 h und auf Anfrage oder per Zufall (geschlossen an gesetzlichen  Feiertagen)

Das Künstlerpaar Maja Wirkus und Eric Pries setzt sich seit einigen Jahren intensiv mit der Architektur der hierzulande wenig bekannter Moderne in den europäischen Peripherien auseinander. Die Künstler interessiert dabei die darin festgehaltenen Erzählungen und Erfahrungen als Grundlage für die Ergänzung eines zumeist euroamerikanisch geprägten Architekturdiskurses, der noch immer weite Teile des mittel- und osteuropäischen Einflusses auf die gemeinsame Kulturgeschichte ausspart. So entstehen Rechercheprojekte, die in raumbezogenen Installationen eigene Arbeit den in Archiven gewonnenen Einblicken gegenüberstellen. Ihr neuestes Ausstellungsprojekt We Are Millennium Stars beschäftigt sich mit Aspekten der Ökonomie von Netzwerken und der politischen Dimension von Freundschaft.

Inspirationsort der titelgebenden Textarbeit ist ein Haus am Fluss: Serock, Rybaki 2, südlich von Warschau, direkt am Narew gelegen. Es handelt sich um das Wochenendhaus des Architektenpaares Syrkus. We Are Millennium Stars beruht auf der von dort in alle Welt gehenden Korrespondenz von Helena Syrkus mit dem weltumspannenden Netzwerk der internationalen Moderne. In ihr überschreiben sich als private biografische Erinnerung die Ereignisse der 1920er und 1930er Jahre, die Zeit des Zweiten Weltkriegs und die der Blockbildung danach. WIRKUS PRIES übersetzen die Brüche und Lücken in der sich entfaltenden Erzählung in eine poetische Textcollage. Der Text collagiert die historischen Zeitläufe mit den Briefen der Protagonist*innen und anderen Einflüssen, die WIRKUS PRIES bei der künstlerischen Arbeit begleitet haben. So überlagern sich konkrete Wissensräume und verweisen auf die permanente Gleichzeitigkeit von Gegensätzlichen.

Konkret wird die Überlagerung in der im Untertitel bereits auf den gelenkten Blick verweisende Installation Ohne Titel (Wzrok).  Die Fotografien zeigen modernistische Architekturen in Warschau, die alle hinter dichten Bewuchs verborgen sind. Diese Bilder reflektieren einerseits unmittelbar die mangelnde Präsenz selbst bedeutender osteuropäischer Architekt*innen und Stadtplaner*innen, und verweisen gleichzeitig auf die hochaktuelle Diskussion einer klimapolitisch notwendigen Veränderung von Stadtarchitektur und -grün.

Grundsätzliche Fragen stellen die Stop-Motion-Filme, an denen WIRKUS PRIES seit 2019 kontinuierlich arbeiten und in deren Kosmos auch der schwere Tondo aus Acrylglas gehört. Beide basieren auf Collagen, Architekturfragmente und Papierobjekte, die während ihrer Recherchen zur Architekturgeschichte entstehen. Auswahl und Überformung der einzelnen Objekte ist dabei stets bedingt durch die jeweilige Fragestellung. Das sind beispielsweise Fragen nach dem Verhältnis von Wirklichkeit und Abbild in der Architekturfotografie, der Transformation von Informationen in Kopierprozessen, der Aneignung von Architektur und dessen Umwertung oder auch der Frage nach Leerstellen – Informationslücken – in Archiven und anderenorts und deren Potential für künstlerische Eingriffe. Ergänzt wird die Filmarbeit durch eine parallele zweistündige Soundarbeit, die sich gemeinsam Zygmunt Baumanns Konzept der „flüssigen Moderne“ zu eigen machen und die Artefakte, die vordergründig für das Immobile stehen, in Bewegung setzen.

For several years now, the artist couple Maja Wirkus and Eric Pries have been intensively examining the architecture of modernism in the European peripheries, which is little known in this country. In doing so, the artists are interested in the narratives and experiences recorded in them as a basis for supplementing a mostly Euro-American architectural discourse that still leaves out large parts of the Central and Eastern European influence on our common cultural heritage. This results in research projects that juxtapose their own work with insights gained in archives in space-related installations. Her latest exhibition project We Are Millennium Stars deals with aspects of the economy of networks and the political dimension of friendship.

