Wallworks

Warren Neidich
Color of Politics – The Statisticon Neon

Opening / Eröffnung 29.4.17 13–18h
Preview 28.4.17 18–21h   

Hours during Gallery Weekend / Öffnungszeiten während des Gallery Weekends
30.4. + 1.5.2017 13-18h

Color of Politics 28.4.–24.6.17
The Statisticon Neon 28.4.–19.8.17*

The Statisticon Neon (2017) ist eine Hommage an Joseph Beuys’ monumentales Werk Das Kapital Raum 1970-1977, das zuerst 1980 im Deutschen Pavillon in Venedig zu sehen war und sich heute als Leihgabe in der Neuen Nationalgalerie / Hamburger Bahnhof in Berlin befindet. Neidich montiert sein diagrammatisches, von buntem Neonlicht gepägtes Werk auf eine zwanglose Anordnung schwarzer Tafeln, die eine Art Echo auf Beuys’ Installation sind und sich zu dieser vergleichbar einem Technicolor- zu einem Schwarzweissfilm verhalten. Das Neonlicht veranschaulicht die Beziehung zwischen Kunst und Gesellschaft rund vierzig Jahre nach Beuys’ Werk, insbesondere die Bedeutung des Internets und seine Auswirkungen auf Arbeit und Kapital.

Das 21. Jahrhundert ist als Jahrhundert des Gehirns bezeichnet worden, seid wir jüngst vom Postfordismus in den Kognitiven Kapitalismus übergegangen sind. Der Geist und das Gehirn sind die neuen Fabriken des 21.Jahrhunderts. Während das Internet zur Zeit von Beuys’ Werk noch ein begrenztes Experiment war, arbeiten wir heute unbezahlt für Facebook, Instagram und Google, indem die von uns produzierten Daten individuelle Datenproflle ergeben, die später an Unternehmen und Sicherheitsfirmen verkauft werden.

Heute hat sich die formale Subsumption der Arbeit des Proletariats in eine reale Subsumption transformiert, in der unser ganzes Leben von Arbeit konsumiert wird, und wir sind Kognitarier geworden. Das Statisticon Neon verbindet diese Entwicklung mit dem in letzter Zeit erfolgten neurologischen Turn, in dem die Aktivität des Kapitalismus die Neuroplastizität des Gehirns mit etwas verbunden wird, das Neidich neuropower oder Neuromacht genannt hat – ein Begriff, der direkt in die Ausstellung im 2. Stock weiterführt.

Color of Politics

Wie das Geld und die Sprache ist auch die Farbe dereguliert worden. Farbe ist nicht mehr mit Form und Bedeutung verknüpft und wird ein Vehikel, durch das emanzipierte Gefühle erzeugt, politische Intrigen initiiert, aber auch Widerstand gegen institutionelle Normalisierungsprozesse realisiert werden kann. Warren Neidich setzt Farbe ein, um die politischen Voraussetzungen, Bedeutung zu schaffen, wiederzugewinnen – zusammengefasst in dem dreiteiligen Neonbild Red, White, and Blue (2007).

Bei den Afterimage Paintings (2016) bilden rote Neonskulpturen die Buchstaben der Namen der deutschen Emigranten Bertolt Brecht, Hanns Eisler und Lion Feuchtwanger, die alle später in Hollywood als Kommunisten auf der schwarzen Liste standen und denen deshalb nie einen Stern auf dem Hollywood Boulevard gewidmet wurde. Neidich berichtigt dies, indem er komplementär gefärbte Nachbilder erzeugt, die dann auf leere gemalte Sterne projiziert werden, Nachahmungen derjenigen auf dem Hollywood Walk of Fame. In dem Archive of False Accusations (2016) sind in Vitrinen von lavendelfarbenem Neonlicht beleuchtet. In ihnen liegen gefundene Zeitungsausschnitte, in denen von dem „Lavender Scare“ berichtet wird, einer weniger bekannten Facette in Joseph McCarthy’s Hexenjagd auf Sympathisanten des Kommunismus: Nicht-heterosexuelle Menschen (lesbisch, schwul, bisexuell oder transgender) verloren ihre Positionen im Regierungsapparat.

Der zweite Raum wird  von Neidichs neuester Skulptur Pizzagate beherrscht – eine große, dreidimensionale, wolkenartige Struktur, benannt nach der berüchtigten Verschwörungsgeschichte, die darin kulminiert, dass der Scharfschütze Edgar Welch die vermeintlich sexuell misshandelten Kinder retten will, von denen er glaubt, dass sie im Keller des Comet Ping Pong Pizza Restaurants gefangengehalten werden. Pizzagate stellt die Apparate und Muster der Ströme und der Anschlussmöglichkeiten heraus, die Fake News hervorbringen, die Köder definieren und auch das Verständnis, dass in der neuen Aufmerksamkeitsökonomie des Kognitiven Kapitalismus der neue Ort der Gouvernementalität die Neuroplastizität des Gehirns ist, vor allem derjenige im frontalen Cortex, wo die Aufmerksamkeit und das Arbeitsgedächnis angesiedelt sind. Es zeigt auch, dass die unablässigen ausschließlich auf Fake News basierenden Gerüchte mittlerweile weit in die Kunstwelt hineinreichen. Wer herausfinden möchte, wie einfach das funktioniert, sollte den kleinen experimentellen Aufbau in Neidichs jüngster Skulptur Trump Cup (2017) ausprobieren.

 ***English***

The Statisticon Neon (2017) pays homage to Joseph Beuys monumental work Das Kapital Raum 1970-1977 originally shown in the German Pavillon in Venice in 1980 and today on loan to Berlin’s Neue Nationalgalerie as part of Erich Marx’s Beuys-Block. Neidich mounts his diagrammatic work in multicolored neon upon a non-formal arrangement of black boards that echo the original Beuys’ installation much as a technicolor film would a black and white. His neon looks at the relationship between art and society some forty years later taking into account the role of the internet and its effect on labor and capital.

The 21st century has been called the century of the brain and recently we have transitioned from Postfordism to cognitive capitalism where the mind and brain are the new factories of the 21st century. While the internet was still an experimental paradigm at the time of Beuys’ work we now labor for free on Facebook, Instagram and Google producing data that creates individual data profiles, later sold to corporations and security firms. Today, formal subsumption of the labor of the proletariat has transitioned to real subsumption, in which our entire life is consumed by work, and we have become cognitariats. The Neon Statisticon links this development with the recent neurologic turn in which the action of capitalism is directed to the brains neural plasticity something, which Neidich has called neuropower or Neuromacht.

Color of Politics

Color like money and language has become deregulated. Color is no longer tethered to form and meaning and becomes a vehicle through which emancipated feelings, political intrigues and resistance to institutional normalization processes can become realized. Warren Neidich uses color to recoup the political conditions of creating meaning – summarized in the three part neon-painting Red, White, and Blue (2007).

In the Afterimage Paintings, (2016) red neon sculptures spell the names of German emigrants Bertolt Brecht, Hanns Eisler and Lion Feuchtwanger all of which were later blacklisted in Hollywood as communists and thus never were granted a star on Hollywood Boulevard. Neidich remedies this by activating complementary colored afterimages that are then projected upon empty painted stars mimicing those found on the Hollywood Walk of Fame. In the Archive of False Accusations (2016) vitrines illuminated by lavender neon light display found press clippings reporting on what has become known as The Lavender Scare – a less known facet of Joseph McCarthy’s witch-hunt to root out communist sympathizers.

In a second room a large three-dimensional cloudlike sculpture is installed: Pizzagate – named after the infamous conspiracy tale culminating in sniper Edgar Welch wanting to rescue the supposed sexually abused children he believed to held in the basement of Comet Ping Pong. Pizzagate exposes the apparatuses and patterns of flow and connectivity that generate False News and define click bait as well as understanding that in cognitive capitalism the new site of governementalization in the new attention economy is the brain’s neural plasticity, especially that found in the frontal cortex where attention and working memory are located. It also shows that the still virulent rumor based entirely on Fake News by now reaches well into the art world. If you want to find out how that works without fault you should try out Neidich’s most recent sculpture the small experimental setup Trump Cup (2017).

*A schedule of Neidich’s blindfolded performances in front of the neon will be posted on the Kunstverein’s webpage and on Facebook.

Andrea Pichl
Keine Atempause, Geschichte wird gemacht.

9.2.–19.4.2017
Eröffnung: Donnerstag, 9.2.2017 19 h

Frank Maier, Krabbensucher

15.9—26.11. 2016
Eröffnung / Opening: 17.9.2016 13–18 h

Unter Abstraktion wird gemeinhin die Reduktion auf das Wesentliche eines Gedankens verstanden. Auch in der bildenden Kunst bezieht der Begriff sich auf Bilder oder Skulpturen, die im Gegensatz zu realistischen Arbeiten Einzelheiten zugunsten einer prägnanten Form weglassen oder gleich ganz auf wiedererkennbare Objekte verzichten. Frank Maiers Krabbensucher entspricht ist im Detail tatsächlich dieser Definition. Das Vertrackte ist nun, dass die schräge Konstellation mit ihren Bildboxen auf einer farbfeldartigen Wandmalerei in ihrem prominentesten Teil aber sofort als riesige Fratze, als asiatisch anmutende Maske zu erkennen ist. Was malerischer Methode, Stil und Form betrifft, haben wir also augenscheinlich ein Problem. Dass Maier von ‚umgekehrten Kubismus’ spricht und eine eiscreme-hafte Farbauswahl in Erdbeer und Waldmeister auftischt, macht die Sache nicht einfacher.

