Kategorie: Ausstellungen

  • Goyo – Berlin, Han Chung Shik

    Ausstellung / Exhibition: 12.11. – 31.12.2024
    Öffnungszeiten / Opening hours: Do – Sa / Thu – Sat 14 – 18 h und nach Vereinbarung / and by appointment*

    Am Freitag, den 22.11.2024, bleibt die Ausstellung aufgrund einer internen Veranstaltung des Kunstvereins geschlossen. 

    Die Einzelausstellung Goyo – Berlin mit Arbeiten des koreanischen Künstlers Han Chung Shik (1937 -2022) im Kunstverein am Rosa-Luxemburg-Platz e.V. ist die erste Einzelausstellung dieses bedeutenden koreanischen Fotografen und Intellektuellen in Berlin.

    Han, bekannt durch den zeitgenössischen Diskurs, den er ausgehend von der formellen, klassisch-koreanisch Ästhetik und Erzählung hinsichtlich der Aspekte reduktionisten Landschaftsfotografie entwickelt hat, hat die Wahrnehmung der koreanischen zeitgenössischen künstlerischen Ausdrucksformen innerhalb der Fotografie wesentlich verändert und ihre Entwicklung geprägt. Während der letzten Jahrzehnte hat der Künstler eine Ästhetik des Konzepts der „Gelassenheit“ (Goyo) entworfen, die das innere Bewusstsein der Natur und deren Dasein als wesentlichen Bestandteil seiner künstlerischen Forschung in den Mittelpunkt stellt. Parallel dazu entwickelte er literarische und philosophische Ideen, die dieses Konzept untermauern.

    In seiner Fotografie verbindet der Künstler ausgeprägte fotografisch-formale Gesten mit der Ausarbeitung von Form und Gestalt zunehmend abstrakter Landschaften, indem er der Idee des fotografischen Akts als einem Vorgang nachspürt, der durch die Natur der Welt selbst ermöglicht wird, einschließlich der ihr innewohnenden Ideen und ihres unmittelbaren flüchtigen Ausdrucks.

    Die Ausstellung wurde von Chiara Valci Mazzara und Susanne Prinz in Zusammenarbeit mit Ilwoo Lee kuratiert. Sie stellt eine Auswahl der repräsentativsten Arbeiten des Künstlers sowie einige bisher unveröffentlichte Werke vor. Sie wurde durch die großzügige Unterstützung von Han Chung Shik Estate, dem National Museum of Modern and Contemporary Art und der Korea Photographers Gallery, Seoul, ermöglicht.

    Das Copyright liegt bei: Estate Han Chung Shik und Korea Photographers Gallery

    Eng: Han Chung Shik’s (1937 -2022) solo exhibition Goyo – Berlin at the Kunstverein am Rosa Luxemburg Platz, is the first solo exhibition in Berlin of one among the most representative Korean artists, photographers and thinkers.

    Han, renowned because of the discourse he developed from the classical and formalist Korean aesthetics and narratives and around the features of abstract landscape photography, significantly changed the perception – shaping its evolution- of the Korean contemporary artistic expressions within photography; during the last decades the artist theorised and then portrayed – while propounding his vision through a literary and philosophical lens – the aesthetics of the idea of ’serenity‘ as the concept of the inner awareness of the nature of existence and integral part of his artistic research.

    In his photography the artist merges distinctive formalist photographic gestures with the development of the forms and shapes of abstract landscapes by tracing the idea of the act of photography as an act enabled by the very nature of the world including (abstract) ideas and their immediate fluxional expression.

    Han Chung Shik works are in national and international private and public collections such as The National Museum of Contemporary Art (South Korea); the Seoul Museum of Art; The Seoul Museum of History; the Hanmi Museum of Photography and the Goeun Museum of Photography among many others.

    The exhibition was curated by Chiara Valci Mazzara and Susanne Prinz in collaboration with Ilwoo Lee. It presents a selection of the artist’s most representative works as well as some previously unpublished pieces. It has been made possible by the generous support of the Han Chung Shik Estate, the National Museum of Modern and Contemporary Art and the Korea Photographers Gallery, Seoul.

    Copyright all images @ Estate Han Chung Shik and @ Korea Photographers Gallery

    * an gesetzlichen Feiertagen geschlossen / closed on public holidays

  • The Reading Room, Daniela Comani

    Ausstellung / Exhibition: 14.9. – 1.11.2024
    Öffnungszeiten / Opening hours: Do – Sa / Thu – Sat 14 – 18 h und nach Vereinbarung / and by appointment*

    Vorstellung der limitierten Sonderedition / lauch of the limited edition of You are mine (in Zusammenarbeit mit / in collaboration with Susanne Bürner und Monroe Books): 1.11.2024, 18-20 h

    The Reading Room zeigt zentrale Werkserien und eine ortsspezifische Installation der in Berlin lebenden italienischen Künstlerin Daniela Comani. Die Arbeiten, speziell für diese Einzelausstellung produziert, basieren auf dem umfangreichen Archiv der Künstlerin. Sie thematisieren Geschlechterungleichheit und deren sozialpolitischen Verflechtungen in vermeintlich gleichberechtigten Gesellschaften, indem sie auf Themen wie Gewalt und Machtdynamiken aufmerksam macht, die in der Sprache und ihrer Verwendung verwurzelt sind.

    Comani, die sich seit Beginn ihrer Karriere mit Geschlecht, Identität und sozialen Stereotypen auseinandersetzt, verwendet oft textbasierte Werke, um sprachlich bedingte Diskriminierung und Klischees, die durch Medien perpetuiert werden, aufzudecken. Oft kehrt sie dazu die gegebenen Geschlechterrollen um und forciert so eine andere Wahrnehmung. So auch in den elf neuen Werken aus der Serie You are Mine, in denen Comani ihre Recherchen zu Femiziden fortsetzt. Diese, wie auch die zugehörige neue Videoarbeit Reversal Exercise, veranschaulicht diesen Prozess und laden ein, zu erleben, wie eine einfache Geschlechterumkehr eine Erzählung dramatisch ändert.

    You are Mine ist die Fortsetzung einer Serie, die sich mit denselben Verbrechen in Italien beschäftigt und 2022 in der Galleria Nazionale d’Arte Moderna e Contemporanea in Rom präsentiert wurde. Sie bezieht sich auf kurze Pressetexte zu häuslicher Gewalt und gewaltsamen Beziehungstaten. Durch die Einbindung von Artikeln aus deutschen Medien wird die Brisanz des Themas deutlich und als ein drängendes Problem vor unserer eigenen Haustür entlarvt.

    Vergleichbar ist auch die ortsspezifische Installation Orlando’s Library organisiert. Virginia Woolfs geschlechtsfluidem Charakter Orlando gewidmet, zeigt sie Bücherregale mit einem bekannten Lesekanon, der nun verwirrenderweise ausschließlich von Heldinnen beherrscht wird. Aus Musils Der Mann ohne Eigenschaften wird so Die Frau ohne Eigenschaften. Die über 300 digital platzierten Büchern in den Regalen stammen aus der laufend durch die Künstlerin erweiterten Serie Neue Veröffentlichungen herausgegeben von Daniela Comani (2007ff), deren Titel alle von ihr verändert werden.

    Zusätzlich wird eine Auswahl aus der fortlaufenden Serie Cover Versions gezeigt, in der die Künstlerin Titelbilder von politischen Magazinen wie Time oder Der Spiegel mit Selbstporträts in die Rolle des Protagonisten der Schlagzeilen versetzt.

    Zur Eröffnung der Ausstellung wird anlässlich der Berlin Art Week bis 22. September eine von Daniela Comani konzipierte urbane Intervention auf der Plakatwand in der Tor- / Karl-Liebknecht-Straße zu sehen sein.

    Im Rahmen der Ausstellung wird das neue Künstlerbuch You Are Mine von Daniela Comani – erschienen bei Monroe Books – präsentiert.

    Die Ausstellung ist kuratiert von Chiara Valci Mazzara und Susanne Prinz.

    *Biografie am Ende der Seite / for biography scroll down

    Eng: The Reading Room shows central series of works and a site-specific installation by the Berlin-based Italian artist Daniela Comani. The works, produced especially for this solo exhibition, are based on the artist’s extensive archive. They address gender inequality and its socio-political entanglements in supposedly equal societies by drawing attention to issues such as violence and power dynamics that are rooted in language and its use.

