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  • Leon Kahane – Kritik und Selbstkritik in der freien Zeit | Criticism and Self-criticism in Free Time

    Leon Kahane – Kritik und Selbstkritik in der freien Zeit | Criticism and Self-criticism in Free Time

    Der Ausstellungstitel Kritik und Selbstkritik in der freien Zeit greift den im Marxismus-Leninismus zentralen Begriff von „Kritik und Selbstkritik“ auf und verbindet ihn mit einem doppeldeutigen Verständnis von Freiheit. „Freie Zeit“ bezeichnet dabei zugleich ein gesellschaftliches Modell und eine historische Zeit und verweist auf unterschiedliche Vorstellungen davon, wie Arbeit, Bildung, Freizeit und individuelle Freiheit zu organisieren und zu denken sind. Darin spiegeln sich auch die politischen Bedingungen, unter denen Kunst entsteht. Die Ausstellung fragt nach dem Selbstverständnis künstlerischer Arbeit zwischen gesellschaftlichem Auftrag, persönlicher Verantwortung und künstlerischer Autonomie und danach, was von diesen wechselnden Bedingungen in Bildern, Erinnerungen und Formen fotografischer und filmischer Repräsentation fortlebt.

    Diese Fragen werden in einer neuen, Fotografie, Film und Installation umfassenden Werkgruppe konkret. Ausgangspunkt ist Sport, Biologie und Freizeit (1970), ein öffentliches Wandbild von Doris Kahane in Berlin-Johannisthal. In der heutigen Auseinandersetzung mit dem Wandbild reflektiert Leon Kahane künstlerische Praxis im Spannungsfeld von politischem Zeitgeist, institutionellen Aufträgen und gesellschaftlicher Verantwortung. Die Ausstellung schlägt dabei einen Bogen zu Kahanes eigenen Fotografien, die er vor 20 Jahren als Pressefotograf im Westjordanland aufgenommen hat, sowie zu einem Zeitzeugeninterview seines Großvaters, das seine Kindheit im Scheunenviertel- jenem historischen Stadtteil, in dem sich heute auch der Kunstverein befindet – in den Kontext gegenwärtiger Debatten holt.

    Leon Kahane (*1985, Berlin) studierte Fotografie an der Ostkreuzschule und Bildende Kunst an der Universität der Künste Berlin (UdK). Seine künstlerische Praxis beschäftigt sich u.a. mit europäischer Grenzpolitik sowie ostdeutschen und osteuropäischen Geschichten und kulturellen Praktiken, häufig ausgehend von seiner eigenen Biografie. Seine Arbeiten wurden international u. a. in der Kunsthalle Wien, im Jüdischen Museum Berlin, im Belvedere 21 Wien und in den Deichtorhallen Hamburg gezeigt. Parallel zu seiner Soloausstellung kuratiert Kahane gemeinsam mit Fabian Bechtle im Schinkel Pavillon und n.b.k. Projektionen auf den Osten.

    Kuratorische Leitung: Susanne Prinz

    The title draws on the Marxist-Leninist concept of “criticism and self-criticism” and connects it to an ambivalent notion of freedom. “Free time” refers both to a social model and to a historically contingent notion of time, reflecting how different political systems and societies organise and understand work, education, leisure and individual freedom. These ideas, in turn, reflect the political conditions under which art is produced. The exhibition considers the position of artistic practice between social responsibility, personal agency and artistic autonomy, and asks what remains of these shifting conditions in images, memories and forms of photographic and cinematic representation.

    These questions take shape in a new body of work spanning photography, film and installation. Its starting point is Sport, Biology and Leisure (1970), a public mural by Doris Kahane in Berlin-Johannisthal. In his contemporary engagement with the mural, Leon Kahane reflects on artistic practice caught between political zeitgeist, institutional commissions and social responsibility. The exhibition connects this work to Kahane’s own photographs, taken twenty years ago while working as a photojournalist in the West Bank, and to an oral history interview with his grandfather, which brings his childhood in the Scheunenviertel – the historic district in which the Kunstverein is now located – into dialogue with contemporary debates.

    Leon Kahane (*1985, Berlin) studied photography at the Ostkreuzschule and Fine Art at the Berlin University of the Arts (UdK). His practice engages with European border politics, as well as East German and Eastern European histories and cultural practices, often drawing on his own biography. His work has been shown internationally at institutions including Kunsthalle Wien, the Jewish Museum Berlin, Belvedere 21 Vienna and Deichtorhallen Hamburg. longside his solo exhibition, Kahane is co-curating Projections Onto the East with Fabian Bechtle at Schinkel Pavillon and n.b.k.

