Autor: Susanne

  • soft cruelties, Lena Marie Emrich

    10.11.2023, 19:30h – Olga Hohmann liest eine Collage eigener Texte auf Lena Marie Emrichs Ménage à trois.

    Ausstellung und Bar sind ab 18h geöffnet.

    Ob Venedig, Sardinien oder Uluru. Orte, an denen Schönheit zum Fluch wird, nehmen rasant zu. Overtourism aber auch überzogene Erwartungshaltung werden zur Norm im Wettreisen um die Welt. Lena Marie Emrichs‘ Ausstellung soft cruelties kreist um die daraus resultierende Konstruktion aus Realität, Fiktion und Spekulation. Dafür inszeniert die Künstlerin Sonnenschirme, sandfarbene Intarsien, Wunschbrunnen und eine Bank aus dem Garten Eden. Willkommen im Paradies von Lena Marie Emrich.

    Für ihre jüngste Erzählung bedient sich die Künstlerin, wie so oft, alltäglicher Objekte und Materialien, die aus ihrem Kontext herausgelöst, manipuliert, nachgebaut und/oder überästhesiert werden. Kennzeichnend ist die Verwendung von technischen Werkstoffen in neuen Kontexten. Polierte Oberflächen, Ahorn, Bambus, farbige Einsprengsel – in den neuen Arbeiten trifft eine kühle, dennoch poetische Formensprache auf Materialien aus konträren Anwendungsbereichen. Die Palette reicht vom hochwertigen Festkörpermaterial HIMACS über eine Gruppe leicht trashiger Sonnenschirme aus Kunststoff-Raffia zu großformatigen Fensterfolien. Bei allem Realismus bleiben die einzelnen Arbeiten dabei meist assoziativ und in der Gruppe suggestiv.

    In der für den Kunstverein neu entwickelten Ausstellung beleuchtet Emrich speziell jene Momente, in denen das Streben nach individuellem Vergnügen mit moralischen Grundsätzen in Konflikt gerät. So beschreibt der Titel sinngemäß jenes ungute Gefühl, von dem wir wissen, dass es sich unweigerlich einstellt, wenn wir uns entscheiden, die 1,99 Euro für die CO2-Kompensation bei der Buchung eines Flugs doch nicht zu bezahlen.

    In dieser Hinsicht sind die Skulpturen von The plunge, die den  Ausstellungsraum bevölkern, Metaphern für genau diese Diskrepanz, die soft cruelties so perfide macht. Das tödliche Schwert als Verlängerung des Sonnenschirms für die rücksichtslose Revierbesetzung im morgendlichen Kampf um die besten Plätze am Pool, oder als Handtuchhalter für den Zeitraum nach der geglückten Landnahme, steht dabei natürlich für Stärke, Macht oder Der Sonnenschirm hingegen wird mit Entspannung, Schutz vor der Sonne und Leichtigkeit assoziiert. Das Ergebnis dieser Kombination ist paradoxerweise „perfekt“ weil es in einer Welt, in der normale Konventionen von Ästhetik und Funktionalität herrschen, eine Herausforderung für traditionelle Vorstellungen darstellt – auch weil beide Elemente für sich genommen bereits eher extravagant sind, also weder funktional noch angemessen, und im Falle des Schwerts nicht mal echt.

    Ist der gute Geschmack im Vorhergehenden in vielerlei Hinsicht herausgefordert, so wirken die sechs wie in Stein gemeißelten Reliefs, die Wunschbrunnen (wishing well) und das Konversationsmöbel Menage a trois (Garden Eden) in ihrer zurückhaltenden Farbigkeit und mit ihren perfekten Oberflächen ausgesprochen elegant. Sie alle sind aus HIMACS gefertigt, einem eigentlich in architektonischen Kontext verwendeten Plattenmaterial, das Emrich gefräst, gesägt, graviert und geschliffen hat. Die entstandenen Arbeiten zeugen von einer „… versteinerten Welt, aus der jede Flüchtigkeit entweicht. Ein Gegenentwurf zur Fluidität digitaler Screens, obschon am Computer entworfen, von CNC-Fräsen ausgeschnitten. Hier ist alles (vermeintlich) in Stein gemeißelt. Die Zeit steht still. Die Banalität des Alltags hat sein Monument gefunden.“ (Gianni Jetzer)

    Abgeleitet von den Konversations-Möbeln (conversation pieces) des 18. und 19. Jahrhunderts, ist Menage a trois (Garden Eden) offensichtlich für drei Personen gedacht. Ganz im Sinne von Franco Berardi (Chaos and Poetry) nutzt die Künstlerin sie als aktivierendes Moment. Denn physische Nähe gepaart mit irritierender Fragmentierung und Dekonstruktion gewohnter Sprache regt zum Nachdenken an und fördert den Austausch.

    Auf der Erde sind die Dinge weniger harmonisch. Deserted landscape offenbart eine unwirkliche Verwandlung irgendwo im nirgendwo, wo Autos wie umgedrehte Käfer auf dem Rücken liegen – eine surreale Metamorphose der Mobilität im post-anthropozänen Zeitalter. Die einstigen Ikonen der menschlichen Mobilität sind nun gestrandet. Fiat, Synonym für Fortbewegung, kehrt zu seiner ursprünglichen Bedeutung zurück: Es werde geschehen.

    Offensichtlicher beziehen die übrigen Reliefs zum Thema Reisen Stellung. Wie in Swifts Gulliver zielt die Umkehr der Größe und damit der Macht in From Equanimity to tranquility auf die daraus resultierenden sozialen Konsequenzen Das zugrundeliegende Thema ist die Rolle einer Kultur des Überflusses. In Superyachten kondensieren sich alle Ungleichheit des herrschenden Kapitalozän  (Grégory Selle). Indem sie eine solche Yacht mit einem Stock wegstößt, kehrt eine absurd große Frau in einem Akt der Selbstermächtigung die konventionellen Rollen um.

    Ähnlich monumental und dabei vollkommen anonym erscheint die unter ihren Plastikponchos kaum mehr als Körper zu identifizierende Menschengruppe in Hugging raincoats während In Limbo zunächst heiter daherkommt. Bis dem Betrachter auffällt, dass eine anonyme Hand die Tänzerin brutal an ihrer Blumenkette zu Boden zieht. Anlass zu Spekulationen bietet das Relief Phallocentric keychain. Hält man sich an die Psychoanalyse, könnte man sagen, dass ein Turm der Ausdruck einer „vertikalen Überkompensation“ ist, quasi ein erectus completus – wo Höhe und Potenz in einer gewissen Weise zusammentreffen. Außer der Turm hängt wie in diesem Fall als Miniaturturm am Schlüsselring.