    Comani, who has been exploring gender, identity, and social stereotypes since the beginning of her career, often uses text-based works to expose linguistic discrimination and clichés perpetuated by the media. She frequently reverses the given gender roles and thus forces a different perception. This is also the case in the eleven new works from the series You are Mine, in which Comani continues her research into femicide. These, as well as the new video work Reversal Exercise, illustrate this process and invite the viewer to experience how a simple gender conversal dramatically changes the narrative. 

    You are Mine is a continuation of a series that addresses the same crimes in Italy and was presented in 2022 at the Galleria Nazionale d’Arte Moderna e Contemporanea in Rome. The work draws on brief press reports about domestic violence and violent relationship crimes. By incorporating articles from German media, the urgency of the issue is highlighted, revealing it as a pressing problem right on our doorstep.

    The site-specific installation Orlando’s Library is organised in a similar way. Dedicated to Virginia Woolf’s gender-fluid character Orlando, it shows bookshelves with a well-known reading canon that is now bewilderingly dominated by heroines. In addition, the ongoing series Cover Versions will be shown, in which the artist reinterprets magazine covers with self-portraits to create a media diary.

    In this way, Musil’s Der Mann ohne Eigenschaften becomes Die Frau ohne Eigenschaften. The over 300 digitally placed books on the shelves are part of the ongoing series New Publications edited by Daniela Comani (2007 and ongoing), in which all titles have been altered by the artist.

    Additionally, a selection from the ongoing series Cover Versions will be displayed, in which the artist places self-portraits in the role of the protagonist of headline stories by reimagining the covers of political magazines such as Time or Der Spiegel.

    In celebration of Berlin Art Week, an urban intervention conceived by Daniela Comani will be featured on the billboard at Tor-/Karl-Liebknecht-Straße until September 22nd, coinciding with the exhibition’s opening.

    As part of the exhibition, Daniela Comani’s new artist book You Are Mine, published by Monroe Books, will be presented

    The exhibition was curated by Chiara Valci Mazzara and Susanne Prinz.

    *Daniela Comani (1965, Bologna, IT) is a multimedia artist whose work engages in a dialogue about history, gender, language, and identity. Using photography, text, and installation, she works with both manipulated and appropriated media images and the performance of self. Using “gendering” as an artistic strategy, Comani challenges stereotypes, history, identity, and the interpretation of language.Her series are frequently published as artist books, and function as art pieces that she conceives and designs, often becoming an element within her installations.Comani’s work has been shown internationally, most recently: BIENALSUR, Real Fictions, Centro Cultural Kirchner, Buenos Aires (2023). Solo exhibitions include: “Planet Earth: 21st Century“, Museum Folkwang, Essen (2023), “YOU ARE MINE“, Galleria Nazionale d’Arte Moderna e Contemporanea, Rome (2022). Her works are currently on display at the Neues Museum Nürnberg and Palazzo Ducale in Genoa. She lives and works in Berlin.

    * an gesetzlichen Feiertagen geschlossen / closed on public holidays

  • Clubs der Zukunft | Clubs of the Future

    Ausstellung / Exhibition: 9. – 31.8.2024
    Öffnungszeiten / Opening hours: Mi – Sa / Wed – Sat 14 – 18 h und nach Vereinbarung / and by appointment

    Führung durch die Austellung / guided tour (inklusive / including Haus der Statistik) mit / by Silke Nowak: 22. + 24. + 29.08. 2024 · 16 h

    Künstler*innen / Artists: Jasmina Al-Qaisi, Chto Delat, CLUBS OF THE FUTURE – Materials, Ilya Dolgov, Berit Fischer, Andreas Fogarasi, Abrie Fourie,Katya Gardea Browne, Oskar Helcel & Martin Netočný, Suza Husse, Dana Kavelina, Sarat Maharaj & Ecke Bonk, Sajan Mani, MITKUNSTZENTRALE, Henrike Naumann, Mikhail Lylov, Andrea Pichl, Elske Rosenfeld, SATELLIT, Åsa Sonjasdotter & Mercè Torres Ràfols, Fetewei Tarekegn, Gitte Villesen, Ming Wong, Ina Wudtke, Anna Zett

    Kuratorin / Curator: Dorothee Albrecht | Ko-Kurator*innen / Co-curators: Mikhail Lylov, Susanne Prinz | Berater / Advisor: Prof. Dr. Sarat Maharaj | Programm / Programme: Jochen Becker, Suza Husse & Elske Rosenfeld, Mikhail Lylov

    Veranstaltungsprogramm und weitere Informationen /
    Event programme and further information: www.clubsofthefuture.net

    Dt.:     CLUBS der ZUKUNFT – Gemeinsame Räume in Übergangsgesellschaften – ist eine Ausstellung an zwei Orten mit einem Vortragsprogramm und Workshops an verschiedenen Standorten rund um den Alexanderplatz im Zentrum Berlins.

    CLUBS der ZUKUNFT nimmt gemeinschaftliche Räume weltweit, insbesondere Kulturhäuser in Europa und der DDR, als Ausgangspunkt und eröffnet einen Reflexionsraum zu aktuellen Projekten des Gemeinschaftlichen, des Commoning und der Reform. Das Projekt findet in einer Zeit des Wandels statt, in der kollaborative Praktiken, alternative Ökonomien, neue Netzwerke sowie gemeinsame zivile Räume und Gesellschaften neu erprobt und ausgehandelt werden.

    Anlass für das Projekt war eine Recherche über die rund 1800 Kulturhäuser in der ehemaligen DDR, von denen zwei Drittel nach der Wende geschlossen wurden. Bis heute klafft hier eine Lücke, die gerade von rechten Gruppen ausgenutzt wird.

    Die Ausstellungen im Kunstverein am Rosa-Luxemburg-Platz und im Haus der Statistik (OTTO-Halle) im Sommer/Herbst 2024 sind raum-zeitlich verschränkt und präsentieren eine erste Sammlung, die in Zukunft am weiteren Orten Osteuropas und der Welt fortlaufend ergänzt und gezeigt werden soll.

    Mehrere Ebenen agieren parallel und spannen visuell-poetisch-diskursive Bögen zwischen unterschiedlichen Projekten. Dabei werden Bezüge zu historischen Kulturhäusern in Osteuropa hergestellt, so bei Andreas Fogarasis Projekt Kultur und Freizeit zu Kultur- und Bildungshäuser in Budapest und bei Enlightenment, Culture, Leisure: Houses of Culture in Czechoslovakia von Oskar Helcel & Martin Netočný.

    Culture without a house – A rose without roots – Toward a History of the Rose House of Culture von Chto Delat reflektiert ihr eigenes, das Publikum aktiv einbeziehendes, von 2015-2022 bestehendes Projekt Rosa House of Culture in St. Petersburg, das sich auf  Kulturhäuser in den sozialistischen Ländern bezog.

    In Kollaboration mit unterschiedlichsten Partner*innen präsentiert CLUBS der ZUKUNFT prototypische Workshop- oder Club-Formate, die einen verstetigten gemeinschaftlichen Rahmen für unterschiedlichste Anliegen und Interessen ermöglichen:

    Die Videoarbeit Greif zur Feder von Ina Wudtke bezieht sich konkret auf die Schreibzirkel in den Kulturhäusern der DDR. Ihre Installation Black Lives Audio Triptych / Part III / Hilarius Gilges legt Spuren der Geschichte Schwarzer Menschen in Deutschland frei und erinnert multidirektional an vergangene und gegenwärtige antirassistische Kämpfe.

    In Andrea Pichls Installation Klub Zukunft werden eine Standard-Zweizimmerwohnung der DDR-Wohnungsbaureihe 70, eine Zweizimmerwohnung eines Plattenbaus der Co-op City in der Bronx in New York und eine Zweizimmerwohnung der Plattenbauten in Ballymun in einem Vorort von Dublin in Beziehung zueinander gesetzt.

    Elske Rosenfelds Wandcollage In eigener Sache basiert auf Covern von Hobby- und Naturzeitschriften aus dem letzten Jahr der DDR sowie Auszügen aus Leserbriefen und Editorials aus den verwendeten Heften.

    Henrike Naumann Performance-Projekt im Drama-Theater der westukrainischen Stadt Iwano-Frankiwsk setzt sich mit der Situation in einem Land im Kriegszustand auseinander. Eine weitere Untersuchung zu Krieg und Katastrophe bringt Dana Kavelina mit ihrer Videoarbeit Why There are no Monuments to Monuments ein.

    Das Gemeinschaftliche als Thema von CLUBS der ZUKUNFT wird explizit vorgeführt bei Ming Wongs Videoarbeit Kontakthope, die einen „Tanztheater“-Workshop mit Kurator*innen und Künstler*innen dokumentiert, bei dem sie Tanzroutinen aus Pina Bauschs Kontakthof einübten.

