Felix Kultau, Idyllwild

Das Ausgangsmaterial für die Arbeiten Kultaus sind in verschiedenen Kontexten benutzte, markierte, beklebte und verkratzte Türen von Metallspinden. Mutmaßungen über ihren ursprünglichen Kontext weisen in verschiedene Richtungen, erinnern an Konflikte Pubertierender aus amerikanischen High-School Filmen oder der militärischen Gleichschaltung des Privaten. Kultau reagiert auf das Äußere dieser Spinde und erweitert es um ästhetische Vermutungen eines vermeintlichen Dahinter. Seine visuellen Überformungen funktionieren als ein Ineinanderblenden der Zeichen exklusiver Milieus und den Spuren privater Erzählungen. Eine strukturelle Abnutzung und Verwertung der Subkulturen oder des attraktiven Unbekannten.

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Arnaud Cohen, Hunting Season

Im Herbst stehen in Deutschland Bundestagswahlen an. Vor dem Hintergrund Einfluss gewinnender rechter Parteien und Gruppierungen in ganz Europa hat der Verein zur Förderung von Kunst und Kultur am Rosa-Luxemburg-Platz e.V. den französischen Künstler Arnaud Cohen eingeladen, seine Installation Hunting Season von 2016 in Berlin zu zeigen. Zusätzlich hat der Künstler eine neue Arbeit verwandten Inhalts entwickelt: Dansez sûr moi (2017). Diese beiden Installationen bilden den Kern der Ausstellung. Ergänzend werden ältere Arbeiten gezeigt; darunter Smileys Revanchard (2011) und Winter over Europe (Ich lieb dich nicht, du liebst mich nicht).

Warren Neidich, Color of Politics —
The Statisticon Neon

The Statisticon Neon (2017) ist eine Hommage an Joseph Beuys’ monumentales Werk Das Kapital Raum 1970-1977, das zuerst 1980 im Deutschen Pavillon in Venedig zu sehen war und sich heute als Leihgabe in der Neuen Nationalgalerie / Hamburger Bahnhof in Berlin befindet. Neidich montiert sein diagrammatisches, von buntem Neonlicht gepägtes Werk auf eine zwanglose Anordnung schwarzer Tafeln, die eine Art Echo auf Beuys’ Installation sind und sich zu dieser vergleichbar einem Technicolor- zu einem Schwarzweissfilm verhalten. Das Neonlicht veranschaulicht die Beziehung zwischen Kunst und Gesellschaft rund vierzig Jahre nach Beuys’ Werk, insbesondere die Bedeutung des Internets und seine Auswirkungen auf Arbeit und Kapital.

Andrea Pichl, Keine Atempause, Geschichte wird gemacht

Es ist unbestritten, dass kollektive Erinnerungen einen entscheidenden Einfluss auf die allgemeine Vorstellung von Gegenwart und Zukunft haben. In die Stadtlandschaft schreibt es sich unübersehbar durch Gebäude, Denkmäler, Infrastruktur und vieles mehr ein. Geschichte manifestiert sich hier zunächst als konkreter Fakt nicht als textliches Narrativ. Zahlreiche dieser Architekturen sind jedoch auch mit persönlichen und kollektiven Mythen und Geschichten verbunden, die sich mit historischen Tatsachen zu einem Amalgam verbinden, das nicht notwendig mit Zahlen unterlegt werden kann aber trotzdem nicht weniger real ist.

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Frank Maier, Krabbensucher

Unter Abstraktion wird gemeinhin die Reduktion auf das Wesentliche eines Gedankens verstanden. Auch in der bildenden Kunst bezieht der Begriff sich auf Bilder oder Skulpturen, die im Gegensatz zu realistischen Arbeiten Einzelheiten zugunsten einer prägnanten Form weglassen oder gleich ganz auf wiedererkennbare Objekte verzichten. Frank Maiers Krabbensucher entspricht ist im Detail tatsächlich dieser Definition. Das Vertrackte ist nun, dass die schräge Konstellation mit ihren Bildboxen auf einer farbfeldartigen Wandmalerei in ihrem prominentesten Teil aber sofort als riesige Fratze, als asiatisch anmutende Maske zu erkennen ist. Was malerischer Methode, Stil und Form betrifft, haben wir also augenscheinlich ein Problem. Dass Maier von ‚umgekehrten Kubismus’ spricht und eine eiscreme-hafte Farbauswahl in Erdbeer und Waldmeister auftischt, macht die Sache nicht einfacher.

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Eva Grubinger, Black Diamond Bay

Seit mehr als einem Jahrzehnt beschäftigt sich Grubinger mit dem vielfältigen Potenzial alltäglicher Dinge, die sie aus den unterschiedlichsten Feldern bezieht – darunter Architektur, Zeitgeschichte, Literatur aber auch Minimal- und Konzeptkunst. Durch Verfremdungsprozesse mittels Material und Volumen verschiebt sie die ursprünglichen Codierungen dieser Objekte. In ihrem neuen Kontext stehen sie dann metonymisch für unsichtbare gesellschaftspolitischen Strömungen und deren unterschwellige Wirkung auf die Psyche.

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Jens Wolf, Wallwork #17

For the 17th edition of Wallworks Jens Wolf was invited to generate a room filling painting from the matrix of the Pattern Boards he’s been meticulously developping for more than 10 years. It will be a rare occassion to see a blown-up version of his stylish neo-geo abstractions which are usually produced within a strictly defined set of formats.

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Bettina Allamoda, Newbuild

It has been aptly remarked that a central aspects of Allamoda’s work is tension. This is true both in terms of content as well as in a material sense. Pushing and pulling, stretching, and rotating are trademarks of her sculptures, playfully used to analyze and expose hidden politics of visibility that are inscibed into the surfaces of popular cultural phenomena such as fashion, art and architecture.

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Anatoly Shuravlev, Panic

Als 16. Intervention der Reihe Wallworks im Foyer des Kunstvereins am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin zeigt der russische Künstler Anatoly Shuravlev die Videoinstallation Panic. Shuravlev hat dafür eine der Schlüsselszenen amerikanischer Western appropriiert und sie in einen durch-und-durch urbanen Kontext gebracht.

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Knut Henrik Henriksen, Tools

To pursue the useless is hardly possible in a society where everything is made use of, even the mind. Nothing appears to be more frightening than to slow down the hyperactivity. Even our desires are guided by the principles of competition and exchange. Under these circumstances the cliché of a detached, inspired artistic work is worth preserving as this notion is the potentiality inherent to passivity. Like Bartleby – the scrivener from Melville’s famous short story – the artists in this show ‚would prefer not to’. Because hesitance, doubt, the act of stopping, of taking a look around make it possible for something not yet defined to enter and permeate our thoughts. This attitude is remarkable because it is now unthinkable.

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