    In Fight or Flight sehen wir wenig mehr als den Rumpf eines Menschen mit Anschnallgurt. Der Anschnallgurt, der normalerweise als Sicherheitsmaßnahme während des Fluges dient, wird in Emrichs Arbeit zu einem visuellen Ankerpunkt für die komplexen Entscheidungen, die wir in bedrohlichen Situationen treffen. Die Theorie geht davon aus, dass bei der Konfrontation mit einer potenziell gefährlichen Situation der Körper auf zwei Hauptweisen reagiert: durch Kampf (Fight) oder Flucht (Flight). Durch die Fokussierung auf den Anschnallgurt, der eine symbolische Verbindung zur Flugreise herstellt, bringt die Künstlerin diesen Dualismus der Überlebensstrategien in einen beklemmend bekannten Kontext. Ein Wunschbrunnen hilft in Fight-or-Flight -Situationen sicher ziemlich wenig. Es ist jedoch möglich, dass das Werfen von Münzen in einen Wunschbrunnen eine beruhigende und entspannende Wirkung haben kann, was zur Bewältigung von Stress beitragen könnte. Zu diesem oder anderen Zwecken gibt daher zwei in der Ausstellung.

    Schlussendlich bleibt die Frage, ob wir am Ende alle terribel tourist sind?  Um das herauszufinden, besuchen Sie soft cruelties, wo das sanften Grausamkeiten des Lebens auf subversive Weise enthüllt werden.

    Die Ausstellung ist von Susanne Prinz kuratiert.

    Die Ausstellung wurde ermöglicht durch Unterstützung von

    Vielen Dank an

  • petrichor, Vikenti Komitski

    Einweihung / Inauguration: 16.09.23, 13-18 h
    Eine Installation im Foyer des L40 / An installation in the foyer of L40

    Wenn im Sommer leichter Regen auf Pflanzen und von der Sonne erwärmte Straßen trifft, entsteht ein ganz besonderer Geruch: Petrichor. Ein Geruch, der intensiv an schöne Sommererlebnisse erinnert und zugleich die einer Erinnerungen stets innenwohnende Melancholie mit sich trägt. Vikenti Komitskis Installation gleichen Namens im Foyer des L40 folgt dieser Spur und verbindet sie mit der Traurigkeit, die speziell durch die Entfremdung und Einsamkeit im modernen, industrialisierten Leben entsteht.

    Im Zentrum der Arbeit steht ein verfremdeter Leuchtkasten mit der Abbildung einer Weltkugel und dem Zusatz Weltschmerz. Es stammt aus dem Berliner Hotel Mondial am Kurfürstendamm 47, das vor einiger Zeit abgerissen und durch ein Bürohaus ersetzt wurde. Tatsächlich erinnert Komitskis Installation an die Lobby eines Bürogebäudes oder eben eines Hotels. Diese allerdings sind nicht auf Hochglanz poliert, sondern eher in einem gebrauchten Zustand.

    Quasi als Kommentar oder Erklärung verweist auf der anderen Seite des Raumes eine Tapete mit Motiven aus dem Buch Illustrations of Madness von John Haslam aus dem Jahr 1810 auf eben jene Moderne, die damals ihren Anfang nahm und sich heute sich mit zunehmender Geschwindigkeit selbst überschreibt.  Haslams Buch enthält die erste psychiatrische Beschreibung einer sog. Beeinflussungsmaschine, also einer fiktiven technischen Apparatur, auf deren verborgene Einwirkung psychotische Patienten ihre Erlebnisse der Fremdsteuerung zurückführen. Abgebildet ist ein Mann verstrickt in eine Maschinen ähnliche Konstruktion, die an Proto-Computerserver also quasi eine Büroumgebung erinnert.

    Inzwischen haben Technologien – von der Elektrizität, übers Telefon bis zum Laser – als Ursache psychischer Störungen die zuvor als externe Verursacher identifizierten Teufel und Dämonen in der Psychopathologie abgelöst. Diese skurrile Parallelgeschichte der Technik im paranoiden Wahn erfährt eine gewisse Korrektur durch ein gewaltig X, das sowohl im Bild wie real im Raum erscheint. In Verbindung von Zeichen und Bildzitat entsteht eine gewisse Ambiguität, die Vorstellungen von unsichtbaren Prozessen und Kontrollmitteln, die die Realität formen, evoziert und gleichzeitig löscht. Zurück bleibt das Gefühl einer „tiefen Traurigkeit über die Unzulänglichkeit der Welt“  – eben jener nur auf Deutsch existierende Weltschmerz. (Jean Paul)

    Die Installation ist der laufenden Serie Wall Works, kuratiert von Susanne Prinz.


    EN: In summer, when light rain hits plants and streets warmed by the sun, a very special smell is created: Petrichor. A smell that intensely recalls beautiful summer experiences and at the same time carries with it the melancholy that is always inherent in memories. Vikenti Komitski’s installation of the same name in the foyer of the L40 follows this trail and connects it with the sadness that arises specifically from alienation and loneliness in modern, industrialised life.

    At the centre of the work is an alienated light box with an image of a globe and the word Weltschmerz. It comes from Berlin’s Hotel Mondial at Kurfürstendamm 47, which was demolished some time ago and replaced by an office building. Indeed, Komitski’s installation is reminiscent of the lobby of an office building or indeed a hotel. These, however, are not polished to a high sheen, but rather in a used condition.

    On the other side of the room, a wallpaper with motifs from the book Illustrations of Madness by John Haslam from 1810 refers, as a commentary or explanation, to the very modernity that began at that time and is today overwriting itself with increasing speed. Haslam’s book contains the first psychiatric description of a so-called influence machine, i.e. a fictitious technical apparatus to whose hidden influence psychotic patients attribute their experiences of external control. A man is depicted entangled in a machine-like construction, reminiscent of a proto-computer server, i.e. a quasi office environment.

    In the meantime, technologies – from electricity to telephones to lasers – have replaced the devils and demons previously identified as external causes in psychopathology as the cause of mental disorders. This bizarre parallel history of technology in paranoid delusion is somewhat corrected by a massive X that appears both in the image and in real space. Combining sign and image quotation, a certain ambiguity emerges that evokes and simultaneously erases notions of invisible processes and means of control that shape reality. What remains is the feeling of a „deep sadness at the inadequacy of the world“ – precisely that Weltschmerz that exists only in German. (Jean Paul)

    The installation is part of the ongoing series Wall Works, curated by Susanne Prinz.