    In ihrem partizipativen Forschungsprojekt Resonanz – Postsozialistische Gruppenimprovisation entwickelte Anna Zett zusammen mit dem Performer und Choreograph Hermann Heisig ein offenes Spielformat für kleinere und größere Gruppen.

    Berit Fischers Radical Empathy Lab ist ein fortlaufendes Sozial- und Forschungslabor für alternative und ganzheitliche Wissensproduktion, das relationales – im Gegensatz zu informativem – Lernen und das, was die brasilianische Theoretikerin Suely Rolnik den „wissenden Körper“ nennt, umfasst.

    Für den weit gefassten Referenzrahmen stehen aktuelle Projekte wie Sajan Manis Wake-Up Calls for My Ancestors, bei dem er rassistische Praktiken dekonstruiert und koloniales Urheberrecht befragt. Abrie Fouries Installation MAPSA Bricks & Books bezieht sich direkt auf Modern Art Projects South Africa (MAPSA), ein Ort für zeitgenössische Kunst und Tonziegel-Herstellung in Richmond in der Karoo-Halbwüste.

    Das wohl älteste Club-Format in unserem Projekt ist die kritische Analyse AAH Room (Apartheidera Art History Room) auf Salisbury Island, Durban an der University College for Blacks of Indian Origin von Sarat Maharaj, grafisch gestaltet von Ecke Bonk.

    Ausgangspunkt für einen feministischen Lese-Club könnte die Videoarbeit It grew fur again, lost it, developed scales, lost them von Gitte Villesen sein. Sie widmet sich verschiedenen Formen von Empfindsamkeiten und der Science-Fiction-Literatur, u.a. der Autorinnen Suzette Haden Elgin und Octavia E. Butler.

    Lokal in Berlin verankert ist der SATELLIT, ein Ort für Kunst und Kochen, Nachhaltigkeit und Begegnung im Barnimkiez am Volkspark Friedrichshain an dem sich vielfältige Personen, Ideen und Geschichten versammeln. Genauso die MITKUNSTZENTRALE – als Teil der Initiativen und Projekte des Haus der Statistik / Haus der Materialisierung. Sie versteht sich zugleich als Atelier, Labor, Projektraum, Ausstellungsort und Diskussionsforum für die drängenden Fragen urbaner gesellschaftlicher Zukunft.

    Insbesondere Gartenprojekte erscheinen zukunftsweisend: Katya Gardea Brownes A floating garden & exchange of seeds verschränkt ihre künstlerische Arbeit mit dem Projekt Cuemanco Xochimilco in Mexico, mit der dortigen Vegetation, dem Anbau von Saatgut und der Nahrungsmittelproduktion und entwickelt bewegliche Strukturen und Biofilter auf einem großen Gewässer in einem nachhaltigen System.

    Åsa Sonjasdotter & Mercè Torres Ràfols – The Kale Bed is so Called Because there is Always Kale in it folgt den Ereignissen während der Großen Hungersnot in Irland, die durch die Kartoffelfäule verursacht wurde. Die vorher verdrängten Grünkohl-Pflanzen lieferten außerhalb der bewirtschafteten Gartenflächen in Situationen extremer Knappheit wichtige Nährstoffe.

    Ilia Dolgov – Compound Selves: The Cichlasoma Accident verbindet Laichtänze von Aquarienfischen mit katastrophalen Pflanzeninfektionen, hybriden Formen von leidenschaftlichem Wissen und intuitive Technologien.

    Jasmina Al-Qaisi & Mikhail Lylovs Workshop mit Kindern Sharing Tomatoes With the Slugs erinnert uns an Erfahrungen mit informeller kollektiver Pädagogik, die in Küchen, Gärten, auf der Straße, vor und hinter unseren Häusern, in nahe gelegenen Wäldern und an Flussufern stattfand. Die materiellen Ergebnisse dieses Prozesses werden in der Ausstellung in Form einer Sammlung von visuellen Gedichten und einer Soundarbeit für eine Radioaktion präsentiert.

    Die Kunstausstellungen und das Veranstaltungsprogramm, deren aktuelle Termine Sie auf unserer Webseite Clubs of the Future  finden, schaffen einen poetisch-ästhetischen Frageraum. Dieser Zwischenraum ist nicht allein diskursiv greifbar, sondern steht in einem spannungsvollen Verhältnis zu einem konkreten Möglichkeitsraum, der in einer Reihe von Workshops entwickelt wird.


    Eng.:    CLUBS of the FUTURE departs from communal spaces in different parts of the world, in particular Houses of Culture across Europe and in the GDR, and opens up a space for reflection on current projects of collectivity, commoning and reform. The project takes place in a time of transition in which practices of collaboration, alternative economies, novel networks, shared civic spaces and societies are being renegotiated and put to the test.

    The project arose from research into the approximately 1,800 GDR Houses of Culture, two thirds of which were closed after reunification. This closure has created a gap that is being exploited especially by right-wing groups.

    The exhibitions on display at the Kunstverein am Rosa-Luxemburg-Platz and the Haus der Statistik (OTTO-Halle) in summer/autumn 2024 are spatio-temporally interlinked and present an initial collection that will be continuously expanded and shown at other locations in Eastern Europe and around the world.

    Multiple levels run in parallel, spanning visual-poetic-discursive arcs between different projects. References are made to historical Houses of Culture in Eastern Europe, for example in Andreas Fogarasi’s project Kultur und Freizeit (Culture and Leisure) on cultural and educational centres in Budapest and in Enlightenment, Culture, Leisure: Houses of Culture in Czechoslovakia by Oskar Helcel & Martin Netočný.

    Culture without a House A Rose without Roots – Toward a History of Rosa’s House of Culture by Chto Delat reflects on their own project Rosa’s House of Culture in St. Petersburg, staged from 20152022, which actively involved the public and related to the houses of culture in the socialist countries.

    CLUBS of the FUTURE collaborates with many different partners in order to introduce prototypical workshop or club formats which offer a continuing community framework for a wide range of concerns and interests:

    The video work Greif zur Feder (Grab a Pen) by Ina Wudtke refers specifically to the writing circles in the Houses of Culture of the GDR. Her installation Black Lives Audio Triptych / Part III / Hilarius Gilges exposes traces of the history of Black people in Germany and serves as a multidirectional reminder of past and present anti-racist struggles.

    In Andrea Pichl’s installation Klub Zukunft (Future Club), a standard two-room flat from the GDR’s housing series 70, a two-room flat from a prefabricated building in Co-op City in the Bronx, New York and a two-room flat from the prefabricated buildings in Ballymun in a suburb of Dublin are brought in relation to each other.

    Elske Rosenfeld’s wall collage In eigener Sache (On Your Own Account) is based on covers of hobby and nature magazines from the last year of the GDR, along with excerpts from letters to the editor and editorials from the magazines used.

    Henrike Naumann’s performance project at a drama theatre located in the western Ukrainian city of Ivano-Frankivsk deals with the situation prevailing in a country at war. A further examination of war and catastrophe is contributed by Dana Kavelina with her video work Why There are no Monuments to Monuments.

    The communal as a central theme of CLUBS of the FUTURE is explicitly demonstrated in Ming Wong’s video work KONTAKTHOPE, documenting a “dance theatre” workshop with curators and artists in which they rehearsed dance routines drawn from Pina Bausch’s Kontakthof.

    In her participatory research project Resonance – Post-Socialist Group Improvisation, Anna Zett developed an open play format for smaller and larger groups together with the performer and choreographer Hermann Heisig.

    Berit Fischer’s Radical Empathy Lab is an ongoing social and research laboratory for alternative and holistic knowledge production that embraces relational – as opposed to informational – learning and what Brazilian theorist Suely Rolnik calls the “knowing body”.

    Representing our broad referential framework are current projects such as Sajan Mani’s Wake-Up Calls for My Ancestors, in which he deconstructs racist practices and questions colonial copyright. Abrie Fourie’s installation MAPSA Bricks & Books refers directly to Modern Art Projects South Africa (MAPSA), a venue for contemporary art and the production of clay bricks located in Richmond in the Karoo semi-desert. Another research format is the AAH Room(Apartheidera Art History Room) on Salisbury Island, Durban at the University College for Blacks of Indian Origin by Sarat Maharaj, graphically designed by Ecke Bonk.

