Leon Kahane – Kritik und Selbstkritik in der freien Zeit | Criticism and Self-criticism in Free Time

Ausstellungsdauer / Exhibition dates:
12.6. – 1.8.2026

Der Ausstellungstitel Kritik und Selbstkritik in der freien Zeit greift den im Marxismus-Leninismus zentralen Begriff von „Kritik und Selbstkritik“ auf und verbindet ihn mit einem doppeldeutigen Verständnis von Freiheit. „Freie Zeit“ bezeichnet dabei zugleich ein gesellschaftliches Modell und eine historische Zeit und verweist auf unterschiedliche Vorstellungen davon, wie Arbeit, Bildung, Freizeit und individuelle Freiheit zu organisieren und zu denken sind. Darin spiegeln sich auch die politischen Bedingungen, unter denen Kunst entsteht. Die Ausstellung fragt nach dem Selbstverständnis künstlerischer Arbeit zwischen gesellschaftlichem Auftrag, persönlicher Verantwortung und künstlerischer Autonomie und danach, was von diesen wechselnden Bedingungen in Bildern, Erinnerungen und Formen fotografischer und filmischer Repräsentation fortlebt.

Diese Fragen werden in einer neuen, Fotografie, Film und Installation umfassenden Werkgruppe konkret. Ausgangspunkt ist Sport, Biologie und Freizeit (1970), ein öffentliches Wandbild von Doris Kahane in Berlin-Johannisthal. In der heutigen Auseinandersetzung mit dem Wandbild reflektiert Leon Kahane künstlerische Praxis im Spannungsfeld von politischem Zeitgeist, institutionellen Aufträgen und gesellschaftlicher Verantwortung. Die Ausstellung schlägt dabei einen Bogen zu Kahanes eigenen Fotografien, die er vor 20 Jahren als Pressefotograf im Westjordanland aufgenommen hat, sowie zu einem Zeitzeugeninterview seines Großvaters, das seine Kindheit im Scheunenviertel- jenem historischen Stadtteil, in dem sich heute auch der Kunstverein befindet – in den Kontext gegenwärtiger Debatten holt.

Leon Kahane (*1985, Berlin) studierte Fotografie an der Ostkreuzschule und Bildende Kunst an der Universität der Künste Berlin (UdK). Seine künstlerische Praxis beschäftigt sich u.a. mit europäischer Grenzpolitik sowie ostdeutschen und osteuropäischen Geschichten und kulturellen Praktiken, häufig ausgehend von seiner eigenen Biografie. Seine Arbeiten wurden international u. a. in der Kunsthalle Wien, im Jüdischen Museum Berlin, im Belvedere 21 Wien und in den Deichtorhallen Hamburg gezeigt. Parallel zu seiner Soloausstellung kuratiert Kahane gemeinsam mit Fabian Bechtle im Schinke Pavillon und n.b.k. Projektionen auf den Osten.

Kuratorische Leitung: Susanne Prinz

The title draws on the Marxist-Leninist concept of “criticism and self-criticism” and connects it to an ambivalent notion of freedom.“Free time” refers both to a social model and to a historically contingent notion of time, reflecting how different political systems and societies organise and understand work, education, leisure and individual freedom. These ideas, in turn, reflect the political conditions under which art is produced. The exhibition considers the position of artistic practice between social responsibility, personal agency and artistic autonomy, and asks what remains of these shifting conditions in images, memories and forms of photographic and cinematic representation.

These questions take shape in a new body of work spanning photography, film and installation. Its starting point is Sport, Biology and Leisure (1970), a public mural by Doris Kahane in Berlin-Johannisthal. In his contemporary engagement with the mural, Leon Kahane reflects on artistic practice caught between political zeitgeist, institutional commissions and social responsibility. The exhibition connects this work to Kahane’s own photographs, taken twenty years ago while working as a photojournalist in the West Bank, and to an oral history interview with his grandfather, which brings his childhood in the Scheunenviertel – the historic district in which the Kunstverein is now located – into dialogue with contemporary debates.

Leon Kahane (*1985, Berlin) studied photography at the Ostkreuzschule and Fine Art at the Berlin University of the Arts (UdK). His practice engages with European border politics, as well as East German and Eastern European histories and cultural practices, often drawing on his own biography. His work has been shown internationally at institutions including Kunsthalle Wien, the Jewish Museum Berlin, Belvedere 21 Vienna and Deichtorhallen Hamburg. longside his solo exhibition, Kahane is co-curating Projections Onto the East with Fabian Bechtle at Schinkel Pavillon and n.b.k.

Curatorial lead: Susanne Prinz

Die Ausstellung wird ermöglicht durch die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt / The exhibition was made possible by the Senat Deparment for Culture and Social Cohesion