    Vielen Dank an

  • The Bureau of Melodramatic Research, High Heel Communism

    The Bureau of Melodramatic Research

    High Heel Communism

    Eröffnung / Opening: 9. Juni 2023, 19h

    Performance Cry-Baby: How to Win Hearts and Influence People*, mit/with Irina Gheorghe und/and Mădălina Dan, 20h

    Performance The Perfect Heel** mit/with Irina Gheorghe und/and Silvia Costin,  7. Juli 2023, 20h

    High Heel Communism ist die erste große Präsentation der Arbeit des rumänischen Duos The Bureau of Melodramatic Research in Deutschland. Das Bureau of Melodramatic Research (BMR) wurde 2009 in Bukarest von den Künstlerinnen Irina Gheorghe (*1981) und Alina Popa (1982-2019) als ‚Institut‘ mit dem Ziel gegründet, Rolle und Funktionsweisen von Emotionen – Schlüsselelemente des Melodramas – in breiten sozialen Kontexten zu untersuchen. Dafür unterzieht BMR dieses subjektive, hochemotionale und im Innersten berührende Genre einer vielschichtigen Untersuchung. Das Melodrama ist dabei nicht nur Forschungsgegenstand, sondern auch Arbeitsmethode. Die Methodik des Bureau of Melodramatic Research, die Melokritik, macht sich zentrale Elemente des Melodrams als Methode der kritischen Interpretation und Intervention zu eigen. Emotion, Sentimentalität und Übertreibung werden zu Instrumenten eines sachlich-rationalen Forschungsansatzes, der den Widerspruch zwischen Affekt und Konzept durch unterschiedliche künstlerische Formate auflösen will.

    Das Projekt High Heel Communism ist das erste Werk, dass das Bureau of Melodramatic Research nach dem frühen Tod von Alina Popa im Jahr 2019 realisiert. Es wurde noch gemeinsam von beiden Künstlerinnen in der letzten Phase ihrer Zusammenarbeit konzipiert und hatte eine erste Inkarnation als lebensgroßes Gruppenporträt. Für das Foto wurde die Größe von neun Frauen, die (in typisch post-kommunistischer Kleidung in den Farbtönen klassischer Hollywood-Melodramen) in einer Reihe stehen, mittels verschieden hoher Absätze vereinheitlicht. Diese Metapher der Gleichheit, durch das simple technologische (Hilfs-)Mittel der Absätze erzeugt, zeigt idealtypisch Anliegen und Methoden des Büros: Nämlich Instrumentarien zu entwickeln, die als Teil der Produktion von Stereotypen – hier von Weiblichkeit – bereits existieren und diese dann zum Anlass und Rahmen für weiterreichende Reflexion über gesellschaftspolitische Fragen auszubilden.

    Für die Ausstellung im Kunstverein am Rosa-Luxemburg-Platz wurde das Konzept High Heel Communism zu einer Mixed-Media-Installation weiterentwickelt, die Fotografien, Schaufensterpuppen, Kostüme, Drucke, Performances sowie einen neu produzierten 16mm-Film umfasst. Der Film basiert auf älteren Filmmaterial von den Vorbereitungen zur Titel gebenden Fotografie und der Bukarester Ausstellungsversion Heart Beat Detection Systems, 2022. Ergänzt durch neue Aufnahmen, entwickelt er sich zu einer breit angelegten Reflexion über soziale Gleichstellung, Geschlechterrepräsentation und der Rolle des High Heels als symbolisches Instrument der Subversion.

    Im Zusammenhang mit dem Film entstand die neue Performance The Perfect Heel mit Irina Gheorghe und Silvia Costin. Premiere: 7.Juli 2023, 20h.**

    *Cry-Baby: How to Win Hearts and Influence People ist eine Performance, bei der Alina Popa und Irina Gheorghe mittels Zwiebelschneidens für eine beliebig lange Veranstaltungsdauer ununterbrochen weinen. Ergänzend zur Performance wurde der Cry-Baby-Guide als Papieredition produziert. Im Cry-Baby-Guide schlägt BMR eine neue  ‚Etikette der Tränen‘ für gesellschaftlich unstatthafte Gefühlsausbrüche vor. Zu diesem Zweck liefert er eine Reihe von Anleitungen, wie man die Zwiebel verwenden kann, um eigene Emotionen im öffentlichen Raum zu orchestrieren. In Berlin wird das Werk von Irina Gheorghe und Mădălina Dan aufgeführt

    **The Perfect Heel ist eine neu entwickelte Performance, die den unsichtbaren vertikalen Spuren mechanistischer Steig(er)ung via unterschiedlicher Absätze an Frauenschuhen auf der Suche nach neuen Formen von Gleichheit und Gemeinschaft folgt.

    Bereits 2010 schlug das BMR anlässlich der offiziellen Eröffnung seiner Statistikabteilung in Chișinău, Moldawien, die Einführung eines neuen Indikators für die statistische Analyse vor: den Brutto-Nationalabsatz. Es wurden numerische Daten über die Höhe der Absätze aller weiblichen Passanten an fünf wichtigen Orten in der Stadt innerhalb einer Zeitspanne von jeweils dreißig Minuten erhoben. Damit wurde eine Lücke in den offiziellen Studien aufgezeigt und die Rolle, die der Indikator „Brutto-Nationalabsatz“ bei weiteren Bewegungen in Richtung Gleichstellung der Geschlechter spielen könnte. Im Jahr 2022 brachte High Heel Communism eine weitere Entwicklung in der Verwendung des Absatzes als Mittel der melodramatischen Untersuchung, indem er sich von einem Instrument der statistischen Forschung zu einem Mittel wurde, mittels dessen das BMR hofft, einen eigenen Beitrag zu einer internationalen Theorie des Kommunismus zu leisten.

    Mădălina Dan ist eine rumänische Tänzerin und Performerin aus Berlin. Ihre Arbeit wurden in zahlreichen internationalen Ausstellungen und Festivals gezeigt, u.a. in Bozar; Brüssel, Hebbel am Ufer & Tanzfabrik, Berlin; Tanzquartier Wien; Springdance Festival, Utrecht, Southbank Center & Chisenhale Dance Space; London

    Das Bureau of Melodramitic Research (Büro für melodramatische Forschung, kurz: BMR) wurde 2009 von Irina Gheorghe (geb. 1981) und Alina Popa (1982-2019) gegründet. Arbeiten des Bureaus wurden in zahlreichen Gruppenausstellungen gezeigt, u.a. im National Museum of Contemporary Art Bukarest; HOME Manchester; Pratt Manhattan Gallery, NY; Times Museum, Guangzhou; SAVVY Contemporary, Berlin; Martin Gropius Bau, Berlin; TRAFO, Budapest; bak: basis voor aktuele kunst, Utrecht; mumok Kino, Wien. Außerhalb des BMR arbeitet Irina Gheorghe vor allem mit Performance, in Kombination mit Installation, Collage, Fotografie, Sound oder Video. Thematisch kreisen ihre Arbeiten um den Versuch, über Dinge jenseits unserer Wahrnehmungsmöglichkeiten zu sprechen – von extraterrestrischen Lebensformen zu hypothetischen Planeten. Alina Popa, die zunächst Finanzwirtschaft studierte, konzentrierte sich in ihrer künstlerischen Forschung auf Affekttheorie, konkret die Beziehung zwischen Neoliberalismus und Melodrama und die ideologischen Verbindungen zwischen Bergsteigen und Nationalismus. Sie hatte Ausstellungen und Performances u.a. im MUMOK, Wien; DEPO, Istanbul und Martin Gropius Bau, Berlin.