    The starting point for a feminist reading club could be the video work It grew fur again, lost it, developed scales, lost them by Gitte Villesen. It explores various forms of sensibility and science fiction literature, including that of authors Suzette Haden Elgin and Octavia E. Butler.

    Locally anchored in Berlin is SATELLIT, a space conceived for art and cooking, sustainability and encounters in the Barnimkiez neighbourhood of Volkspark Friedrichshain, where many different people, ideas and stories come together. The same goes for the MITKUNSTZENTRALE – as part of the initiatives and projects of the Haus der Statistik / Haus der Materialisierung. It sees itself as a studio, laboratory, project space, exhibition venue and discussion forum for the pressing questions related to the future of an urban society.

    Particularly garden projects appear future orientated: Katya Gardea Browne’s A Floating Garden & Exchange of Seeds interweaves her artistic work with the Cuemanco Xochimilco project in Mexico – with the vegetation there, the cultivation of seeds and food production – and develops movable structures and biofilters on a large body of water in a sustainable system.

    Åsa Sonjasdotter & Mercè Torres Ràfols’ The Kale Bed is so Called Because there is Always Kale in it traces the events of the Great Famine in Ireland, caused by the potato blight. In situations of extreme scarcity, the previously displaced kale plants had provided essential nutrients from outside the cultivated garden areas.

    Ilya Dolgov’s What moves inside me, you introduces an amalgamation of aquarium fish spawning dances, devastating plant infections, hybrid forms of passionate knowledge and intuitive technologies.

    Jasmina Al-Qaisi & Mikhail Lylov’s children’s workshop Sharing Tomatoes with the Slugs reminds us of experiences of the kinds of informal, collective pedagogy that would take place in kitchens, gardens, on the street, in front of and behind our houses, in nearby forests and on riverbanks. The material results of this process are featured in the exhibition in the form of a collection of visual poems and a sound work for a radio action.

    The art exhibitions together with the programme of events, of which the current dates can be accessed on our website Clubs of the Future, generate an in-between space which, rather than being understood solely on the discursive level, constitutes a poetic-aesthetic space of inquiry in an interplay with a concrete space of possibility developed in a series of workshops


    Die Realisierung des Projektes wird aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds ermöglicht. / This project could be realized with the support of

  • Alexander Wagner, Untitled

    Silkscreen on paper
    30 x 50 cm
    2019
    Edition of 30 (only 15 available)
    Price 150  €
  • Running Hot and Cold, Wera Bet + Paul DD Smith

    Eröffnung / Opening: 6. Juni 2024, 19h 

    Ausstellung / Exhibition: 7.6. – 13.7.2024
    Öffnungszeiten / Opening hours: Do – Sa / Thu – Sat 14 – 18 h und nach Vereinbarung / and by appointment

    Der menschliche Aufenthalt am und im Wasser ist eng mit existenziellen Fragen verknüpft und hat in Literatur und Kunst schon immer eine zentrale Rolle eingenommen. Hier stellt er oft den erotisch konnotierten Raum mythischer Wesen dar und wird in seiner zivilisierten Form als Bad allegorisch aufgeladen. In der Kunstgeschichte wird das Thema dabei durchweg zwiespältig behandelt: Einerseits wird, mindestens seit christlicher Zeit, der Voyeurismus als obszön dramatisiert, andererseits wird der nackte, durchweg weibliche Körper dem Blick des Patrons oder Betrachters dargeboten.

    Für ihre erste gemeinsame institutionelle Ausstellung haben Wera Bet und Paul DD Smith Arbeiten ausgewählt, die sich spezifisch mit dem Blick im Kontext intimer Situationen auseinandersetzt. Indem sie das Thema der Reinigung in den Mittelpunkt ihrer künstlerischen Untersuchung stellen, erforschen sie ein Genre, das den Betrachter in intime Räume einlädt, in denen Körper in ihrer Verletzlichkeit entblößt werden. Es handelt sich also um einen Blick, der sich von einem einfachen Blick vor allem dadurch unterscheidet, dass er aktiv und nicht passiv ist. In dem sich daraus zwangsläufig ergebenden Dualismus von Subjekt und den Anderen – ultimativ ein Machtgefälle – fungieren Performance und Pose als Mittel der Abwehr oder als Gesten der Selbstermächtigung des oder der Beobachteten.

    Beide bedienen sich kunsthistorischer Zitate, etwa der Erzählung von Susanna und den Alten. Ergänzend dazu finden sich ganz private, voyeuristische Momente, in denen Smith beispielsweise in einer freiwilligen Umkehrung des „male gaze“ zum Gegenstand von Bets Gemälden wird. So navigieren die beiden durch ein komplexes Wechselspiel zwischen intimem Sich-Öffnen und defensiver Abwehr aufdringlicher Blicke.

    Poesie, Märchen und Mythen dienen dabei als Grammatik einer allegorischen Bildwelt, die ihre Verbindung zum Hier und Jetzt nicht aufgibt, sondern sich vielmehr als Modell anbietet, als kunstvolles Instrumentarium, um die Probleme der Gesellschaft durch radikales Denken anzugehen. Bei Paul DD Smith resultieren daraus Körper, Kreaturen und Landschaften, die eng miteinander verflochten und unmöglich zu isolieren sind. Konkret entstehen Skulpturen, Gemälde und grafische Arbeiten, die das Hybride in Materialien, Techniken, Inhalten und Figuren feiern. Wera Bet konzentriert sich auf soziologische Fragestellungen, von denen einige ohne Frage feministisch sind. Durch ästhetische Strategien hinterfragt sie die Legitimität von Konzepten, die definieren, was soziale Normen sind, wie unsere Wünsche erworben und geformt werden, anstatt aus Notwendigkeit zu entstehen. Sie seziert dazu Merkmale, die Individualität bestimmen.

    Beide scheinen in unterschiedlichen Welten zu leben, die auf seltsame Weise im Badezimmer aufeinandertreffen. Dort spielen ihre malerischen Werke, die auf alle eine hohe antinormative Kraft besitzen und den Glauben an die transformative Funktion der Kunst aufrechterhalten.

    Die Ausstellung wurde von Susanne Prinz kuratiert.

    ENG

    The human presence in and around water is closely linked to existential questions and has always played a central role in literature and art. Here, it often represents the erotically connoted space of mythical beings and – in its civilized form as a bath – is allegorically highly charged. In art history, this theme is consistently treated with ambiguity: on the one hand, since Christian times at least, voyeurism has been dramatized as obscene; on the other hand, the naked, predominantly female body is presented to the gaze of the patron or viewer.

    For their first joint institutional exhibition, Wera Bet and Paul DD Smith have selected works that specifically engage with the gaze in the context of intimate situations. By placing the theme of cleansing at the center of their artistic inquiry, they explore a genre that invites the viewer into intimate spaces where bodies are exposed in their vulnerability. It is a gaze that differs from a simple glance primarily in its active rather than passive nature. In the inevitable dualism of subject and Other – ultimately a power imbalance – performance and pose may serve as a means of defense or gestures of empowerment perceived by the observer.

    Both artists draw on art-historical references, such as the story of Susanna and the Elders. Additionally, there are very private, voyeuristic moments in which Smith, for example, becomes the subject of Bet’s paintings in a voluntary reversal of the „male gaze“. Thus, the two navigate through a complex interplay between intimate opening-up and defensive resistance to intrusive gazes.

    Poetry, fairy tales, and myths serve as the grammar of an allegorical visual world that does not relinquish its connection to the here and now but rather offers itself as a model, as a sophisticated tool to address societal problems through radical thinking. From this, Paul DD Smith creates bodies, creatures, and landscapes that are intricately intertwined and impossible to isolate. Specifically, sculptures, paintings, and graphic works emerge that celebrate hybridity in materials, techniques, content, and figures. Wera Bet focuses on sociological questions, some of which are undoubtedly feminist. Through aesthetic strategies, she questions the legitimacy of concepts that define what social norms are, how our desires are acquired and shaped, rather than emerging out of necessity. She thus dissects characteristics that determine individuality.

    Both seem to inhabit different worlds. Yet, they strangely converge in the bathroom. There, their painterly works, all possessing a high antinormative power, play out, maintaining belief in the transformative function of art.

    The exhibition was curated by Susanne Prinz.

