Clubs der Zukunft | Clubs of the Future

Eröffnung / Opening: 8. August 2024, 19-22 h 

Ausstellung / Exhibition: 14. – 31.8.2024
Öffnungszeiten / Opening hours: Mi – Sa / Wed – Sat 14 – 18 h und nach Vereinbarung / and by appointment

Künstler*innen / Artists: Jasmina Al-Qaisi, Chto Delat, CLUBS OF THE FUTURE – Materials, Ilya Dolgov, Berit Fischer, Andreas Fogarasi, Abrie Fourie, Oskar Helcel & Martin Netočný, Suza Husse, Dana Kavelina, Sarat Maharaj & Ecke Bonk, Sajan Mani, MITKUNSTZENTRALE, Henrike Naumann, Mikhail Lylov, Andrea Pichl, Elske Rosenfeld, SATELLIT, Åsa Sonjasdotter & Mercè Torres Ràfols, Fetewei Tarekegn, Gitte Villesen, Ming Wong, Ina Wudtke, Anna Zett

Kuratorin / Curator: Dorothee Albrecht | Ko-Kurator*innen / Co-curators: Mikhail Lylov, Susanne Prinz | Berater / Advisor: Prof. Dr. Sarat Maharaj | Programm / Programme: Jochen Becker, Suza Husse & Elske Rosenfeld, Mikhail Lylov

Veranstaltungsprogramm und weitere Informationen /
Event programme and further information: www.clubsofthefuture.net

CLUBS der ZUKUNFT – Gemeinsame Räume in Übergangsgesellschaften – ist eine Ausstellung an zwei Orten mit einem Vortragsprogramm und Workshops an verschiedenen Standorten rund um den Alexanderplatz im Zentrum Berlins.

CLUBS DER ZUKUNFT nimmt gemeinschaftliche Räume weltweit, insbesondere Kulturhäuser in Europa und der DDR, als Ausgangspunkt und eröffnet einen Reflexionsraum zu aktuellen Projekten des Gemeinschaftlichen, des Commoning und der Reform. Das Projekt findet in einer Zeit des Wandels statt, in der kollaborative Praktiken, alternative Ökonomien, neue Netzwerke sowie gemeinsame zivile Räume und Gesellschaften neu erprobt und ausgehandelt werden.

Anlass für das Projekt war eine Recherche über die rund 1800 Kulturhäuser in der ehemaligen DDR, von denen zwei Drittel nach der Wende geschlossen wurden. Bis heute klafft hier eine Lücke, die gerade von rechten Gruppen ausgenutzt wird.

Die Ausstellungen im Kunstverein am Rosa-Luxemburg-Platz und im Haus der Statistik (OTTO-Halle) im Sommer/Herbst 2024 sind raum-zeitlich verschränkt und präsentieren eine erste Sammlung, die in Zukunft am weiteren Orten Osteuropas und der Welt fortlaufend ergänzt und gezeigt werden soll.

Mehrere Ebenen agieren parallel und spannen visuell-poetisch-diskursive Bögen zwischen unterschiedlichen Projekten. Dabei werden Bezüge zu historischen Kulturhäusern in Osteuropa hergestellt, so bei Andreas Fogarasis Projekt Kultur und Freizeit zu Kultur- und Bildungshäuser in Budapest und bei Enlightenment, Culture, Leisure: Houses of Culture in Czechoslovakia von Oskar Helcel & Martin Netočný.

Culture without a house – A rose without roots – Toward a History of the Rose House of Culture von Chto Delat reflektiert ihr eigenes, das Publikum aktiv einbeziehendes, von 2015-2022 bestehendes Projekt Rosa House of Culture in St. Petersburg, das sich auf  Kulturhäuser in den sozialistischen Ländern bezog.

In Kollaboration mit unterschiedlichsten Partner*innen präsentiert CLUBS der ZUKUNFT prototypische Workshop- oder Club-Formate, die einen verstetigten gemeinschaftlichen Rahmen für unterschiedlichste Anliegen und Interessen ermöglichen:

Die Videoarbeit Greif zur Feder von Ina Wudtke bezieht sich konkret auf die Schreibzirkel in den Kulturhäusern der DDR. Ihre Installation Black Lives Audio Triptych / Part III / Hilarius Gilges legt Spuren der Geschichte Schwarzer Menschen in Deutschland frei und erinnert multidirektional an vergangene und gegenwärtige antirassistische Kämpfe.

In Andrea Pichls Installation Klub Zukunft werden eine Standard-Zweizimmerwohnung der DDR-Wohnungsbaureihe 70, eine Zweizimmerwohnung eines Plattenbaus der Co-op City in der Bronx in New York und eine Zweizimmerwohnung der Plattenbauten in Ballymun in einem Vorort von Dublin in Beziehung zueinander gesetzt.

Elske Rosenfelds Wandcollage In eigener Sache basiert auf Covern von Hobby- und Naturzeitschriften aus dem letzten Jahr der DDR sowie Auszügen aus Leserbriefen und Editorials aus den verwendeten Heften.

Henrike Naumann Performance-Projekt im Drama-Theater der westukrainischen Stadt Iwano-Frankiwsk setzt sich mit der Situation in einem Land im Kriegszustand auseinander. Eine weitere Untersuchung zu Krieg und Katastrophe bringt Dana Kavelina mit ihrer Videoarbeit Why There are no Monuments to Monuments ein.