Eva Grubinger
Black Diamond Bay

Eröffnung/Opening: 30.4.2016 13-18 h
Dauer/Duration: 30.4.–11.6.2016 im L40/at L40 sowie/and  30.4.–30.8.2016 im Foyer des L40 und im Außenraum Rosa-Luxemburg-/Almstadtstraße/in the lobby of L40 and in the public space Rosa-Luxemburg-/Almstadtstraße
Öffnungszeiten/Opening hours: Mi-Fr/Wed-Fr  14–18h und auf Anfrage /and by appointment

Die Ausstellung ist am Freitag, den 6. Mai geschlossen. / The exhibition will be closed on May 6th .

Seit mehr als einem Jahrzehnt beschäftigt sich Grubinger mit dem vielfältigen Potenzial alltäglicher Dinge, die sie aus den unterschiedlichsten Feldern bezieht – darunter Architektur, Zeitgeschichte, Literatur aber auch Minimal- und Konzeptkunst. Durch Verfremdungsprozesse mittels Material und Volumen verschiebt sie die ursprünglichen Codierungen dieser Objekte. In ihrem neuen Kontext stehen sie dann metonymisch für unsichtbare gesellschaftspolitischen Strömungen und deren unterschwellige Wirkung auf die Psyche.

In Black Diamond Bay verfolgt Grubinger eine Anzahl miteinander verwobener Interessen: Das Maritime als Metapher, koloniale Abenteuer, Korrespondenzen zwischen der Welt vor hundert Jahren und der heutigen, sowie unterschiedliche Assoziationen zur Dunkelheit. Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf einen imaginären Ort in Joseph Conrads Roman Victory (1915), sowie auf ein Lied von Bob Dylan aus dem Jahr 1976. Diese Verbindung zwischen Musik und Seefahrt ist relevant, denn Grubingers Skulpturen verflechten Verweise auf Konzert- und Clubkultur (und den traditionell damit verbundenen pharmakologischen Erkundungen) mit der Erschließung des Ozeans. Sie erforschen die fortdauernde Verlockung, den Reiz und das Risiko einer Reise ins Unbekannte. Sie evozieren die Idee einer psychologischen Landschaft, und einer physischen wie mentalen Reise, Eskapismus und der Suche nach sich selbst, Abenteuer und das Austesten eigener und fremder Grenzen. In den Arbeiten materialisieren sich innere Zustände von Überschreitung, Eroberung, Abgrenzung, zielloses Sich-treiben-lassen und Gefahr. Fetischisierende und scheinbare Sicherheit suggerierende Outdoor-Materialien reflektieren die dualistische Natur des Menschen. Wir suchen das Unbekannte, während wir gleichzeitig an einem sicheren Ufer anlegen möchten.

Jens Wolf, Wallwork #17


10.12.2015 – 31.3.2016
Eröffnung/Opening: 10.12.2015, 19 h

For the 17th edition of Wallworks Jens Wolf was invited to generate a room filling painting from the matrix of the Pattern Boards he’s been meticulously developping for more than 10 years. It will be a rare occassion to see a blown-up version of his stylish neo-geo abstractions which are usually produced within a strictly defined set of formats.

Anatoly Shuravlev,
Panic

Wallwork #16
17.09.—31.10.2015
Eröffnung: 16.9.2015 19 Uhr

 
Als 16. Intervention der Reihe Wallworks im Foyer des Kunstvereins am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin zeigt der russische Künstler Anatoly Shuravlev die Videoinstallation Panic. Shuravlev hat dafür eine der Schlüsselszenen amerikanischer Western appropriiert und sie in einen durch-und-durch urbanen Kontext gebracht.
 

Bettina Allamoda,
Newbuild

Wallwork #15
03.05.—23.8.2015
Eröffnung: 02.05.2015, 12 Uhr

 
It has been aptly remarked that a central aspects of Allamoda’s work is tension. This is true both in terms of content as well as in a material sense. Pushing and pulling, stretching, and rotating are trademarks of her sculptures, playfully used to analyze and expose hidden politics of visibility that are inscibed into the surfaces of popular cultural phenomena such as fashion, art and architecture.
 