     

  • A Piece of Something Else, Alexander Wagner

    Eröffnung / Opening: 21. März 2024, 19h 

    Ausstellung / Exhibition: 22.3. – 28.4.2024, verlängert bis 11.5.2024
    Öffnungszeiten / Opening hours: Do – Sa / Thu – Sat 14 – 18 h und nach Vereinbarung / and by appointment

    Öffnungszeiten zum Gallery Weekend / Opening hours during Gallery Weekend Do-So / Thu – Sat  14-18 h

    Die Ausstellung A Piece of Something Else gibt exemplarisch Einblick in Alexander Wagners Arbeit. Sie zeigt Arbeiten der letzen Jahre, in denen der Künstler seine Fragen an die Malerei und den Dialog mit der Malerei neu artikuliert.

    Erstmals gibt Wagner auch Einblick in seine Skizzenhefte. Diese sind keine Studien und Vorversuche und dienen nicht dem Formulieren gestalterischer Prozesse, sondern bilden gedankliche Zusammenhänge ab oder sammeln schriftlich und bildnerisch Ideen zu Phänomenen, mit denen sich Wagner in seinem Atelier und seinem Alltag beschäftigt.

    Erkennbar ist ihm dabei nicht alles Material, vieles aber Anregung. Nicht zuletzt auch der riesige Fundus existierender Abstraktion. Mit ihm lässt sich Alexander Wagner immer wieder auf einen Dialog ein. Ohne die weit verbreitete ironische Distanz zieht er in seltener Ernsthaftigkeit Verbindungen zu früheren Positionen. So sind schließlich Verweise auf Blinky Palermo oder Helen Frankenthaler an einer Stelle der Ausstellung zu erahnen und auch Polke wird hier und da kommentiert.

    Was vordergründig wie die Paraphrase fremder Bildwelten gesehen werden kann, erweist sich allerdings direkt als etwas qualitativ Anderes, als Ausgangspunkt inhaltlicher Reflexion. Erkennbar sind seine Bilder, was bildimmanente Fragestellungen und subjektive Wahrnehmung betrifft, dabei zunehmend eher vage Erinnerungen als Motive, mehr Zustand als konkrete Referenz. Sie kreisen um den Augenblick, in dem sich die Farben aus ihrer Bindung an den Gegenstand lösen und nach Autonomie streben. Das Material wird zum Motiv, unterschiedlich gesetzte Gesten zu gleichwertigen Bildelementen, die den Prozess der Bildfindung nachvollziehbar werden lassen.

    Zeit spielt hierbei eine zentrale Rolle, denn der Anschein einer spontanen, gestischen Malerei, den Wagners Arbeiten erwecken, trügt. Tatsächlich sind sie das Ergebnis eines langwierigen Prozesses, der sich über Wochen und Monate, manchmal Jahre, erstrecken kann. Andere Arbeiten entstehen spontan in kurzen Arbeitsphasen. Wagner lässt seine Leinwände immer wieder ruhen, nur um sie später mit frischem Blick erneut zu betrachten. Das Ergebnis sind Bilder, die im Gegensatz zu anderen Beispielen der Gegenwart nicht als Memento mori vergangener Epochen dienen, sondern Manifestationen realer, aktiver und miteinander verbundener Formen sind.

    Die Temperatur dieser Bilder kühlt in den nur als Diashow die Ausstellung begleitenden Papierarbeiten merklich ab. Wo die konsonanten und dissonanten Kräfte der optisch manchmal kaum vermengbaren Farbquantitäten seiner Bilder die Betrachter herausfordern, treten die Papierarbeiten merklich freundlicher auf. Sie gestattet uns, Wagners Oeuvre innerhalb eines erweiterten Kunstkontextes zu verstehen, Anknüpfungspunkte zu erkennen und Modelle der Tradition, verworfene oder akzeptierte, zu erahnen und damit einen gewissen Überblick über werkimmanente Entwicklungen zu gewinnen.

    Die Ausstellung wurde von Susanne Prinz kuratiert.

    EN

    The exhibition A Piece of Something Else provides an exemplary insight into Alexander Wagner’s work. It shows works from recent years in which the artist rearticulates his questions about painting and the dialogue with painting.

    For the first time, Wagner also provides an insight into his sketchbooks. These are not studies or preliminary attempts and do not serve to formulate creative processes, but rather depict mental contexts or collect written and pictorial ideas on phenomena that Wagner deals with in his studio and his everyday life.

    He recognises that not everything is material, but much of it is inspiration. Not least the huge pool of existing abstraction. Alexander Wagner repeatedly engages in a dialogue with that. Without the widespread ironic distance, he draws connections to earlier positions with rare seriousness. References to Blinky Palermo or Helen Frankenthaler can be surmised at one point in the exhibition and Polke is also commented on here and there.

    What can superficially be seen as a paraphrase of other pictorial worlds, however, proves to be something qualitatively different, a starting point for reflection on content. His pictures are increasingly recognisable as vague memories rather than motifs, more a state than a concrete reference, as far as questions immanent to the picture and subjective perception are concerned. They revolve around the moment in which the colours break free from their attachment to the object and strive for autonomy. The material becomes the motif, differently placed gestures become equally important pictorial elements that make the process of image creation comprehensible.

    Time plays a central role here, because the appearance of spontaneous, gestural painting that Wagner’s works give off is deceptive. In fact, they are the result of a lengthy process that can extend over weeks and months, sometimes years. Other works are created spontaneously in short working phases. Wagner lets his canvases rest again and again, only to look at them again later with a fresh eye. The results are paintings that, unlike other contemporary examples, do not serve as a memento mori of past eras, but are manifestations of real, active and interconnected forms.

    The temperature of these pictures cools down noticeably in the works on paper, which only ccompany the exhibition as a slide show. Where the consonant and dissonant forces of the sometimes visually almost incongruous colour quantities in his paintings challenge the viewer, the works on paper are noticeably friendlier. It allows us to understand Wagner’s oeuvre within an extended art context, to recognise points of reference and to surmise models of tradition, rejected or accepted, and thus to gain a certain overview of developments inherent in his work.

    Alexander Wagner lives and works in Berlin.

    The exhibition was curate by Susanne Prinz.

  • CLOUDS OF GRASS

    mit/with Marlene Bonamy / Eunsoo Cho / Lynn Gerstmair / Katharina Hebenstreit / Song Jaehui / Seolhyun Kyung / Yunyoung Kim / Eileen Almarales Noy / Mona Olbrechts / Haerim Oh / Liane Pförtner / Marie Lou Strauß / Sofie Wirth / Veronika Weber

    Eröffnung / Opening: 08.02.2024 / 18 Uhr

    Ausstellung / Exhibition: 09.02.-18.02.2024

    Öffnungszeiten / Opening hours: Di – So / Tue – Sun 14 – 19 Uhr

    Die Füße im Gras, der Blick in den Himmel. Amorphe Gebilde setzen sich weiß vor dem fernen Hintergrund ab, erscheinen leicht und schwer zugleich. Wir meinen etwas zu erkennen, das doch im nächsten Moment vorüber ist und weiterzieht, undurchsichtig und verführerisch.

    Eine Geschichte der chinesischen Mythologie erzählt von der Himmelsgöttin Zhi Nu, die aus Wolken nahtlose Brokat-Gewänder zu weben vermochte. Der Erzählung nach webte sie aus feinen Dunstwolken Wandteppiche, die noch heute im Abend- und Morgenrot zu sehen sind. Schmücken die Wolken den Himmel, kleidet das Gras die Erde. Dazwischen eröffnet sich ein Raum, dem wir uns nähern wollen und in dem wir uns zu verorten suchen.

    Unter dem Titel Cloud of Grass zeigen Studierende der Klasse Textile Künste von Prof. Caroline Achaintre der Kunsthochschule Burg Giebichenstein ihre Arbeiten im Kunstverein am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin.

    Geöffnet ist die Ausstellung vom 09.02.-18.02.2024

    Di – So von 14-19 Uhr

    Am Donnerstag, den 08. Februar laden wir um 18 Uhr zur Vernissage mit Sekt und süßen Wolken!

    Eng:

    Zhi Nu, the goddess of the sky, wove tapestries from fine clouds of mist that can still be seen today at sunset and sunrise.
    In between Clouds and Grass, a space opens up in which we try to locate ourselves.

    In the exhibition Clouds of Grass, 14 students from Prof. Caroline Achaintre’s Textile Arts class at Burg Giebichenstein University of Art and Design Halle are showing their work at the Kunstverein am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin.

    The exhibition is open from February 9 – February 18, 2024 Tue – Sun from 14 – 19 pm

    On Thursday, February 8, we invite you to our vernissage with sparkling wine and sweet clouds from 6 pm to 10 pm!

