To Start a Painting
Monique van Genderen, Shila Khatami, Ingo Meller

5.6.—13.7.2019

Letze Woche 9.-13.7.19 – Sommerpause 22.7. – 22.8.19

Öffnungszeiten: Mi-Fr 14 – 18 h und auf Anfrage

Ungegenständliche Malerei ist kein einheitliches Produktionsfeld. Dessen ungeachtet, stehen regelmäßig Fragen im Vordergrund, die im Bewusstsein ihres historischen, sozialen und institutionellen Rahmens formuliert werden. Parameter aktueller Formen sind in vielen Fällen Überlegungen, die Produktion und Material genauso reflektieren wie den Ort ihrer Präsentation. To Start a Painting bringt mit Monique van Genderen, Shila Khatami und Ingo Meller drei der interessantesten Positionen zusammen.

Die kanadisch-amerikanische Malerin Monique van Genderen hat eigens für die Ausstellung eine neue, wandfüllende Arbeit entwickelt, die ausschließlich aus retro-reflektierenden Folien besteht, wie sie im Straßenverkehr verwendet werden. In ihr behauptet sie, dass Bild auch Menschen seien und – muss man unweigerlich folgern – auch so behandelt werden wollen. In gleicher Weise bedient sich die Berliner Malerin Shila Khatami einer technischen Oberfläche. Ihre raumgreifende Installation aus Metallplatten mit Auto- und Metallschutzlacken verweist auf die Werkstatt als Produktionsort, während die malerische Komposition Motive aus dem Vokabular der Stadtaneignung wie Graffiti oder Tags aufgreift und sie zu Formen aus den Traditionen und Methoden der Avantgarden des 20. Jahrhunderts in Beziehung setzt. Beide Künstlerinnen loten Elemente des Raums und der Illusion im Rahmen der Abstraktion aus. Man kann sagen, dass sie es der Oberfläche und dem Material erlaubten, eigenständig die Bildebene zu verhandeln. Ähnliches gilt für Ingo Meller. Ein beträchtlicher Teil der traditionellen Leinwand, auf der Meller seine blockartigen, gelegentlich auch verwischten Farbsetzungen aufträgt, bleibt unbemalt. Sie ist Farbe und Träger zugleich, verschmilzt beinahe mit der Wand und verbindet sich mit den satten Ölfarben der streng analytischen Farbgesten des Künstlers. Diese Entwürfe greifen weit über bloße Ästhetik hinaus, denn bei aller Strenge entwickeln Farbe und Material ein Eigenleben und sind deshalb nicht ganz ungefährlich.

Mit freundlicher Unterstützung der rotec GmbH, Berlin

English:

Openeing hours Wed – Fri 2 – 6 pm and upon request

Non-representational painting is not a unified field of production. Nonetheless, regular attention is paid to painterly questions formulated in the light of its historical, social and institutional framework. In many cases, parameters of current forms are considerations that reflect production and material just as much as the location of presentation. To Start a Painting brings together three of the most interesting positions in this field: Monique van Genderen, Shila Khatami and Ingo Meller.

The Canadian-American painter Monique van Genderen has developed a new, wall-filling work for the exhibition, which consists exclusively of retro-reflective foils commonly used in traffic. In it she asserts that images are also human and – one must inevitably conclude – want to be treated like that. In the same way, the Berlin painter Shila Khatami uses a technical surface. Her expansive installation of metal panels with car and metal protective lacquers refers to the workshop as a production location, while the painterly composition picks up motifs from the vocabulary of city re-appropriation such as graffiti or tags and relates them to forms of the traditions and methods of the avant-gardes of the 20th century. Both artists explore elements of space and illusion in the context of abstraction. One can say that they allow the surfaces and materials to negotiate the image plane almost on their own. The same applies to Ingo Meller. A considerable part of the traditional canvas, on which Meller applies his blocky, occasionally blurred color compositions, remains unpainted. At one and the same time, it blends with the wall and merges with the rich oil colors of the artist’s strictly analytical color gestures. These designs go far beyond mere aesthetics, because despite their severity, color and material have a life of their own and are therefore not entirely harmless.

With friendly support of rotec GmbH, Berlin

Renata Kaminska
Phantom Monument II, 2019

27.04.–30.06.2019

Das Projekt der Phantom Monumente von Renata Kaminska nahm bereits vor einiger Zeit seinen Anfang, als die in Polen geborenen Berliner Künstlerin begann, zur Person Rosa Luxemburgs zu recherchieren. Wie diese ist sie in Zamość geboren. Eine biografische Koinzidenz, die Kaminska zum Anlass nahm, in Polen befindliche Orte aufzusuchen, die einen historischen Zusammenhang mit der Politikerin haben. Was sie fand war in erster Linie Nichts: verschwundene oder vernachlässigte Gebäude, keine Denkmäler, nicht mal Erinnerungstafeln. So wurde zuletzt am 13. März 2018 in Zamość die Gedenktafel entfernt, die an Rosa Luxemburg erinnert hatte. Zwar ist es inzwischen wahrscheinlich, dass das Haus, an dem die Tafel seit 1979 befestigt war, fälschlich für das Geburtshaus Rosa Luxemburgs gehalten wurde, der Grund für die Entfernung aber war – so nimmt es zumindest die Rosa-Luxemburg-Stiftung an – ein politischer und reiht sich ein in eine Reihe von Maßnahmen, die seit 2016 in unserem Nachbarland per Gesetz Straßennamen und überhaupt öffentliche Zeugnisse beseitigt, die an die Zeit des Kommunismus erinnern. Diese Form der damnatio memoriae ist seit der Antike eine gerne praktizierte Politik. Man kennt sie auch aus George Orwells Roman 1984, in dem in Ungnade gefallenen Un-personen rückwirkend vaporisiert (aus Veröffentlichungen gelöscht) werden. Dieser demonstrative Tilgung der Erinnerung an Rosa Luxemburg widmet die Künstlerin 100 Jahre nach deren Tod jetzt eine Skulpturenreihe, deren Name an die nicht vorhandenen offiziellen Erinnerungsorte und –denkmale erinnert und deren freie Form von leeren Fahnenhaltern abgeleitet ist. Ergänzt wird die Skulpturengruppe Phantom Monument II durch Infotexte im Foyer des L40.

Die Werkgruppe der Phantom Monumente wurde, bzw. wird in unterschiedlichen Konstellationen und Größen in Warschau, Berlin, Zürich und Zamość gezeigt. Weitere Informationen unter: www.rosaluxemburg2019.eu