Mateusz Choróbski, P.OST

Kuratiert von Chiara Valci Mazzara und Susanne Prinz / Curated by Chiara Valci Mazzara and Susanne Prinz

Ausstellungsdauer / Exhibition dates:
11.12.2025 – 31.01.2026

Mateusz Choróbski, That Passed the Time, 2025, aluminium radiators, melted cupping glass and melted perfume bottles, street lamp shade, light, 137 x 40 x 47 cm.

Der Kunstverein am Rosa-Luxemburg-Platz freut sich, P.OST, die erste institutionelle Einzelausstellung des polnischen Künstlers Mateusz Choróbski in Deutschland, zu präsentieren. Speziell für den Kunstverein entwickelt, versammelt die Ausstellung Klang, Video-, Licht- und skulpturale Installationen, um über Erinnerung, Transformation und der vielschichtigen Identität des Rosa- Luxemburg-Platzes nachzudenken.

Choróbskis Arbeiten erkunden das Spannungsevrhältnis zwischen Nostalgie und Erinnerung, hinterfragen die Tendenz, die Vergangenheit zu idealisieren, und fragen, wie Nostalgie verstanden werden kann – als Sentimentalität, als Erbe oder als Missverständnis. So verweist bereits der Titel P.OST zugleich auf den verschwundenen OST – Schriftzug der Volksbühne und auf die Frage, was „nach dem Osten“ kommt.

Inspiriert von der architektonischen und kulturellen Geschichte des Rosa-Luxemburg-Platzes – besondere von Hans Poelzigs Entwürfen für das Babylon-Kino – verwandelt Choróbski den Ausstellungsraum in eine Bühne aus Spuren, Schatten und Fragmenten urbanen Umfelds. Seine Arbeit spannt einen weiten Bogen über Video, Installation, Performance, Klang und Skulptur. Häufig setzt der Künstler den menschlichen Körper neben und in Architekturen und untersucht, was bleibt, wenn soziale, politische oder materielle Systeme an ihre Grenzen gelangen – verfallene modernistische Gebäude, die Schuld(en)lasten oder der verletzliche Körper in Ruhe. Diese Überreste werden Ausgangspunkte, um über Verletzlichkeit, Resilienz und sich stetig ändernde kulturelle Narrative nachzudenken.

Mit gefundenen Glasobjekten, zu neuen Formen verschmolzen, verwandelt er Licht in ein Gefäß für Geschichte und Erinnerung. Dafür nutzt er eine komplexe Technologie, die Licht von Zeit und Ort entkoppelt und es in der Ausstellung neu einsetzt – so wird Licht aus entfernten Orten oder Zeiten in der Ausstellung wieder sichtbar und erfahrbar.

Gleich beim Betreten des Gebäudes begegnen Besucher*innen einem Türgriff, gegossen aus eingeschmolzenen polnischen Ein-Grosz-Münzen, modelliert nach Poelzigs historischen Entwürfen. Eine Klanginstallation – ein gelooptes Einatmen – erfüllt den Eingangskorridor und verwandelt die Schwelle in eine Zone erhöhter Wahrnehmung, die physische Berührung mit einem subtilen Hinweis auf Atem und Erwartung verbindet.

Im ersten Galerieraum führt eine zehn Meter lange Linie aus eingeschmolzenen Drahtglasplatten, beleuchtet von versteckten LEDs, exakt das Licht wieder ein, das am Vortag auf dem Rosa-Luxemburg-Platz aufgezeichnet wurde. Die unregelmäßigen, organischen Oberflächen tragen Spuren von Zeit und Atmosphäre in sich, spiegeln die wechselnden Bedingungen draußen wider und laden dazu ein, über Erinnerung, Präsenz und den Fluss der Zeit nachzudenken.

Ein zweiter Raum zeigt eine großformatige Installation aus Glasplatten, die mit Überresten früherer Arbeiten des Künstlers verschmolzen sind. Leicht über dem Boden schwebend und von der Straße aus sichtbar, wird die Arbeit zu einer Art Schattentheater: Silhouetten der Besucher*innen beleben die Oberfläche, machen das Publikum zum integralen Bestandteil der Arbeit und erweitern die Dramaturgie der Ausstellung in den öffentlichen Raum hinein.

Im abgeschlossenen Schaufenster projiziert eine Video die Hand eines Dirigenten, der Musik aus dem Stummfilm Der Golem, wie er in die Welt kam (1920)* dirigiert, für den Poelzig das Bühnenbild entworfen hat. Zur Straße hin projiziert, antwortet die Geste auf die Rhythmen und Stimmungen des Platzes und spürt seinen fortwährenden Puls von Spannung, Inszenierung und gemeinsamer Präsenz.

Die Ausstellung wird unterstützt von der Alexander Tutsek Stiftung und ermöglicht durch durch die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit, mit Beteiligung von OP Enheim. Sie wurde vom Adam-Mickiewicz-Institut ko-organisiert und kofinanziert vom Ministerium für Kultur und Nationales Erbe der Republik Polen.

*„Der Golem, wie er in die Welt kam“, Partitur für kleines Orchester von Hans Landsberger, rekonstruiert und orchestriert von Richard Siedhoff, wurde uns freundlicherweise aus dem Bestand des Ries & Erler Musikverlags zur Verfügung gestellt.

The sheet music Der Golem, wie er in die Welt kam. Für kleines Orchester by Hans Landsberger reconstructed, edited and orchestrated by Richard Siedhoff and played as part of the video installation of  is the property of Ries & Erler Musikverlag and was composed By Hans Landsberger Richard Siedhoff. 

Mateusz Choróbski (b. 1987, Radomsko) graduated from the University of the Arts in Poznań and the Academy of Fine Arts in Warsaw. He works across sculpture, installation, video, performance, and sound, engaging with architectural history, material transformation, and the conditions of contemporary life. Selected institutional solo exhibitions include: H.aven, Éva Kahán Foundation, Vienna (2024); Hide And Seek, Fabbrica del Vapore, Milan (2023); What the Barbarians Did Not Do, Opole Centre for Contemporary Art (2021); Mateusz Choróbski, Fondazione Nicola Del Roscio, Rome (2019); and The Loneliness of the Long Distance Runner, Manifesta 11, Zurich (performance, 2016).

Adam Mickiewicz Institute (IAM) brings Polish culture to people around the world. As a state institution, it creates lasting interest in Polish culture and art through strengthening the presence of Polish artists on the global stage. It initiates innovative projects, supports international cooperation and cultural exchange. It promotes the work of both established and promising artists, showing the diversity and richness of our culture. The Adam Mickiewicz Institute is also responsible for the Culture.pl website, a comprehensive source of knowledge about Polish culture. More information: www.iam.pl.

The Foundation for Polish-German Cooperation (SDPZ/FWPN) fosters good relations between Poland and Germany. For over 30 years, it has co-financed 16,000 bilateral projects, supporting partnerships between institutions, educational initiatives, scientific collaboration, and artistic and literary exchange. The Foundation also initiates its own projects—study visits, scholarships, publications, and debates—to inspire dialogue and strengthen Polish-German cooperation in a modern, open, and socially just European context. More information: sdpz.org

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