    Song Jaehui, photo: Lynn Gerstmair
  • Manageable Matter, Emma Waltraud Howes

    Eröffnung | Opening: 23.11.2023, 19 h 
    Performance:  itinerant interlude #3 mit | with Kinga Ötvös

    Zu sehen | On view: 24.11.2023 – 27.01.2024
    Öffnungszeiten | opening times: Do-Sa | Thu – Sat 14-18 h und auf Anfrage | and upon demand

    Emma Waltraud Howes Arbeit oszilliert zwischen Bewegung und Form und reicht von zeitbasierter Performance-Installationen über Soft-Skulptur, Klang bis zu Improvisationen mit fehlerhaften Objekten. Ihre Tanzschriften – Anleitungen für die Performer ihrer Stücke – sind von außergewöhnlich präziser Ästhetik. Sie sind die Grundlage für ihre vielschichtigen Neukonfigurationen von Körper und Raum. Howes transdisziplinären Arbeiten entwickeln sich im Rahmen einer konzeptionellen Kunstpraxis vor einem Hintergrund in Tanz (Ballett, Barockoper, Moderne und Baguazhang), Performancetheorie und bildender Kunst.

    Dabei wird ihre Arbeit wird von der Beobachtung von Gesten geleitet, wobei der Schwerpunkt auf spekulativen Partituren liegt – Kompositionen, die ein Stadium in der Entwicklung von Konzept und Absicht zu Darstellung und Wirkung repräsentieren. Gestützt auf ihre grafischen Systeme schafft Howes Raum für konzentrierte Begegnungen oder ein „ernsthaftes Spiel“; ein Prozess, der die verkörperte Erfahrung einbezieht und zur Schaffung von „Hyper-Glitch“-Opern wie „Cadavre Exquis“ führt – Chimären, die das umfassende Scheitern feiern und alternative Perspektiven fördern.

    In der Ausstellung „Manageable Matter“ zeigt Howes eine Reihe von Glasskulpturen und spekulativen grafischen Partituren. Schwerkraft und Anmut werden durch verschiedene skulpturale Variationen gläsernen Artischockenherzen erforscht. Kombiniert mit Metall- und Holzelementen sind einige diese Formen von keulenartigen Stämmen umschlossen, die sich ausgehend von mittelalterlichen Keulen in Trommelstöcke verwandeln, verzweigen und verästeln um schließlich zu langgestreckten Treibholzstöcken zu werden. Die „Orakel-Dekantierer“ gruppieren sich in der Dunkelheit, während Sehinstrumente multidirektionale Blickvariationen üben. Diese Prothesen werden als performative Objekte für eine Reihe von Interventionen zum Thema „Optimistischer Inkrementalismus“ verwendet – „Inkrementalismus“ bezieht sich auf eine Handlungsstrategie, die durch Versuch und Scheitern, Erweiterung und Verbesserung gekennzeichnet ist, um die Art und Weise zu thematisieren, in der wir unerbittlich mit der Vergangenheit verbunden sind.

    Anlässlich der Eröffnung von Howes‘ Einzelausstellung wird die Opernsängerin und Performerin Kinga Ötvös auftreten. Ötvös hat zuvor bereits mit Howes für die 3-Kanal Filminstallation Bang Bang Baroque zusammengearbeitet, die Anfang 2024 in Canada Premiere haben wird.  Die Performance ist Teil der Reihe itinerant interludes kuratiert von Laurie Schwartz und ermöglicht durch die freundliche Unterstützung der initiative neue musik (INM) Berlin.

    Die Ausstellung ist kuratiert von Susanne Prinz.

    Eng.: Emma Waltraud Howes moves between movement and form, from time-based performance installations to soft sculptures and sound experiments. Howe’s transdisciplinary works develop within the framework of a conceptual art practice. Informed by dance, martial arts, performance theory and visual art, she focuses her attention on gestural observations and speculative scores.

    Her work is guided by the observation of gesture, with a focus on speculative scores – compositions that represent a stage in the evolution of concept and intention to representation and effect. In her practice, her dance scripts – graphic systems for the performers of her pieces – are of an extraordinarily precise aesthetic. Drawing on her graphic systems, Howes creates space for concentrated encounters or ’serious play‘; a process that engages embodied experience and leads to the creation of ‚hyper-glitch‘ operas such as ‚Cadavre Exquis‘ – chimeras that celebrate comprehensive failure and encourage alternative perspectives.

    In the exhibition „Manageable Matter“ Howes presents a series of glass sculptures and speculative graphic scores. Gravity and grace are explored through different sculptural variations of glass artichoke hearts. Combined with metal and wooden elements, some of these forms are encased in club-like trunks that transform from medieval clubs into drumsticks, branching and ramifying to become elongated driftwood sticks. The ‘oracle decanters’ are grouped together in the dark, while visual instruments practise multidirectional gaze variations. These prostheses are used as performative objects for a series of interventions on the theme of ‘Optimistic Incrementalism’ – ‘incrementalism’ refers to a strategy of action characterised by trial and failure, expansion and improvement, to address the way in which we are inexorably bound to the past.

    Opera singer and performer Kinga Ötvös will perform on the occasion of the opening of Howes‘ solo show. Ötvös has previously collaborated with Howes on the 3-channel film installation Bang Bang Baroque, which will premiere in Canada in early 2024. The performance is part of the series itinerant interludes curated by Laurie Schwartz and made possible with the kind support of the initiative neue musik (INM) Berlin.

    The exhibition is curated by Susanne Prinz.

    Vergrößern

    Howes_BangBangBaroque_KingaOtvos-Klein
    Kinga Ötvös in Bang Bang Baroque by Emma Waltraud Howes

    supported by

  • soft cruelties, Lena Marie Emrich

    10.11.2023, 19:30h – Olga Hohmann liest eine Collage eigener Texte auf Lena Marie Emrichs Ménage à trois.

    Ausstellung und Bar sind ab 18h geöffnet.

    Ob Venedig, Sardinien oder Uluru. Orte, an denen Schönheit zum Fluch wird, nehmen rasant zu. Overtourism aber auch überzogene Erwartungshaltung werden zur Norm im Wettreisen um die Welt. Lena Marie Emrichs‘ Ausstellung soft cruelties kreist um die daraus resultierende Konstruktion aus Realität, Fiktion und Spekulation. Dafür inszeniert die Künstlerin Sonnenschirme, sandfarbene Intarsien, Wunschbrunnen und eine Bank aus dem Garten Eden. Willkommen im Paradies von Lena Marie Emrich.

    Für ihre jüngste Erzählung bedient sich die Künstlerin, wie so oft, alltäglicher Objekte und Materialien, die aus ihrem Kontext herausgelöst, manipuliert, nachgebaut und/oder überästhesiert werden. Kennzeichnend ist die Verwendung von technischen Werkstoffen in neuen Kontexten. Polierte Oberflächen, Ahorn, Bambus, farbige Einsprengsel – in den neuen Arbeiten trifft eine kühle, dennoch poetische Formensprache auf Materialien aus konträren Anwendungsbereichen. Die Palette reicht vom hochwertigen Festkörpermaterial HIMACS über eine Gruppe leicht trashiger Sonnenschirme aus Kunststoff-Raffia zu großformatigen Fensterfolien. Bei allem Realismus bleiben die einzelnen Arbeiten dabei meist assoziativ und in der Gruppe suggestiv.

    In der für den Kunstverein neu entwickelten Ausstellung beleuchtet Emrich speziell jene Momente, in denen das Streben nach individuellem Vergnügen mit moralischen Grundsätzen in Konflikt gerät. So beschreibt der Titel sinngemäß jenes ungute Gefühl, von dem wir wissen, dass es sich unweigerlich einstellt, wenn wir uns entscheiden, die 1,99 Euro für die CO2-Kompensation bei der Buchung eines Flugs doch nicht zu bezahlen.

    In dieser Hinsicht sind die Skulpturen von The plunge, die den  Ausstellungsraum bevölkern, Metaphern für genau diese Diskrepanz, die soft cruelties so perfide macht. Das tödliche Schwert als Verlängerung des Sonnenschirms für die rücksichtslose Revierbesetzung im morgendlichen Kampf um die besten Plätze am Pool, oder als Handtuchhalter für den Zeitraum nach der geglückten Landnahme, steht dabei natürlich für Stärke, Macht oder Der Sonnenschirm hingegen wird mit Entspannung, Schutz vor der Sonne und Leichtigkeit assoziiert. Das Ergebnis dieser Kombination ist paradoxerweise „perfekt“ weil es in einer Welt, in der normale Konventionen von Ästhetik und Funktionalität herrschen, eine Herausforderung für traditionelle Vorstellungen darstellt – auch weil beide Elemente für sich genommen bereits eher extravagant sind, also weder funktional noch angemessen, und im Falle des Schwerts nicht mal echt.

