Maja Wirkus & Eric Pries, We Are Millennium Stars

Eröffnung 30.April 2022, 13-18 h | Öffnungszeiten zum Gallery Weekend, Fr 13-17 h, Sa-So 13-18 h | Ausstellungsdauer 29.April – 1.Juli 2022, Mi-Fr 14-18 h und auf Anfrage oder per Zufall

Das Künstlerpaar Maja Wirkus und Eric Pries setzt sich seit einigen Jahren intensiv mit der Architektur der hierzulande wenig bekannter Moderne in den europäischen Peripherien auseinander. Die Künstler interessiert dabei die darin festgehaltenen Erzählungen und Erfahrungen als Grundlage für die Ergänzung eines zumeist euroamerikanisch geprägten Architekturdiskurses, der noch immer weite Teile des mittel- und osteuropäischen Einflusses auf die gemeinsame Kulturgeschichte ausspart. So entstehen Rechercheprojekte, die in raumbezogenen Installationen eigene Arbeit den in Archiven gewonnenen Einblicken gegenüberstellen. Ihr neuestes Ausstellungsprojekt We Are Millennium Stars beschäftigt sich mit Aspekten der Ökonomie von Netzwerken und der politischen Dimension von Freundschaft.

Inspirationsort der titelgebenden Textarbeit ist ein Haus am Fluss: Serock, Rybaki 2, südlich von Warschau, direkt am Narew gelegen. Es handelt sich um das Wochenendhaus des Architektenpaares Syrkus. We Are Millennium Stars beruht auf der von dort in alle Welt gehenden Korrespondenz von Helena Syrkus mit dem weltumspannenden Netzwerk der internationalen Moderne. In ihr überschreiben sich als private biografische Erinnerung die Ereignisse der 1920er und 1930er Jahre, die Zeit des Zweiten Weltkriegs und die der Blockbildung danach. WIRKUS PRIES übersetzen die Brüche und Lücken in der sich entfaltenden Erzählung in eine poetische Textcollage. Der Text collagiert die historischen Zeitläufe mit den Briefen der Protagonist*innen und anderen Einflüssen, die WIRKUS PRIES bei der künstlerischen Arbeit begleitet haben. So überlagern sich konkrete Wissensräume und verweisen auf die permanente Gleichzeitigkeit von Gegensätzlichen.

Konkret wird die Überlagerung in der im Untertitel bereits auf den gelenkten Blick verweisende Installation Ohne Titel (Wzrok).  Die Fotografien zeigen modernistische Architekturen in Warschau, die alle hinter dichten Bewuchs verborgen sind. Diese Bilder reflektieren einerseits unmittelbar die mangelnde Präsenz selbst bedeutender osteuropäischer Architekt*innen und Stadtplaner*innen, und verweisen gleichzeitig auf die hochaktuelle Diskussion einer klimapolitisch notwendigen Veränderung von Stadtarchitektur und -grün.

Grundsätzliche Fragen stellen die Stop-Motion-Filme, an denen WIRKUS PRIES seit 2019 kontinuierlich arbeiten und in deren Kosmos auch der schwere Tondo aus Acrylglas gehört. Beide basieren auf Collagen, Architekturfragmente und Papierobjekte, die während ihrer Recherchen zur Architekturgeschichte entstehen. Auswahl und Überformung der einzelnen Objekte ist dabei stets bedingt durch die jeweilige Fragestellung. Das sind beispielsweise Fragen nach dem Verhältnis von Wirklichkeit und Abbild in der Architekturfotografie, der Transformation von Informationen in Kopierprozessen, der Aneignung von Architektur und dessen Umwertung oder auch der Frage nach Leerstellen – Informationslücken – in Archiven und anderenorts und deren Potential für künstlerische Eingriffe. Ergänzt wird die Filmarbeit durch eine parallele zweistündige Soundarbeit, die sich gemeinsam Zygmunt Baumanns Konzept der „flüssigen Moderne“ zu eigen machen und die Artefakte, die vordergründig für das Immobile stehen, in Bewegung setzen.

For several years now, the artist couple Maja Wirkus and Eric Pries have been intensively examining the architecture of modernism in the European peripheries, which is little known in this country. In doing so, the artists are interested in the narratives and experiences recorded in them as a basis for supplementing a mostly Euro-American architectural discourse that still leaves out large parts of the Central and Eastern European influence on our common cultural heritage. This results in research projects that juxtapose their own work with insights gained in archives in space-related installations. Her latest exhibition project We Are Millennium Stars deals with aspects of the economy of networks and the political dimension of friendship.