    Die Ausstellung ist kuratiert von Susanne Prinz.

    EN

    High Heel Communism will be the first large-scale presentation of the work of the Romanian duo The Bureau of Melodramatic Research in Germany. The Bureau of Melodramatic Research (BMR) was founded in 2009 in Bucharest by artists Irina Gheorghe (b. 1981) and Alina Popa (1982-2019) as an institution whose aim is to investigate the role of emotions, as key elements of melodrama, in a wider social context. In the Bureau’s practice, a subjective, affected and highly emotional genre is brought into the space of a rigorous investigation. Melodrama provides not only a subject for research, but also a working method.

    The project High Heel Communism is the first work developed by The Bureau of Melodramatic Research after Alina Popa’s premature death in 2019. The idea of equality produced with the technological support of the heel is in keeping with the Bureau’s concerns and methodologies: an instrumentarium belonging to the production of a stereotypical image of femininity provides the context for a reflection on wider socio-political themes.

    For the exhibition at the Kunstverein, the project was developed into a mixed media installation including photographs, mannequins, costumes, prints, performances, as well as a newly produced 16mm film. The film starts from existing footage from the shooting of the titular photograph and the opening performance at the exhibition Heart Beat Detection Systems in Bucharest 2022. From there it expands into a wider reflection on ideas of social equality, gender representation and the role of the high heel as a symbolic instrument of subversion.

    A new performance was developed in connection with the film. Premiere with  Irina Gheorghe and Silvia Costin on 7 July 2023, 20h **

    ** The Perfect Heel is a newly developed performance follows the invisible vertical trajectories of technological elevation through heels of different heights on women’s shoes in search of new forms of community and equality.

    Back in 2010, marking the official launch of its department of statistics in Chișinău, Moldova, the Bureau of Melodramatic Research proposed the introduction of a new indicator of statistical analysis, the Gross National Heel. Numerical data was gathered with regard to the height of the heels of all female passers-by in five key locations in the city within a time span of thirty minutes each, thus signaling a gap in official studies, and the role that the Gross National Heel indicator might play in further movements toward gender equality. In 2022, High Heel Communism brought a further development in the use of the heel as a means of melodramatic investigation. From a tool of statistical research with a national range of action, the heel becomes a device through which the Bureau hopes to provide its own contribution to an international theory of communism

    *Cry-Baby: How to Win Hearts and Influence People: Cry-Baby: How to Win Hearts and Influence People is a performance in which the Bureau’s founders, Alina Popa and Irina Gheorghe, would cry continuously with the help of onions for the duration of any event in which the work would be shown. In addition to the performance, the Cry-Baby guide was produced as a work on paper, containing a set of instructions on how to use onion to control one’s display of emotions in the public space. In the Cry-Baby guide, BMR proposes a new etiquette of tears for socially forbidden outbursts. In Berlin the work will be performed by Irina Gheorghe and Mădălina Dan.

    Mădălina Dan is a Romanian dancer and performer based in Berlin. Her work has been shown in numerous exhibitions and festivals including in Bozar; Brussels, Hebbel am Ufer & TanzFabrik, Berlin; Tanzquartier Wien; Springdance Festival, Utrecht; Southbank Center & Chisenhale Dance Space, London

    The Bureau of Melodramitic Research (BMR for short) was founded in 2009 by Irina Gheorghe (b. 1981) and Alina Popa (1982-2019). Work by the bureau has been shown in numerous group exhibitions, including at the National Museum of Contemporary Art Bucharest; HOME Manchester; Pratt Manhattan Gallery, NY; Times Museum, Guangzhou; SAVVY Contemporary, Berlin; Martin Gropius Bau, Berlin; TRAFO, Budapest; bak: basis voor aktuele kunst, Utrecht; mumok Kino, Vienna. Outside the BMR, Irina Gheorghe works mainly with performance, in combination with installation, collage, photography, sound or video. Thematically, her works revolve around the attempt to speak about things beyond our perceptual possibilities – from extraterrestrial life forms to hypothetical planets. Alina Popa, who initially studied finance, focused her artistic research on affect theory, specifically the relationship between neoliberalism and melodrama and the ideological connections between mountaineering and nationalism. She has had exhibitions and performances at MUMOK, Vienna; DEPO, Istanbul and Martin Gropius Bau, Berlin, among others.

    The exhibition is curated by Susanne Prinz.

    Exhibition, film and performances have been made possible with the support of:

  • Henrik Strömberg, Bygones be bygones or: what’s hidden in the snow, will come to light by thaw

    Henrik Strömberg

    Bygones be bygones or: what’s hidden in the snow, will come to light by thaw

    Eröffnung | Opening: 28. April 2023, 18-21h

    Gallery Weekend: 29. + 30. April 2023 13-18 h

    Enter Henrik Strömberg’s (SE, 1970) immersive installation including sculpture, video, light, sound  and the ‘Bygones be Bygones Bar’.

    The show Bygones be bygones or: what’s hidden in the snow, will come to light by thaw explores the ephemeral existence of humanity in relation to its transient, increasingly collapsing environment, the idea of ‘gains and losses’ and the transient, decadent act of mingling, conversing and linger. To keep and let go, to hold on only to forget, to  rediscover, to reassess, the loss of memory and the acquisition of proofs, the growth of technologies and the decay of the environment are all pivotal topics in Strömberg’s artistic process.

    A landscape of amphora-shaped glass bodies will populate the space, combined with recovered construction elements, plaster, metal and coal to create an expansive installation in which the sculptural volumes will contain and be accumulated with found objects, collected and reused materials and lost, found and repurposed artefacts: burned notebooks and newspapers, corals and branches and vessels of proofs: of memory, history, past and present socio-political entanglements.