    Ist der gute Geschmack im Vorhergehenden in vielerlei Hinsicht herausgefordert, so wirken die sechs wie in Stein gemeißelten Reliefs, die Wunschbrunnen (wishing well) und das Konversationsmöbel Menage a trois (Garden Eden) in ihrer zurückhaltenden Farbigkeit und mit ihren perfekten Oberflächen ausgesprochen elegant. Sie alle sind aus HIMACS gefertigt, einem eigentlich in architektonischen Kontext verwendeten Plattenmaterial, das Emrich gefräst, gesägt, graviert und geschliffen hat. Die entstandenen Arbeiten zeugen von einer „… versteinerten Welt, aus der jede Flüchtigkeit entweicht. Ein Gegenentwurf zur Fluidität digitaler Screens, obschon am Computer entworfen, von CNC-Fräsen ausgeschnitten. Hier ist alles (vermeintlich) in Stein gemeißelt. Die Zeit steht still. Die Banalität des Alltags hat sein Monument gefunden.“ (Gianni Jetzer)

    Abgeleitet von den Konversations-Möbeln (conversation pieces) des 18. und 19. Jahrhunderts, ist Menage a trois (Garden Eden) offensichtlich für drei Personen gedacht. Ganz im Sinne von Franco Berardi (Chaos and Poetry) nutzt die Künstlerin sie als aktivierendes Moment. Denn physische Nähe gepaart mit irritierender Fragmentierung und Dekonstruktion gewohnter Sprache regt zum Nachdenken an und fördert den Austausch.

    Auf der Erde sind die Dinge weniger harmonisch. Deserted landscape offenbart eine unwirkliche Verwandlung irgendwo im nirgendwo, wo Autos wie umgedrehte Käfer auf dem Rücken liegen – eine surreale Metamorphose der Mobilität im post-anthropozänen Zeitalter. Die einstigen Ikonen der menschlichen Mobilität sind nun gestrandet. Fiat, Synonym für Fortbewegung, kehrt zu seiner ursprünglichen Bedeutung zurück: Es werde geschehen.

    Offensichtlicher beziehen die übrigen Reliefs zum Thema Reisen Stellung. Wie in Swifts Gulliver zielt die Umkehr der Größe und damit der Macht in From Equanimity to tranquility auf die daraus resultierenden sozialen Konsequenzen Das zugrundeliegende Thema ist die Rolle einer Kultur des Überflusses. In Superyachten kondensieren sich alle Ungleichheit des herrschenden Kapitalozän  (Grégory Selle). Indem sie eine solche Yacht mit einem Stock wegstößt, kehrt eine absurd große Frau in einem Akt der Selbstermächtigung die konventionellen Rollen um.

    Ähnlich monumental und dabei vollkommen anonym erscheint die unter ihren Plastikponchos kaum mehr als Körper zu identifizierende Menschengruppe in Hugging raincoats während In Limbo zunächst heiter daherkommt. Bis dem Betrachter auffällt, dass eine anonyme Hand die Tänzerin brutal an ihrer Blumenkette zu Boden zieht. Anlass zu Spekulationen bietet das Relief Phallocentric keychain. Hält man sich an die Psychoanalyse, könnte man sagen, dass ein Turm der Ausdruck einer „vertikalen Überkompensation“ ist, quasi ein erectus completus – wo Höhe und Potenz in einer gewissen Weise zusammentreffen. Außer der Turm hängt wie in diesem Fall als Miniaturturm am Schlüsselring.

    In Fight or Flight sehen wir wenig mehr als den Rumpf eines Menschen mit Anschnallgurt. Der Anschnallgurt, der normalerweise als Sicherheitsmaßnahme während des Fluges dient, wird in Emrichs Arbeit zu einem visuellen Ankerpunkt für die komplexen Entscheidungen, die wir in bedrohlichen Situationen treffen. Die Theorie geht davon aus, dass bei der Konfrontation mit einer potenziell gefährlichen Situation der Körper auf zwei Hauptweisen reagiert: durch Kampf (Fight) oder Flucht (Flight). Durch die Fokussierung auf den Anschnallgurt, der eine symbolische Verbindung zur Flugreise herstellt, bringt die Künstlerin diesen Dualismus der Überlebensstrategien in einen beklemmend bekannten Kontext. Ein Wunschbrunnen hilft in Fight-or-Flight -Situationen sicher ziemlich wenig. Es ist jedoch möglich, dass das Werfen von Münzen in einen Wunschbrunnen eine beruhigende und entspannende Wirkung haben kann, was zur Bewältigung von Stress beitragen könnte. Zu diesem oder anderen Zwecken gibt daher zwei in der Ausstellung.

    Schlussendlich bleibt die Frage, ob wir am Ende alle terribel tourist sind?  Um das herauszufinden, besuchen Sie soft cruelties, wo das sanften Grausamkeiten des Lebens auf subversive Weise enthüllt werden.

    Die Ausstellung ist von Susanne Prinz kuratiert.

    Die Ausstellung wurde ermöglicht durch Unterstützung von

    Vielen Dank an

  • The Bureau of Melodramatic Research, High Heel Communism

    The Bureau of Melodramatic Research

    High Heel Communism

    Eröffnung / Opening: 9. Juni 2023, 19h

    Performance Cry-Baby: How to Win Hearts and Influence People*, mit/with Irina Gheorghe und/and Mădălina Dan, 20h

    Performance The Perfect Heel** mit/with Irina Gheorghe und/and Silvia Costin,  7. Juli 2023, 20h

    High Heel Communism ist die erste große Präsentation der Arbeit des rumänischen Duos The Bureau of Melodramatic Research in Deutschland. Das Bureau of Melodramatic Research (BMR) wurde 2009 in Bukarest von den Künstlerinnen Irina Gheorghe (*1981) und Alina Popa (1982-2019) als ‚Institut‘ mit dem Ziel gegründet, Rolle und Funktionsweisen von Emotionen – Schlüsselelemente des Melodramas – in breiten sozialen Kontexten zu untersuchen. Dafür unterzieht BMR dieses subjektive, hochemotionale und im Innersten berührende Genre einer vielschichtigen Untersuchung. Das Melodrama ist dabei nicht nur Forschungsgegenstand, sondern auch Arbeitsmethode. Die Methodik des Bureau of Melodramatic Research, die Melokritik, macht sich zentrale Elemente des Melodrams als Methode der kritischen Interpretation und Intervention zu eigen. Emotion, Sentimentalität und Übertreibung werden zu Instrumenten eines sachlich-rationalen Forschungsansatzes, der den Widerspruch zwischen Affekt und Konzept durch unterschiedliche künstlerische Formate auflösen will.

    Das Projekt High Heel Communism ist das erste Werk, dass das Bureau of Melodramatic Research nach dem frühen Tod von Alina Popa im Jahr 2019 realisiert. Es wurde noch gemeinsam von beiden Künstlerinnen in der letzten Phase ihrer Zusammenarbeit konzipiert und hatte eine erste Inkarnation als lebensgroßes Gruppenporträt. Für das Foto wurde die Größe von neun Frauen, die (in typisch post-kommunistischer Kleidung in den Farbtönen klassischer Hollywood-Melodramen) in einer Reihe stehen, mittels verschieden hoher Absätze vereinheitlicht. Diese Metapher der Gleichheit, durch das simple technologische (Hilfs-)Mittel der Absätze erzeugt, zeigt idealtypisch Anliegen und Methoden des Büros: Nämlich Instrumentarien zu entwickeln, die als Teil der Produktion von Stereotypen – hier von Weiblichkeit – bereits existieren und diese dann zum Anlass und Rahmen für weiterreichende Reflexion über gesellschaftspolitische Fragen auszubilden.

    Für die Ausstellung im Kunstverein am Rosa-Luxemburg-Platz wurde das Konzept High Heel Communism zu einer Mixed-Media-Installation weiterentwickelt, die Fotografien, Schaufensterpuppen, Kostüme, Drucke, Performances sowie einen neu produzierten 16mm-Film umfasst. Der Film basiert auf älteren Filmmaterial von den Vorbereitungen zur Titel gebenden Fotografie und der Bukarester Ausstellungsversion Heart Beat Detection Systems, 2022. Ergänzt durch neue Aufnahmen, entwickelt er sich zu einer breit angelegten Reflexion über soziale Gleichstellung, Geschlechterrepräsentation und der Rolle des High Heels als symbolisches Instrument der Subversion.