The place of inspiration for the titular text work is a house on the river: Serock, Rybaki 2, north of Warsaw, situated directly on the Narew. It is the weekend house of the architect couple Syrkus. We Are Millennium Stars is based on Helena Syrkus‘ correspondence with the global network of international modernism, which goes out from there to all corners of the world. In it, the events of the 1920s and 1930s, the period of the Second World War and the subsequent formation of the blocs thereafter, are overwritten with private biographical memories. WIRKUS PRIES translate the breaks and gaps in the thus unfolding narrative into a poetic text collage. The text collages the historical periods with the letters of the protagonists and other influences that accompanied WIRKUS PRIES in their artistic work. In this way, concrete spaces of knowledge overlap and refer to the permanent simultaneity of opposites.

The superimposition becomes concrete in the installation Untitled (Wzrok), which refers to the directed gaze in its subtitle.  The photographs show modernist architecture in Warsaw, all hidden behind dense vegetation. On the one hand, these images directly reflect the lack of presence of even important Eastern European architects and urban planners, and at the same time refer to the highly topical discussion of a change in urban architecture and city green that is necessary for climate policy.

The stop-motion films, which WIRKUS PRIES has been working on continuously since 2019 and whose cosmos also includes the heavy acrylic glass tondo, pose fundamental questions. Both are based on collages, architectural fragments and paper objects created during their research into architectural history. The selection and reshaping of the individual objects is always conditioned by the respective question. These are, for example, questions about the relationship between reality and image in architectural photography, the transformation of information in copying processes, the appropriation of architecture and its revaluation, or the question of empty spaces – gaps in information – in archives and elsewhere and their potential for artistic intervention. The film work is complemented by a parallel two-hour sound work, both appropriating Zygmunt Baumann’s concept of ‚liquid modernity‘ and setting in motion the artefacts that ostensibly stand for the immobile.

Maja Wirkus und Eric Pries leben in Warschau, Berlin und Kassel. Beide arbeiten auch unabhängig. | Maja Wirkus and Eric Pries are based in Warsaw, Berlin and Kassel. Both also work individually.

Während der Ausstellung erscheint ein Überblickskatalog | An overview catalogue will be published during the exhibition.

2052 – KUNST ZUR KLIMAKATASTROPHE

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Das T-Shirt von Beat Gipp ist beim Kunstverein für 10 Euro käuflich zu erwerben.

Eröffnung mit Performance von Katrin Glanz: 14. April 2022 | 18h

Künstler*Innen: Monica Bonvicini, Claus Föttinger, Katrin Glanz, Beat Gipp, Shila Khatami, Dan Perjovschi, Andrea Pichl, Jost Wischnewski, Johannes Wohnseifer, Marina Naprushkina, Christine Würmell, Matthias Sturm, Andreas Templin, Oliver Ressler, Stefanie von Schroeter, Silke Wagner, Lena von Goedeke, Joulia Strauss, Andreas Koch, Marie S. Ueltzen, Anna Meyer, Peter Niemann, Jonathan Monk, Bhima Griem

Kurator: Raimar Stange

Anschließend vom 14.4. – 18.6.2022 im Foyer des Kunstvereins und Tor-/Karl-Liebknecht-Straße

Die Eisschmelze an den Polarkappen nimmt rapide zu, der CO2-Ausstoß ist nicht in den Griff zu bekommen und die Erderwärmung steigt unentwegt – der Klimawandel ist nicht mehr aufzuhalten. Der Corona-Krise und jetzt dem Ukraine-Krieg aber ist es geschuldet, den Klimawandel wieder weitestgehend aus der öffentlichen Aufmerksamkeit verdrängt zu haben. Die aktuelle Notlage scheint dringender zu sein als die vermeintlich weniger akute des Klimawandels. Aber nicht nur der Philosoph und Kulturkritiker Slavoj Zizek hat richtig festgestellt, dass die Klimakatastrophe von uns weit mehr abverlangen wird als derzeit die Corona-Pandemie.

Die Ausstellung „2052“ versucht den Klimawandel wieder in das Licht der Öffentlichkeit zu stellen. Um möglichst viele Menschen ansprechen zu können, begibt sie sich darum mit ihren Exponaten aus dem white cube heraus und geht mitten hinein in den öffentlichen Raum. 22 nationale und internationale Künstler*innen unterschiedlicher Generationen hat Raimar Stange für „2052“ um künstlerische Beiträge gebeten, die in Form von im Außenraum platzierbare Plakate sowie als dort zu verteilende Flugblätter konzipiert sind.

Thematisch schließt die Ausstellung „2052“ an die Ausstellung „2050“ an, die 2019 im Kunstverein am Rosa-Luxemburg-Platz zu sehen war.

Es erscheint ein Katalog

Dank an Dipl.-Ing. Ingo Sturm, München