Das Gemeinschaftliche als Thema von CLUBS der ZUKUNFT wird explizit vorgeführt bei Ming Wongs Videoarbeit Kontakthope, die einen „Tanztheater“-Workshop mit Kurator*innen und Künstler*innen dokumentiert, bei dem sie Tanzroutinen aus Pina Bauschs Kontakthof einübten.

In ihrem partizipativen Forschungsprojekt Resonanz – Postsozialistische Gruppenimprovisation entwickelte Anna Zett zusammen mit dem Performer und Choreograph Hermann Heisig ein offenes Spielformat für kleinere und größere Gruppen.

Berit Fischers Radical Empathy Lab ist ein fortlaufendes Sozial- und Forschungslabor für alternative und ganzheitliche Wissensproduktion, das relationales – im Gegensatz zu informativem – Lernen und das, was die brasilianische Theoretikerin Suely Rolnik den „wissenden Körper“ nennt, umfasst.

Für den weit gefassten Referenzrahmen stehen aktuelle Projekte wie Sajan Manis Wake-Up Calls for My Ancestors, bei dem er rassistische Praktiken dekonstruiert und koloniales Urheberrecht befragt. Abrie Fouries Installation MAPSA Bricks & Books bezieht sich direkt auf Modern Art Projects South Africa (MAPSA), ein Ort für zeitgenössische Kunst und Tonziegel-Herstellung in Richmond in der Karoo-Halbwüste.

Das wohl älteste Club-Format in unserem Projekt ist die kritische Analyse AAH Room (Apartheidera Art History Room) auf Salisbury Island, Durban an der University College for Blacks of Indian Origin von Sarat Maharaj, grafisch gestaltet von Ecke Bonk.

Ausgangspunkt für einen feministischen Lese-Club könnte die Videoarbeit It grew fur again, lost it, developed scales, lost them von Gitte Villesen sein. Sie widmet sich verschiedenen Formen von Empfindsamkeiten und der Science-Fiction-Literatur, u.a. der Autorinnen Suzette Haden Elgin und Octavia E. Butler.

Lokal in Berlin verankert ist der SATELLIT, ein Ort für Kunst und Kochen, Nachhaltigkeit und Begegnung im Barnimkiez am Volkspark Friedrichshain an dem sich vielfältige Personen, Ideen und Geschichten versammeln. Genauso die MITKUNSTZENTRALE – als Teil der Initiativen und Projekte des Haus der Statistik / Haus der Materialisierung. Sie versteht sich zugleich als Atelier, Labor, Projektraum, Ausstellungsort und Diskussionsforum für die drängenden Fragen urbaner gesellschaftlicher Zukunft.

Insbesondere Gartenprojekte erscheinen zukunftsweisend: Katya Gardea Brownes A floating garden & exchange of seeds verschränkt ihre künstlerische Arbeit mit dem Projekt Cuemanco Xochimilco in Mexico, mit der dortigen Vegetation, dem Anbau von Saatgut und der Nahrungsmittelproduktion und entwickelt bewegliche Strukturen und Biofilter auf einem großen Gewässer in einem nachhaltigen System.

Åsa Sonjasdotter & Mercè Torres Ràfols – The Kale Bed is so Called Because there is Always Kale in it folgt den Ereignissen während der Großen Hungersnot in Irland, die durch die Kartoffelfäule verursacht wurde. Die vorher verdrängten Grünkohl-Pflanzen lieferten außerhalb der bewirtschafteten Gartenflächen in Situationen extremer Knappheit wichtige Nährstoffe.

Ilya Dolgov – What moves inside me, you, verbindet Laichtänze von Aquarienfischen mit katastrophalen Pflanzeninfektionen, hybriden Formen von leidenschaftlichem Wissen und intuitive Technologien.

Jasmina Al-Qaisi & Mikhail Lylovs Workshop mit Kindern Sharing Tomatoes With the Slugs erinnert uns an Erfahrungen mit informeller kollektiver Pädagogik, die in Küchen, Gärten, auf der Straße, vor und hinter unseren Häusern, in nahe gelegenen Wäldern und an Flussufern stattfand. Die materiellen Ergebnisse dieses Prozesses werden in der Ausstellung in Form einer Sammlung von visuellen Gedichten und einer Soundarbeit für eine Radioaktion präsentiert.

Die Kunstausstellungen sowie das Veranstaltungsprogramm, dessen Termine Sie zeitnah auf unserer Webseite finden, generieren einen nicht allein diskursiv fassbaren Zwischenraum, einen poetisch-ästhetischen Frageraum in einem Spannungsverhältnis zu einem konkreten Möglichkeitsraum, der in einer Reihe von Workshops entwickelt wird.

Die Kunstausstellungen und das Veranstaltungsprogramm, deren aktuelle Termine Sie auf unserer Webseite finden, schaffen einen poetisch-ästhetischen Frageraum. Dieser Zwischenraum ist nicht allein diskursiv greifbar, sondern steht in einem spannungsvollen Verhältnis zu einem konkreten Möglichkeitsraum, der in einer Reihe von Workshops entwickelt wird.