    Im Zusammenhang mit dem Film entstand die neue Performance The Perfect Heel mit Irina Gheorghe und Silvia Costin. Premiere: 7.Juli 2023, 20h.**

    *Cry-Baby: How to Win Hearts and Influence People ist eine Performance, bei der Alina Popa und Irina Gheorghe mittels Zwiebelschneidens für eine beliebig lange Veranstaltungsdauer ununterbrochen weinen. Ergänzend zur Performance wurde der Cry-Baby-Guide als Papieredition produziert. Im Cry-Baby-Guide schlägt BMR eine neue  ‚Etikette der Tränen‘ für gesellschaftlich unstatthafte Gefühlsausbrüche vor. Zu diesem Zweck liefert er eine Reihe von Anleitungen, wie man die Zwiebel verwenden kann, um eigene Emotionen im öffentlichen Raum zu orchestrieren. In Berlin wird das Werk von Irina Gheorghe und Mădălina Dan aufgeführt

    **The Perfect Heel ist eine neu entwickelte Performance, die den unsichtbaren vertikalen Spuren mechanistischer Steig(er)ung via unterschiedlicher Absätze an Frauenschuhen auf der Suche nach neuen Formen von Gleichheit und Gemeinschaft folgt.

    Bereits 2010 schlug das BMR anlässlich der offiziellen Eröffnung seiner Statistikabteilung in Chișinău, Moldawien, die Einführung eines neuen Indikators für die statistische Analyse vor: den Brutto-Nationalabsatz. Es wurden numerische Daten über die Höhe der Absätze aller weiblichen Passanten an fünf wichtigen Orten in der Stadt innerhalb einer Zeitspanne von jeweils dreißig Minuten erhoben. Damit wurde eine Lücke in den offiziellen Studien aufgezeigt und die Rolle, die der Indikator „Brutto-Nationalabsatz“ bei weiteren Bewegungen in Richtung Gleichstellung der Geschlechter spielen könnte. Im Jahr 2022 brachte High Heel Communism eine weitere Entwicklung in der Verwendung des Absatzes als Mittel der melodramatischen Untersuchung, indem er sich von einem Instrument der statistischen Forschung zu einem Mittel wurde, mittels dessen das BMR hofft, einen eigenen Beitrag zu einer internationalen Theorie des Kommunismus zu leisten.

    Mădălina Dan ist eine rumänische Tänzerin und Performerin aus Berlin. Ihre Arbeit wurden in zahlreichen internationalen Ausstellungen und Festivals gezeigt, u.a. in Bozar; Brüssel, Hebbel am Ufer & Tanzfabrik, Berlin; Tanzquartier Wien; Springdance Festival, Utrecht, Southbank Center & Chisenhale Dance Space; London

    Das Bureau of Melodramitic Research (Büro für melodramatische Forschung, kurz: BMR) wurde 2009 von Irina Gheorghe (geb. 1981) und Alina Popa (1982-2019) gegründet. Arbeiten des Bureaus wurden in zahlreichen Gruppenausstellungen gezeigt, u.a. im National Museum of Contemporary Art Bukarest; HOME Manchester; Pratt Manhattan Gallery, NY; Times Museum, Guangzhou; SAVVY Contemporary, Berlin; Martin Gropius Bau, Berlin; TRAFO, Budapest; bak: basis voor aktuele kunst, Utrecht; mumok Kino, Wien. Außerhalb des BMR arbeitet Irina Gheorghe vor allem mit Performance, in Kombination mit Installation, Collage, Fotografie, Sound oder Video. Thematisch kreisen ihre Arbeiten um den Versuch, über Dinge jenseits unserer Wahrnehmungsmöglichkeiten zu sprechen – von extraterrestrischen Lebensformen zu hypothetischen Planeten. Alina Popa, die zunächst Finanzwirtschaft studierte, konzentrierte sich in ihrer künstlerischen Forschung auf Affekttheorie, konkret die Beziehung zwischen Neoliberalismus und Melodrama und die ideologischen Verbindungen zwischen Bergsteigen und Nationalismus. Sie hatte Ausstellungen und Performances u.a. im MUMOK, Wien; DEPO, Istanbul und Martin Gropius Bau, Berlin.

    Die Ausstellung ist kuratiert von Susanne Prinz.

    EN

    High Heel Communism will be the first large-scale presentation of the work of the Romanian duo The Bureau of Melodramatic Research in Germany. The Bureau of Melodramatic Research (BMR) was founded in 2009 in Bucharest by artists Irina Gheorghe (b. 1981) and Alina Popa (1982-2019) as an institution whose aim is to investigate the role of emotions, as key elements of melodrama, in a wider social context. In the Bureau’s practice, a subjective, affected and highly emotional genre is brought into the space of a rigorous investigation. Melodrama provides not only a subject for research, but also a working method.

    The project High Heel Communism is the first work developed by The Bureau of Melodramatic Research after Alina Popa’s premature death in 2019. The idea of equality produced with the technological support of the heel is in keeping with the Bureau’s concerns and methodologies: an instrumentarium belonging to the production of a stereotypical image of femininity provides the context for a reflection on wider socio-political themes.

    For the exhibition at the Kunstverein, the project was developed into a mixed media installation including photographs, mannequins, costumes, prints, performances, as well as a newly produced 16mm film. The film starts from existing footage from the shooting of the titular photograph and the opening performance at the exhibition Heart Beat Detection Systems in Bucharest 2022. From there it expands into a wider reflection on ideas of social equality, gender representation and the role of the high heel as a symbolic instrument of subversion.

    A new performance was developed in connection with the film. Premiere with  Irina Gheorghe and Silvia Costin on 7 July 2023, 20h **

    ** The Perfect Heel is a newly developed performance follows the invisible vertical trajectories of technological elevation through heels of different heights on women’s shoes in search of new forms of community and equality.

    Back in 2010, marking the official launch of its department of statistics in Chișinău, Moldova, the Bureau of Melodramatic Research proposed the introduction of a new indicator of statistical analysis, the Gross National Heel. Numerical data was gathered with regard to the height of the heels of all female passers-by in five key locations in the city within a time span of thirty minutes each, thus signaling a gap in official studies, and the role that the Gross National Heel indicator might play in further movements toward gender equality. In 2022, High Heel Communism brought a further development in the use of the heel as a means of melodramatic investigation. From a tool of statistical research with a national range of action, the heel becomes a device through which the Bureau hopes to provide its own contribution to an international theory of communism

    *Cry-Baby: How to Win Hearts and Influence People: Cry-Baby: How to Win Hearts and Influence People is a performance in which the Bureau’s founders, Alina Popa and Irina Gheorghe, would cry continuously with the help of onions for the duration of any event in which the work would be shown. In addition to the performance, the Cry-Baby guide was produced as a work on paper, containing a set of instructions on how to use onion to control one’s display of emotions in the public space. In the Cry-Baby guide, BMR proposes a new etiquette of tears for socially forbidden outbursts. In Berlin the work will be performed by Irina Gheorghe and Mădălina Dan.

    Mădălina Dan is a Romanian dancer and performer based in Berlin. Her work has been shown in numerous exhibitions and festivals including in Bozar; Brussels, Hebbel am Ufer & TanzFabrik, Berlin; Tanzquartier Wien; Springdance Festival, Utrecht; Southbank Center & Chisenhale Dance Space, London

    The Bureau of Melodramitic Research (BMR for short) was founded in 2009 by Irina Gheorghe (b. 1981) and Alina Popa (1982-2019). Work by the bureau has been shown in numerous group exhibitions, including at the National Museum of Contemporary Art Bucharest; HOME Manchester; Pratt Manhattan Gallery, NY; Times Museum, Guangzhou; SAVVY Contemporary, Berlin; Martin Gropius Bau, Berlin; TRAFO, Budapest; bak: basis voor aktuele kunst, Utrecht; mumok Kino, Vienna. Outside the BMR, Irina Gheorghe works mainly with performance, in combination with installation, collage, photography, sound or video. Thematically, her works revolve around the attempt to speak about things beyond our perceptual possibilities – from extraterrestrial life forms to hypothetical planets. Alina Popa, who initially studied finance, focused her artistic research on affect theory, specifically the relationship between neoliberalism and melodrama and the ideological connections between mountaineering and nationalism. She has had exhibitions and performances at MUMOK, Vienna; DEPO, Istanbul and Martin Gropius Bau, Berlin, among others.

    The exhibition is curated by Susanne Prinz.

    Exhibition, film and performances have been made possible with the support of: