In All Weathers ist die erste Einzelausstellung des niederländischen Künstlers Lennart Lahuis in einem deutschen Kunstverein. Die Ausstellung untersucht Prozesse der Transformation, Instabilität und des Austauschs, die sowohl natürliche Umgebungen als auch menschliche Bedeutungssysteme prägen.
Im Zentrum von Lahuis‘ künstlerischer Praxis steht das Verhältnis von Materie und Sprache. Wasser, Feuer, Luft und Erde erscheinen dabei nicht als stabile Kategorien, sondern als Kräfte ständigen Wandels. Sie tragen Spuren von Leben, Erinnerung und Erzählung in sich und bilden die Grundlage von Mythen, Geschichten und Wissensordnungen, die keinen eindeutigen Ursprung kennen. Wie Flüsse, Sedimente oder Wetterphänomene werden diese Erzählungen im Laufe der Zeit umgeschrieben, umgelenkt und abgetragen.
In der Zusammenführung von vier Werkgruppen verfolgt In All Weathers die Bewegung von Information durch unterschiedliche materielle Zustände. Texte treten als Spuren in abgetragenem Denim hervor, werden durch Schweiß und Oxidation in erhitzten Stahl eingeschrieben, erscheinen flüchtig als Wasserdampf in der Luft und bleiben als fragmentierte Inschriften im Ton erhalten. Sprache ist in diesen Arbeiten niemals festgeschrieben. Sie wird von Körpern, Wettersystemen, geologischen Prozessen und materiellen Oberflächen getragen, die ihre Form fortwährend verändern.
In der gesamten Ausstellung fungieren Schreiben, Einschreiben und Erosion als wiederkehrende Gesten. Die Tonarbeiten der Serie MURMUR erinnern an archäologische Fragmente, deren Bedeutungen unvollständig bleiben, während HYDROLOGY den Wasserkreislauf durch Wörter sichtbar macht, die in der Atmosphäre materialisieren und sich wieder auflösen. Die Denim-Arbeiten und CALORGRAPHS halten auf ähnliche Weise Spuren von Berührung fest und übersetzen alltägliche Gewohnheiten sowie körperliche Präsenz in subtile Aufzeichnungen von Zeit und Transformation.
Anstatt feste Bedeutungen oder eindeutige Erzählungen anzubieten, rücken die Arbeiten Prozesse des Entstehens und Verschwindens in den Vordergrund. Materie fungiert dabei als temporäre Trägerin von Erinnerung, während Bedeutung einer fortwährenden Revision unterliegt. Die Arbeiten gleichen sorgfältig angelegten Versuchsanordnungen des Denkens, die die Bedingungen ihrer eigenen Möglichkeit niemals vollständig absichern können – und gerade in dieser Unabgeschlossenheit nehmen sie Gestalt an.
Bio: Lennart Lahuis (NL) lebt und arbeitet in Brüssel. Er studierte am ArtEZ Institute of the Arts in Zwolle/Arnhem sowie an De Ateliers in Amsterdam. Residenzen führten ihn unter anderem an das Banff Centre for Arts and Creativity (Kanada), die Glasgow Sculpture Studios und Sundaymorning @EKWC. Seine Arbeiten waren zuletzt in Einzel- oder Duoausstellungen im Bergson (München), Museum Schloss Moyland und im Fries Museum zu sehne. In seinen skulpturalen und installativen Arbeiten verbindet Lahuis Materialität, technische Systeme und fragile Gleichgewichte.
Kuratorische Leitung: Susanne Prinz
ENG: In All Weathers is the first solo exhibition by the Dutch artist Lennart Lahuis in a German Kunstverein. The exhibition explores processes of transformation, instability and exchange that shape both natural environments and human systems of meaning.
At the core of Lahuis‘ practice lies the relationship between matter and language. Water, fire, air, and earth appear not as stable categories, but rather forces in constant transformation forces in constant flux. They carry traces of life, memory and storytelling, forming the basis of myths, histories and systems of knowledge that have no single origin. Like rivers, sediments or weather patterns, these narratives are rewritten, redirected and eroded over time.
Bringing together four bodies of work, In All Weathers follows the movement of information through different states of matter. Texts emerge as traces in worn denim, are drawn onto heated steel through perspiration and oxidation, appear briefly as water vapour in the air, and persist as fragmented inscriptions impressed into clay. Across these works, language is never fixed. It is carried by bodies, weather systems, geological processes and material surfaces that continuously alter its form.
Throughout the exhibition, acts of writing, imprinting and erosion function as recurring gestures. The clay works of the MURMUR series evoke archaeological fragments whose meanings remain incomplete, while HYDROLOGY renders the water cycle visible through words that materialise and dissolve in the atmosphere. The denim works and CALORGRAPHS similarly register moments of contact, translating everyday habits and bodily presence into subtle records of time and transformation.
Rather than offering fixed meanings or definitive narratives, the works foreground processes of emergence and disappearance. Matter acts as a temporary carrier of memory, while meaning remains subject to continuous revision. The works resemble carefully constructed experimental arrangements of thought, which can never fully secure the conditions of their own possibility – and it is precisely in this lack of closure that they take form.
Bio: Lennart Lahuis (NL) lives and works in Brussels. He studied at the ArtEZ Institute of the Arts in Zwolle/Arnhem and at De Ateliers in Amsterdam. Residencies have taken him to the Banff Centre for Arts and Creativity (Canada), Glasgow Sculpture Studios and Sundaymorning @EKWC, among others. His work was recently shown in solo and duo exhibitions at Bergson (Munich), Museum Schloss Moyland and the Fries Museum. In his sculptural and installation-based practice, Lahuis brings together materiality, technical systems and fragile equilibria.
Curatorial lead: Susanne Prinz

























@Ludger Paffrath