Knut Henrik Henriksen,
Tools

Wallwork #14
30.01.—19.04.2015
Opening 30.01.2015 / 19 h

 
To pursue the useless is hardly possible in a society where everything is made use of, even the mind. Nothing appears to be more frightening than to slow down the hyperactivity. Even our desires are guided by the principles of competition and exchange. Under these circumstances the cliché of a detached, inspired artistic work is worth preserving as this notion is the potentiality inherent to passivity. Like Bartleby – the scrivener from Melville’s famous short story – the artists in this show ‚would prefer not to’. Because hesitance, doubt, the act of stopping, of taking a look around make it possible for something not yet defined to enter and permeate our thoughts. This attitude is remarkable because it is now unthinkable.
 

Hans-Jörg Mayer,
Luzifer 2009 / 2014

Wallwork #1 revisited.
14.12.2014—24.01.2015

 

Hannelore Van Dijck,
Vor uns liegt ein weites Tal

Wallwork #13
20.09.—30.11.2014
Eröffnung: 20.09.2014, 13—18 Uhr

 

Thomas Locher,
Two Postures

WALLWORK #12
03.05.—31.08.2014
Eröffnung: 03.05.2014, 12—18 Uhr
 

Mandla Reuter,
Curve Source Foyer Mustermann Bonsai

Wallwork #11
09.03.—20.04.2014
Eröffnung: 08.03.2014, 19 Uhr

 

Claudia Wieser

Wallwork #8
30.11.2012—28.02.2013
Eröffnung: 29.11.2013, 18:30 Uhr

 

Ines Lechleitner,
Imagine Two Rivers

Wallwork #10
21.09.—30.11.2013
Eröffnung: 21.09.2013, 13 Uhr

 
Mit Imagine Two Rivers unternimmt Ines Lechleitner den Versuch, einen interdisziplinären, sensorischen Dialog über die Beziehungen und Assoziationen der Menschen mit einem Fluss zu eröffnen. Durch intensive Recherchen und zahlreiche Interviews vor allem zur Elbe und Yamuna erkannte sie, dass eher die Vorstellung von einem Duft als eine rein visuelle Arbei neue Perspektiven eröffnen würde. Das Ergebnis ist ein Parfüm, das sie zusammen mit dem in Wien lebenden Parfümeur Yogesh Kumar entwickelte und das für die Dauer der Intervention das Foyer des L40 erfüllen wird.
 

Famed

Wallwork #9
27.04.—30.08.2013
Eröffnung: 26.04.2013, 19 Uhr

 
Famed beschäftigen in vielen ihrer Arbeiten mit Gebäude und Architekturen in ihrem jeweiligen sozialen und stadträumlichen Kontext. Ihre Arbeit verweist weist auf die Geschichte und soziale Transformation des Viertels um den Rosa-Luxemburg-Platz und bedient sich dabei spezifischer Konsummuster, die wiederum sinnbildlich für solche der Demokratie stehen. Das Angebot gilt für alle, die aus dem Haus ins Viertel gehen und umgekehrt.
 

Geerten Verheus,
Topsy Turvy

Wallwork #7
ab 15.09.2012
Eröffnung: 15.09.2012, 19 Uhr

 
In bekannt produktiver Ambivalenz hat der Künstler für das L40 eine Installation ersonnen, die das Äußere nach Innen kehrt. Trifft man nun im Foyer nun überraschend auf eine elegant tordiert Markise aus halbtransparentem Kunststoff, deren üppig faltige Materialität sich infolge eines merkwürdiger Wetterdesasters in eine schlaffe dreidimensionale Lemniskate verformt hat., deren eine Hälfte im vollständiger Umkehr jedweder zuvor denkbaren Nutzung nun einer großen Auffangschale gleicht.
 

Julia Horstmann

Wallwork #6
02.06.—08.09.2012
Eröffnung: 02.06.2012, 11 Uhr

 

Alex Müller,
Bewegung für eine Reise in Mitte

Wallwork #5
24.03.—27.05.2012
Eröffnung: 23.03.2012, 17 Uhr
18 Uhr Gespräch mit Ludwig Seyfarth

 

Raphael Danke,
The Double Disappearance of an Architect

WallworkK #4
11.09.—20.11.2011

 
In seinem 1903 erschienenen Text ‚Die Großstädte und das Geistesleben’ schreibt der Soziologe Georg Simmel, dass Großstädter angesichts der Fülle der zwischenmenschlichen Begegnungen, denen sie jeden Tag ausgesetzt sind, gar nicht anders können, als ihren Mitmenschen mehrheitlich aus dem Weg zu gehen, denn ohne Distanz und Abwendung sei diese Art von Leben gar nicht auszuhalten. So ist es eben auch eine elementare Sozialisierungsform, seinen Hausnachbarn nicht mal von Ansehen zu kennen und sich im ihm im Gegenzug auch nicht aufzudrängen, sondern sich vielmehr unhörbar und unsichtbar zu machen.
 

Leonor Antunes,
Floor

WallworkK #3
2011