    In the video room a sound and 3-channels video installation will create an all embracing landscape through which the public will be able to walk among flickering images and narratives of times that have been or are still for a moment, while listening to natural and warped, white noise like sounds.

    A program of performances and readings will take place on the stage of a functioning bar counter structure: the “Bygones be Bygones Bar” conceived and realised by the artist for the project. Conversations will be initiated through readings of poetry, philosophy and talks, while the ice cubes are melting in the glasses, the talk will be about the same phenomenon at the poles, about viruses and microorganisms, about memory and loss, about surveillance and much more.

    The special guests invited are: William Cody Maher, Jens Soneryd and K.Yoland.

    The exhibition and performance program  are curated by Susanne Prinz and Chiara Valci Mazzara.

    Henrik Strömberg: (N.Mellby, SE, 1970) lives and works in Berlin. He studied Photography and History of Photography at FAMU, Academy of Performing Arts Prague, Czech Republic and at the Camberwell College of Art, London, UK.

    William Cody Maher  is a writer and performance artist. He lives and works in Berlin. 

    Jens Soneryd  is a poet who writes, edits, curates and collects plants. He is based in Bernshammar and Berlin.

    K.Yoland  is a site-specific and transdisciplinary artist – based in London – examining territoriality and power across large scale terrain, urban planning and international borders. 

    Der Beitrag von K.Yoland (GB) enstand im Zusammenhang mit dem Netzwerkprojekt Spatial Practices in Art and Architecture for Empathetic Exchange (SpaceX), das durch das EU-Programm Horizon 2020 – MSCA gefördert wird. / The inteventon of K.Yoland (GB) connected to the network project Spatial Practices in Art and Architecture for Empathetic Exchange (SpaceX), funded by the EU programme Horizon 2020 – MSCA

    Opening and bar are kindly supported by:
  • Raphaela Vogel, Elephant’s Memory (Memorial Structure)

    photo by Roman März

    Raphaela Vogel, Elephant’s Memory
    (Memorial Structure)

    Eine Installation im öffentlichen Raum, Grünfläche Almstadt-/Rosa-Luxemburg-Str., Berlin Mitte / An installation in public space, public green between Almstadstr. and Rosa-Luxemburg-Str., Berlin Mitte

    Bis 30. September 2023 / Until 30 September 2023

    Die Arbeit Elephant’s Memory (Memorial Structure) verknüpft mit unterschiedlichen künstlerischen Mitteln (Skulptur, Malerei, Musik etc.) Anlässe des Gedenkens und Erinnerns mit persönlichen Begegnungen und Schnittpunkten aus der Biografie der Künstlerin Raphaela Vogel, die auch länger am Rosa-Luxemburg-Platz gelebt hat und später mit dem Werk des Erich Hopp in Berührung kam.

    Der Song Jede Frau ist schön wurde von Erich Hopp und Carla Boehl 1931 veröffentlicht. In der von Raphaela Vogel aufgezeichneten Version erklingt er jeden Tag um 10, 13, 16 und 19 Uhr.

    Erich Hopp war ein jüdisch-deutscher Schriftsteller, auf dessen Werk und Biografie die Künstlerin stieß, als sie ein Haus in Eichwalde erwarb, wo Hopp sich mit seiner Familie während der Nazizeit fast drei Jahre bis zur Befreiung durch die Rote Armee 1945 versteckt hatte.

    Roberto Burle Marx war ein brasilianischer Maler, Designer und Landschaftsarchitekt (berühmt etwa für die Gestaltung der Copacabana), der kurz vor seinem Tod einen Entwurf für die Gestaltung des Rosa-Luxemburg-Platzes entwickelt hat, den der damalige CDU-Senat aber nicht realisieren wollte (hier in die Installation integriert).

    Der berühmte Modernist Ludwig Mies van der Rohe (Neue Nationalgalerie) hat 1926 ein abstraktes Denkmal für die ermordeten Kommunist_innen Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gebaut, das von den Nazis restlos zerstört worden ist (hier in der Malerei sichtbar).

    Die Installation wurde von Susanne Prinz initiiert und organsiert.

    photos by Roman März and by Ludger Paffrath

    The work Elephant’s Memory (Memorial Structure) uses various artistic means (sculpture, painting, music, etc.) to link moments of commemoration and remembrance with personal encounters and intersections from the biography of the artist Raphaela Vogel, who also lived at Rosa-Luxemburg-Platz for a lengthy period and later came into contact with the work of Erich Hopp.

    The song Every woman is beautiful was published by Erich Hopp and Carla Boehl in 1931. In the version recorded by Raphaela Vogel, it is played every day at 10 a.m., 1 p.m., 4 p.m. and 7 p.m.

    Erich Hopp was a Jewish-German writer whose work and biography the artist came across when she bought a house in Eichwalde, where Hopp had hidden with his family for almost three years during the Nazi era until liberation by the Red Army in 1945.

    Roberto Burle Marx was a Brazilian painter, designer and landscape architect (famous, for example, for the design of the Copacabana), who shortly before his death developed a scheme for the redesign of Rosa-Luxemburg- Platz, which the CDU Senate at the time did not want to realize (here integrated into the installation).

    The famous modernist Ludwig Mies van der Rohe (Neue Nationalgalerie) built an abstract monument to the murdered communists Rosa Luxemburg and Karl Liebknecht in 1926, which was completely destroyed by the Nazis (visible here in the painting).

    The installation was initiated and organized by Susanne Prinz.

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    Die Recherche zu diesem Projekt wurde ermöglicht durch ein NEUSTARTplusStipendium der Stiftung Kunstfonds / NEUSTART KULTUR der BKM. | The research for this project was made possible by a NEUSTARTplus grant from the Stiftung Kunstfonds / NEUSTART KULTUR of the BKM.

    The opening is kindly supported by:
  • Stefan Sehler
    THERE, PARTS

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    Stefan Sehler: THERE, PARTS

    Öffnungszeiten Do-Sa 14-18 h und auf Anfrage / Opening hours Thu-Sa 2-6 pm and on request

    Zu sehen / On view: 12.3.-15.4.23

    Öffnungszeiten Do-Sa 14-18 h und auf Anfrage / Opening hours Thu-Sa 2-6 pm and on request

    Samstag, den 8.4.23 bleibt der Kunstverein geschlossen. / The Kunstverein will be closed on Saturday, 8.4.23

    Das Motiv der Wolken ist nicht nur kunsthistorisch ein präsentes Motiv, sondern unterhält historische Folgelinien von der Astronomie und Wissenschaftsgeschichte allgemein bis in die Strukturen der kapitalistischen und neoliberalen Gesellschaft. Die Spur reicht von modernen Vermessungsdrang der ersten Versuche der Ballonpioniere des 19. Jahrhunderts, in das Innere der Wolke vorzudringen, bis zum aktuellen Traum von Big Data und KI.