    Curatorial lead: Susanne Prinz

    Photos: Leon Kahane

    Die Ausstellung wird ermöglicht durch die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt / The exhibition was made possible by the Senat Deparment for Culture and Social Cohesion

  • Lennart Lahuis – In All Weathers

    Lennart Lahuis – In All Weathers

    In All Weathers ist die erste Einzelausstellung des niederländischen Künstlers Lennart Lahuis in einem deutschen Kunstverein. Die Ausstellung untersucht Prozesse der Transformation, Instabilität und des Austauschs, die sowohl natürliche Umgebungen als auch menschliche Bedeutungssysteme prägen.

    Im Zentrum von Lahuis‘ künstlerischer Praxis steht das Verhältnis von Materie und Sprache. Wasser, Feuer, Luft und Erde erscheinen dabei nicht als stabile Kategorien, sondern als Kräfte ständigen Wandels. Sie tragen Spuren von Leben, Erinnerung und Erzählung in sich und bilden die Grundlage von Mythen, Geschichten und Wissensordnungen, die keinen eindeutigen Ursprung kennen. Wie Flüsse, Sedimente oder Wetterphänomene werden diese Erzählungen im Laufe der Zeit umgeschrieben, umgelenkt und abgetragen.

    In der Zusammenführung von vier Werkgruppen verfolgt In All Weathers die Bewegung von Information durch unterschiedliche materielle Zustände. Texte treten als Spuren in abgetragenem Denim hervor, werden durch Schweiß und Oxidation in erhitzten Stahl eingeschrieben, erscheinen flüchtig als Wasserdampf in der Luft und bleiben als fragmentierte Inschriften im Ton erhalten. Sprache ist in diesen Arbeiten niemals festgeschrieben. Sie wird von Körpern, Wettersystemen, geologischen Prozessen und materiellen Oberflächen getragen, die ihre Form fortwährend verändern.

    In der gesamten Ausstellung fungieren Schreiben, Einschreiben und Erosion als wiederkehrende Gesten. Die Tonarbeiten der Serie MURMUR erinnern an archäologische Fragmente, deren Bedeutungen unvollständig bleiben, während HYDROLOGY den Wasserkreislauf durch Wörter sichtbar macht, die in der Atmosphäre materialisieren und sich wieder auflösen. Die Denim-Arbeiten und CALORGRAPHS halten auf ähnliche Weise Spuren von Berührung fest und übersetzen alltägliche Gewohnheiten sowie körperliche Präsenz in subtile Aufzeichnungen von Zeit und Transformation.

    Anstatt feste Bedeutungen oder eindeutige Erzählungen anzubieten, rücken die Arbeiten Prozesse des Entstehens und Verschwindens in den Vordergrund. Materie fungiert dabei als temporäre Trägerin von Erinnerung, während Bedeutung einer fortwährenden Revision unterliegt. Die Arbeiten gleichen sorgfältig angelegten Versuchsanordnungen des Denkens, die die Bedingungen ihrer eigenen Möglichkeit niemals vollständig absichern können – und gerade in dieser Unabgeschlossenheit nehmen sie Gestalt an.

    Bio: Lennart Lahuis (NL) lebt und arbeitet in Brüssel. Er studierte am ArtEZ Institute of the Arts in Zwolle/Arnhem sowie an De Ateliers in Amsterdam. Residenzen führten ihn unter anderem an das Banff Centre for Arts and Creativity (Kanada), die Glasgow Sculpture Studios und Sundaymorning @EKWC. Seine Arbeiten waren zuletzt in Einzel- oder Duoausstellungen im Bergson (München), Museum Schloss Moyland und im Fries Museum zu sehne. In seinen skulpturalen und installativen Arbeiten verbindet Lahuis Materialität, technische Systeme und fragile Gleichgewichte.

    Kuratorische Leitung: Susanne Prinz

    ENG: In All Weathers is the first solo exhibition by the Dutch artist Lennart Lahuis in a German Kunstverein. The exhibition explores processes of transformation, instability and exchange that shape both natural environments and human systems of meaning. 

    At the core of Lahuis‘ practice lies the relationship between matter and language. Water, fire, air, and earth appear not as stable categories, but rather forces in constant transformation forces in constant flux. They carry traces of life, memory and storytelling, forming the basis of myths, histories and systems of knowledge that have no single origin. Like rivers, sediments or weather patterns, these narratives are rewritten, redirected and eroded over time.

    Bringing together four bodies of work, In All Weathers follows the movement of information through different states of matter. Texts emerge as traces in worn denim, are drawn onto heated steel through perspiration and oxidation, appear briefly as water vapour in the air, and persist as fragmented inscriptions impressed into clay. Across these works, language is never fixed. It is carried by bodies, weather systems, geological processes and material surfaces that continuously alter its form.

    Throughout the exhibition, acts of writing, imprinting and erosion function as recurring gestures. The clay works of the MURMUR series evoke archaeological fragments whose meanings remain incomplete, while HYDROLOGY renders the water cycle visible through words that materialise and dissolve in the atmosphere. The denim works and CALORGRAPHS similarly register moments of contact, translating everyday habits and bodily presence into subtle records of time and transformation.