The place of inspiration for the titular text work is a house on the river: Serock, Rybaki 2, north of Warsaw, situated directly on the Narew. It is the weekend house of the architect couple Syrkus. We Are Millennium Stars is based on Helena Syrkus‘ correspondence with the global network of international modernism, which goes out from there to all corners of the world. In it, the events of the 1920s and 1930s, the period of the Second World War and the subsequent formation of the blocs thereafter, are overwritten with private biographical memories. WIRKUS PRIES translate the breaks and gaps in the thus unfolding narrative into a poetic text collage. The text collages the historical periods with the letters of the protagonists and other influences that accompanied WIRKUS PRIES in their artistic work. In this way, concrete spaces of knowledge overlap and refer to the permanent simultaneity of opposites.

The superimposition becomes concrete in the installation Untitled (Wzrok), which refers to the directed gaze in its subtitle.  The photographs show modernist architecture in Warsaw, all hidden behind dense vegetation. On the one hand, these images directly reflect the lack of presence of even important Eastern European architects and urban planners, and at the same time refer to the highly topical discussion of a change in urban architecture and city green that is necessary for climate policy.

The stop-motion films, which WIRKUS PRIES has been working on continuously since 2019 and whose cosmos also includes the heavy acrylic glass tondo, pose fundamental questions. Both are based on collages, architectural fragments and paper objects created during their research into architectural history. The selection and reshaping of the individual objects is always conditioned by the respective question. These are, for example, questions about the relationship between reality and image in architectural photography, the transformation of information in copying processes, the appropriation of architecture and its revaluation, or the question of empty spaces – gaps in information – in archives and elsewhere and their potential for artistic intervention. The film work is complemented by a parallel two-hour sound work, both appropriating Zygmunt Baumann’s concept of ‚liquid modernity‘ and setting in motion the artefacts that ostensibly stand for the immobile.

Maja Wirkus und Eric Pries leben in Warschau, Berlin und Kassel. Beide arbeiten auch unabhängig. | Maja Wirkus and Eric Pries are based in Warsaw, Berlin and Kassel. Both also work individually.

Während der Ausstellung erscheint ein Überblickskatalog | An overview catalogue will be published during the exhibition.

2052 – KUNST ZUR KLIMAKATASTROPHE

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Das T-Shirt von Beat Gipp ist beim Kunstverein für 10 Euro käuflich zu erwerben.

Eröffnung mit Performance von Katrin Glanz: 14. April 2022 | 18h

Künstler*Innen: Monica Bonvicini, Claus Föttinger, Katrin Glanz, Beat Gipp, Shila Khatami, Dan Perjovschi, Andrea Pichl, Jost Wischnewski, Johannes Wohnseifer, Marina Naprushkina, Christine Würmell, Matthias Sturm, Andreas Templin, Oliver Ressler, Stefanie von Schroeter, Silke Wagner, Lena von Goedeke, Joulia Strauss, Andreas Koch, Marie S. Ueltzen, Anna Meyer, Peter Niemann, Jonathan Monk, Bhima Griem

Kurator: Raimar Stange

Anschließend vom 14.4. – 18.6.2022 im Foyer des Kunstvereins und Tor-/Karl-Liebknecht-Straße

Die Eisschmelze an den Polarkappen nimmt rapide zu, der CO2-Ausstoß ist nicht in den Griff zu bekommen und die Erderwärmung steigt unentwegt – der Klimawandel ist nicht mehr aufzuhalten. Der Corona-Krise und jetzt dem Ukraine-Krieg aber ist es geschuldet, den Klimawandel wieder weitestgehend aus der öffentlichen Aufmerksamkeit verdrängt zu haben. Die aktuelle Notlage scheint dringender zu sein als die vermeintlich weniger akute des Klimawandels. Aber nicht nur der Philosoph und Kulturkritiker Slavoj Zizek hat richtig festgestellt, dass die Klimakatastrophe von uns weit mehr abverlangen wird als derzeit die Corona-Pandemie.

Die Ausstellung „2052“ versucht den Klimawandel wieder in das Licht der Öffentlichkeit zu stellen. Um möglichst viele Menschen ansprechen zu können, begibt sie sich darum mit ihren Exponaten aus dem white cube heraus und geht mitten hinein in den öffentlichen Raum. 22 nationale und internationale Künstler*innen unterschiedlicher Generationen hat Raimar Stange für „2052“ um künstlerische Beiträge gebeten, die in Form von im Außenraum platzierbare Plakate sowie als dort zu verteilende Flugblätter konzipiert sind.

Thematisch schließt die Ausstellung „2052“ an die Ausstellung „2050“ an, die 2019 im Kunstverein am Rosa-Luxemburg-Platz zu sehen war.

Es erscheint ein Katalog

Dank an Dipl.-Ing. Ingo Sturm, München