    In seiner Soloausstellung experimentiert Stefan Sehler mit dem Bild der Wolke als eigenständiges Argument. Quasi immateriell und bis heute nicht berechenbar ist sie das ideale Motiv für seine Bilder, deren Gegen- ständlichkeit sich bei genauerem Studium als eine scheinbare erweist. Dabei spielt er mit den Prämissen zeitgenössischer Malerei und entwickelt, mit der Kunst- geschichte als notwendige Folie, eine Reihe leichter, schwebender Naturaufnahmen. Doch was sich aus der Ferne wie eine Fotografie ausnimmt, löst sich bei der Annäherung in reine Farbe auf. Aus dem ästhe- tischen Genuss und der Faszination der gelungenen Täuschung des Auges durch eine kunstvoll konstruierte Wirklichkeit erwächst so eine sanfte Melancholie. Das ist Malerei, verstanden als vollkommen autonomes Mittel. Die Tatsache, dass der gesamte künstlerische Prozess rückwärts abläuft, weil die Bilder hinter Glas gemalt werden und somit Vorder- und Hintergrund in umgekehrter Reihenfolge entstehen, verbindet in idea- ler Weise das Mittel mit dem Motiv. Beides zugleich erweist sich als ein einzigartig geeignetes Bild für die Beweglichkeit des visuellen Denkens; für die Leichtig- keit, mit der ein Bild bestehende gedankliche Verbin- dungen aufruft, andere vernebelt und neue vorschlägt.

    Die Ausstellung is von Susanne Prinz kuratiert.

    Eng.:The motif of clouds is not only present in the history of art, but also maintains historical lines of succession from astronomy and the history of science in general to the structures of capitalist and neoliberal society.

    In his solo exhibition, Stefan Sehler experiments with the image of the cloud as an argument in its own right. Quasi immaterial and to this day incalculable, it is the ideal motif for his images, whose representational nature turns out to be an apparent one upon closer study. In doing so, he plays with the premises of contemporary painting and, using art history as a necessary foil, develops a series of light, floating images of nature.

    This is painting understood as a completely autonomous medium. The fact that the entire artistic process takes place backwards because the pictures are painted behind glass and thus the foreground and background are created in reverse order, ideally connects the means with the motif. Both at the same time prove to be a uniquely suitable image for the mobility of visual thought; for the ease with which an image calls up existing mental connections, clouds others and suggests new ones.

    The exhibition is curated by Susanne Prinz.

  • Paul McDevitt & Tommy Støckel
    UNWEARABLE

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    Paul McDevitt & Tommy Støckel UNWEARABLE

    Eröffnung|Opening: 23.2.23, 18-21h, mit|with Sodomland

    Zu sehen|On view: 24.2.-4.3.23

    Täglich 14-18h, außer So/Mo | daily 2-6pm, not Su/Mo

    Unwearable ist ein gemeinsames Projekt der Künstler Paul McDevitt und Tommy Støckel. In verschiedenen Formaten erweitert es McDevitts zweidimensionale grafische Bilder in eine räumliche Dimension, die durch Støckels skulpturale Sprache definiert wird.

    Schon in einem früheren Projekt verschmolzen die beiden ihre jeweiligen Praktiken zu neuen, eigenwilligen Produkten. Gezeigt wurden sie in Form eines Pop-up-Ladens, in dem alles außer „Kunstobjekten“ verkauft wurde. Angeboten wurden Dinge wie Regale, Rahmen, Stühle, Spiegel, Kissen, Taschen, Pullover und Schals – allesamt als erschwingliche und funktionale Editionen hergestellt.

    Bei Unwearable stehen Kunstwerke als tragbare Formen experimenteller skulpturaler Kleidung und Accessoires im Mittelpunkt, die den Träger der Kunstwerke dazu einladen, sie in seinen Alltag zu integrieren. Das Format ist durch unsere allgemeine Vertrautheit mit der Sprache des Einzelhandels, speziell von Modedisplays, sofort zugänglich. Die einzelnen Objekte sind Dinge, die man gerne anfassen, anziehen und im Alltag benutzen würde. Sie haben sowohl eine Form als auch eine Funktion – auch wenn diese nicht immer offensichtlich ist.

    Anders als etablierte künstlerische Tradition, die sich mit Kleidung und Kostümen als Teil von Performances beschäftigen –  Oskar Schlemmer, Yayoi Kusama, Jana Sterbak, Franz Erhard Walther oder Hélio Oiticica sind nur einige Beispiele dafür –  fordert McDevitts & Støckels Unwearable dazu auf, die Werke ins tägliche Leben zu integrieren. Es gilt, für sich herauszufinden, wo und wann Kunst zu Mode wird und ob ein Objekt noch als Skulptur betrachtet werden kann, wenn es getragen wird

    *Paul McDevitts Praxis basiert auf einer umfassenden Erkundung der Zeichnung und einer Vielzahl von grafischen Medien. Seine Werke sind vielschichtige und spielerische Kompositionen, die auf Bildern der Hoch- und Popkultur aufbauen. So stammt ein Großteil seines Bildmaterials unmittelbar aus modifiziert, was auf der Straße zu beobachten ist. Diese Referenzen sind sehr unterschiedlich und reichen von Postern für vermisste Haustiere über Firmenlogos auf weißen Lieferwagen bis hin zu gekritzelten Graffitis.

    *Die skulpturale Arbeiten des dänischen Künstlers Tommy Støckel haben sich durch ein langes Experimentieren mit Räumen, Formen und Materialien entwickelt. Sein Interesse an der Ästhetik der digitalen Medien und Werkzeuge spiegelt sich in den Objekten wider, die die Übersetzung zwischen dem Analogen und dem Digitalen zum Thema haben. Wie McDevitt greift auch Støckel für seine Kunstwerke auf gefundenes Material zurück, sowohl auf Readymades aus der realen als auch aus der digitalen Welt.

    Die Künstler wurden von Susanne Prinz eingeladen.

    Unwearable is the joint project of artists Paul McDevitt and Tommy Støckel. In various formats, it extends McDevitt’s two-dimensional graphic images into a spatial dimension defined by Støckel’s sculptural language. In an earlier project, the two already merged their respective practices to create new, idiosyncratic products. They were shown in the form of a pop-up shop selling everything but „art objects“. On offer were things like shelves, frames, chairs, mirrors, cushions, bags, jumpers and scarves – all made as affordable and functional editions.

    Unwearable focuses on artworks as wearable forms of experimental sculptural clothing and accessories that invite the wearer of the artworks to integrate them into their everyday life. The format is immediately accessible through our general familiarity with the language of retail, specifically fashion displays. The individual objects are things that people would like to touch, wear and use in their everyday lives. They have both a form and a function – even if this is not always obvious.

    Unlike established artistic traditions that deal with clothing and costumes as part of performances – Oskar Schlemmer, Yayoi Kusama, Jana Sterbak, Franz Erhard Walther or Hélio Oiticica are just a few examples – McDevitts & Støckels Unwearable calls for the works to be integrated into everyday life. It is a matter of finding out for oneself where and when art becomes fashion and whether an object can still be considered a sculpture when it is worn.

    The artists were invited by Susanne Prinz.

    Die Ausstellung wird unterstützt von |  the exhibition is supported by:

  • Carlos Noronha Feio, (grow flowers!)

    Carlos Noronha Feio
    (grow flowers!)

    Installationsdauer: Herbst 2022 | zu Bürozeiten geöffnet

    Die Installation (grow flowers!) lenkt unseren Blick vom Himmel auf die Erde, indem sie uns apodiktisch auffordert, Blumen zu pflanzen. Das ist an sich nie eine schlechte Idee und erfreut sich derzeit so großer Beliebtheit, dass überall in den Stadtzentren Bürgergärten entstehen. Das sogenannte Guerilla Gardening ist nicht zuletzt eine Reaktion auf immer weniger Grün in der Stadt, architektonischen Tristesse, steigende Luftverschmutzung und das Bedürfnis, die Stadt wieder als soziale Gemeinschaft zu erleben.

    Die Arbeit war eine der ersten Arbeiten, die der Künstler im Rahmen seiner Textserie produzierte. Sie existiert in mehreren Sprachvarianten, was der Künstler als integralen Teil des Werks sieht. Das kurze Zitat – im Original Russisch – stammt aus dem „Gedicht über Blumen“ des nonkonformistischen sowjetischen Dichters Genrikh Sapgir (Heinrich Sapgir). In diesem Gedicht adressiert Sapgir verschiedene Berufsgruppen aus unterschiedlichen Bereichen des Lebens und spricht sie direkt an; letztlich um ihre Arbeit in Frage zu stellen und sie aufzufordern, stattdessen Blumen zu züchten. „Lasst Blumen wachsen, lasst Ideen wachsen, lasst die Setzlinge eures eigenen Schaffens wachsen und kultiviert euch selbst und andere.

    Die Installation ist Teil der laufenden Serie Wall Works, die von Susanne Prinz kuratiert wird.

    EN

    The work (grow flowers!) directs our gaze from the sky to the earth by asking us to plant flowers. This is never a bad idea in itself and is currently so popular that civic gardens are springing up all over city centres. This so-called Guerilla Gardening is not least a reaction to less and less green in the city, architectural dreariness, increasing air pollution and the need to experience the city as a social community.

    The work was one of the first pieces the artist produced in his text-series. It exists in several language variants, which the artist sees as an integral part of the work. Originally Russian, the expression derives from the ‘poem on flowers’ by Soviet non-conformist poet Genrikh Sapgir. In this poem, Sapgir talks to various professional groups from different parts of life. He addresses them directly, ultimately questioning their work and asking them to grow flowers instead. “Grow Flowers, grow ideas, grow the seedlings of your own making, and cultivate yourself and others.”

    The installation is part of the ongoing series Wall Works, curated by Susanne Prinz.

    The views expressed herein can in no way be taken to reflect the official opinion of the European Union.

  • Carlos Noronha Feio, (lasst blumen wachsen!)

    Carlos Noronha Feio
    (lasst blumen wachsen!)

    Installationsdauer: 9.6. – 31.8.2023 | zu Bürozeiten geöffnet

    Im Herbst 2022 zeigten wir im Foyer des L40 die Installation des portugiesische Künstler Carlos Noronha Feio (grow flowers!). Planmäßig folgt nun die deutsche Version (lasst blumen wachsen!), die Teil einer sich entwickelnden Reihe anderer sprachlichen Varianten ist. Die Hintergrundfarbe, die Irina Gheorghe aus dem Farbrepertoire der Melodramen von Douglas Sirk ausgewählt hat,  verbindet das Foyer des Kunstvereins situativ mit der parallel laufenden Ausstellung  High Heel Communism im zweiten Stock. 

    Die Installation (lasst blumen wachsen!) lenkt unseren Blick vom Himmel auf die Erde, indem sie uns apodiktisch auffordert, Blumen zu pflanzen. Das ist an sich nie eine schlechte Idee und erfreut sich derzeit so großer Beliebtheit, dass überall in den Stadtzentren Bürgergärten entstehen. Das sogenannte Guerilla Gardening ist nicht zuletzt eine Reaktion auf immer weniger Grün in der Stadt, architektonischen Tristesse, steigende Luftverschmutzung und das Bedürfnis, die Stadt wieder als soziale Gemeinschaft zu erleben.

    Die Arbeit war eine der ersten Arbeiten, die der Künstler im Rahmen seiner Textserie produzierte. Sie existiert in mehreren Sprachvarianten, was der Künstler als integralen Teil des Werks sieht. Das kurze Zitat – im Original Russisch – stammt aus dem „Gedicht über Blumen“ des nonkonformistischen sowjetischen Dichters Genrikh Sapgir (Heinrich Sapgir). In diesem Gedicht adressiert Sapgir verschiedene Berufsgruppen aus unterschiedlichen Bereichen des Lebens und spricht sie direkt an; letztlich um ihre Arbeit in Frage zu stellen und sie aufzufordern, stattdessen Blumen zu züchten. „Lasst Blumen wachsen, lasst Ideen wachsen, lasst die Setzlinge eures eigenen Schaffens wachsen und kultiviert euch selbst und andere.

    EN

    In autumn 2022, we showed the installation by Portuguese artist Carlos Noronha Feio (grow flowers!) in the foyer of L40. As planned, the German version now follows (lasst blumenwachsen!), which is part of an evolving series of other linguistic variants. The background colour, chosen by Irina Gheorghe from the colour repertoire of Douglas Sirk’s melodramas, situationally connects the foyer of the Kunstverein with the parallel exhibition High Heel Communism on the second floor.

    The work (lasst blumen wachsen!) directs our gaze from the sky to the earth by asking us to plant flowers. This is never a bad idea in itself and is currently so popular that civic gardens are springing up all over city centres. This so-called Guerilla Gardening is not least a reaction to less and less green in the city, architectural dreariness, increasing air pollution and the need to experience the city as a social community.

    The work was one of the first pieces the artist produced in his text-series. It exists in several language variants, which the artist sees as an integral part of the work. Originally Russian, the expression derives from the ‘poem on flowers’ by Soviet non-conformist poet Genrikh Sapgir. In this poem, Sapgir talks to various professional groups from different parts of life. He addresses them directly, ultimately questioning their work and asking them to grow flowers instead. “Grow Flowers, grow ideas, grow the seedlings of your own making, and cultivate yourself and others.”

    The views expressed herein can in no way be taken to reflect the official opinion of the European Union.

  • Carlos Noronha Feio, (sunclipse!) / (sunsight!)

    Einweihung / Inauguration:
    17. September 2022, 13–18h

    Eine Installation im öffentlichen Raum,
    Rosa-Luxemburg-Straße 27 + 28, Berlin

    An installation in public space,
    Rosa-Luxemburg-Straße 27 + 28, Berlin

    Bis 5. November 2022 zeigen wir im Foyer des L40 zusätzlich die Installation (grow flowers!). /

    Until 5 November 2022, we will also be showing the installation (grow flowers!) in the foyer of L40.

    Mit den beiden Schriftzügen (sunclipse!) und (sunsight!) spielt der portugiesische Künstler Carlos Noronha Feio auf den Architekten und Systemtheoretiker Buckminster Fuller und dessen Überzeugung an, dass der falsche Sprachgebrauch überholte Realitäten aufrecht erhält. So war dieser überzeugt, dass wir niemals in der Lage sein werden, uns von dem Irrglauben zu lösen, das Zentrum des Universums zu sein, solange wir z.B. wissenschaftlich überholte Wörter wie Sonnenuntergang und Sonnenaufgang verwenden. Buckminster schlug daher neue Begriffe für Sonnenaufgang und Sonnenuntergang vor, und zwar Sonnenfinsternis und Sonnensicht. Die Neologismen weisen über die nachklingende geozentrische Tendenz vorkopernikanischer Himmelsmechaniken hinaus und beschreiben konkret, wie wir die Sonne abhängig von der Konstellation aus Erdbewegung und unserer individuellen geografischen Position jeweils sehen – oder eben nicht. Eine einfache Änderung der Sprache kann also Einstellungen ändern

    Vielleicht fügen sich die beiden gegenüberliegenden Begriffe deshalb perfekt in die städtebaulichen Gegebenheiten vor Ort ein. Die im Nord-Süd-Ausrichtung der Rosa-Luxemburg-Str. führt dazu, dass die Westseite nur morgens und die Ostseite nur abends Sonne abbekommt. (sunclipse!) und (sunsight!) beschreiben also wie von Buckminster angeregt konkrete Phänomene.

    Die zweite Installation des Künstlers (grow flowers!) im Foyer des Kunstvereins lenkt unseren Blick vom Himmel auf die Erde, indem sie uns apodiktisch auffordert, Blumen zu pflanzen. Das ist an sich nie eine schlechte Idee und erfreut sich derzeit so großer Beliebtheit, dass überall in den Stadtzentren Bürgergärten entstehen. Das sogenannte Guerilla Gardening ist nicht zuletzt eine Reaktion auf immer weniger Grün in der Stadt, architektonischen Tristesse, steigende Luftverschmutzung und das Bedürfnis, die Stadt wieder als soziale Gemeinschaft zu erleben.

    Die Arbeit (grow flowers!) war eine der ersten Arbeiten, die der Künstler im Rahmen der Textserie produzierte. Sie existiert in mehreren Sprachvarianten, was der Künstler als integralen Teil des Werks sieht. Das kurze Zitat – im Original Russisch – stammt aus dem „Gedicht über Blumen“ des nonkonformistischen sowjetischen Dichters Genrikh Sapgir (Heinrich Sapgir). In diesem Gedicht adressiert Sapgir verschiedene Berufsgruppen aus unterschiedlichen Bereichen des Lebens und spricht sie direkt an; letztlich um ihre Arbeit in Frage zu stellen und sie aufzufordern, stattdessen Blumen zu züchten. „Lasst Blumen wachsen, lasst Ideen wachsen, lasst die Setzlinge eures eigenen Schaffens wachsen und kultiviert euch selbst und andere.“.

    Im Frühjahr 2023 ersetze eine deutsche Version die englische.

    Wandarbeit und öffentliche Skulptur sind von Susanne Prinz curatiert.

    With (sunclipse!) and (sunsight!), the Portuguese artist Carlos Noronha Feio alludes to the architect and systems theorist Buckminster Fuller and his conviction that the wrong use of language perpetuates outdated realities. The latter was convinced that we will never be able to rid ourselves of the mistaken belief that we are the centre of the universe as long as we use scientifically outdated words such as sunset and sunrise, for example. Buckminster therefore proposed new terms for sunrise and sunset, namely sunclipse and sunsight. The neologisms point beyond the lingering geocentric bias of pre-Copernican celestial mechanics and specifically describe how we see – or don’t see – the sun depending on the constellation of earth’s movement and our individual geographical position. A simple change of language can therefore change attitudes.

    At the same time, the two opposing quotes fit perfectly into the urban planning conditions on site. The north-south orientation of Rosa-Luxemburg-Str. means that the west side only gets sun in the morning and the east side only in the evening. (sunclipse!) and (sunsight!) thus describe concrete phenomena.

    The artist’s second work (grow flowers!) in the foyer of the Kunstverein directs our gaze from the sky to the earth by asking us to plant flowers. This is never a bad idea in itself and is currently so popular that civic gardens are springing up all over city centres. This so-called Guerilla Gardening is not least a reaction to less and less green in the city, architectural dreariness, increasing air pollution and the need to experience the city as a social community.  

    The work was one of the first pieces the artist produced in the text-series. It exists in several language variants, which the artist sees as an integral part of the work. Originally Russian, the expression derives from the ‘poem on flowers’ by Soviet non-conformist poet Genrikh Sapgir. In this poem, Sapgir talks to various professional groups from different parts of life. He addresses them directly, ultimately questioning their work and asking them to grow flowers instead. “Grow Flowers, grow ideas, grow the seedlings of your own making, and cultivate yourself and others.”

    A German version replaced the English one in the spring of 2023. All versions are part of an ongoing series curated by Susanne Prinz.

    Die Zusammenarbeit mit dem Künstler entwickelte sich im Rahmen des Netzwerkprojekts Spatial Practices in Art and Architecture for Empathetic Exchange (SpaceX), das durch das EU-Programm Horizon 2020 – MSCA gefördert wird. / The collaboration with the artist developed as part of the network project Spatial Practices in Art and Architecture for Empathetic Exchange (SpaceX), funded by the EU programme Horizon 2020 – MSCA

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