    Rather than offering fixed meanings or definitive narratives, the works foreground processes of emergence and disappearance. Matter acts as a temporary carrier of memory, while meaning remains subject to continuous revision. The works resemble carefully constructed experimental arrangements of thought, which can never fully secure the conditions of their own possibility – and it is precisely in this lack of closure that they take form.

    Bio: Lennart Lahuis (NL) lives and works in Brussels. He studied at the ArtEZ Institute of the Arts in Zwolle/Arnhem and at De Ateliers in Amsterdam. Residencies have taken him to the Banff Centre for Arts and Creativity (Canada), Glasgow Sculpture Studios and Sundaymorning @EKWC, among others. His work was recently shown in solo and duo exhibitions at Bergson (Munich), Museum Schloss Moyland and the Fries Museum. In his sculptural and installation-based practice, Lahuis brings together materiality, technical systems and fragile equilibria.

    Curatorial lead: Susanne Prinz

    @Ludger Paffrath

  • Nathan Peter – Schaufenster #11 (monstera)

    Nathan Peter – Schaufenster #11 (monstera)

    Ausstellungsdauer / Exhibition dates:
    12.6.2026 – 30.8.2026

    Eröffnung / Opening: 11.6.2026, 18h

    Der in Berlin lebende amerikanische Maler Nathan Peter hat ein neues Display für das Schaufenster des Kunstvereins entwickelt. Darin setzt er seine langjährige Auseinandersetzung mit Natur als einem Prozess kontinuierlicher Transformation fort. Seine Arbeiten entfalten sich durch Gesten der Erosion und Rekonstruktion, in denen Bilder zugleich erscheinen und sich wieder aufzulösen scheinen. Oberfläche und Struktur bleiben dabei in ständiger Bewegung, während Motiv, Wiederholung und Abstraktion nahtlos ineinander übergehen und feste Unterscheidungen zwischen Figur und Grund sowie zwischen Bild und Raum destabilisieren.

    Innerhalb der Installation erweitert sich Malerei zu einem durchlässigen räumlichen Zustand: Die Leinwand fungiert weniger als statischer Bildträger denn als poröser Körper, der visuelle Informationen aufnimmt, verteilt und neu formuliert. Was entsteht, ist kein singuläres Bild, sondern ein fortlaufender Prozess des Werdens und Verschwindens — Malerei verstanden als zugleich generativ und instabil.

    Die Installation ist 24/7 im Schaufenster des Kunstvereins zu sehen.

    Bio: Nathan Peter ist ein in Berlin lebender amerikanischer Künstler, der vor allem mit Malerei und Installation arbeitet. Er studierte Malerei an der Rhode Island School of Design, bevor er zunächst nach London und anschließend nach Berlin zog. Zahlreiche Werke sind derzeit in der Ausstellung SYMBIOSIS | Kunst zwischen Mensch und Natur in der Kunsthalle Augsburg zu sehen.

    Seine Malerei ist maßgeblich von einem längeren Studienaufenthalt in Rom geprägt. In der Auseinandersetzung mit historischen bildnerischen Referenzen ebenso wie mit zeitgenössischen materiellen Prozessen versteht Peter Malerei als einen räumlichen und zeitlichen Zustand – als etwas, das sich kontinuierlich zwischen Konstruktion und Auflösung entfaltet.

    Kuratorische Leitung: Susanne Prinz

    The Berlin-based American painter Nathan Peter has developed a new display for the Kunstverein’s window space. In it, he continues his long-standing engagement with nature as a process of continuous transformation. His works unfold through gestures of erosion and reconstruction, in which images appear to emerge and dissolve at the same time. Surface and structure remain in constant flux, while motif, repetition and abstraction seamlessly flow into one another, destabilising fixed distinctions between figure and ground, and between image and space.

    Within the installation, painting expands into a permeable spatial condition: the canvas functions less as a static support than as a porous body that absorbs, distributes and reformulates visual information. What emerges is not a singular image, but an ongoing process of becoming and unmaking — painting understood as both generative and unstable.

    The installation is on view 24/7 in the Kunstverein’s window space.

    Bio: Nathan Peter is a Berlin-based American artist working primarily with painting and installation. He studied painting at the Rhode Island School of Design before moving first to London and then to Berlin. Numerous works are currently on view at Kunsthalle Augsburg in the exhibition SYMBIOSIS | Art between Human and Nature.

    His painting is significantly shaped by an extended period of study in Rome. Engaging both historical pictorial references and contemporary material processes, Peter’s work situates painting as a spatial and temporal condition—one that continuously unfolds between construction and dissolution.

    Curatorial lead: Susanne Prinz