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Arnaud Cohen, Hunting Season

Eröffnung 15.9.17, 18 h
Ausstellungsdauer 16.9.–28.10.17

Öffnungszeiten: Mi-Fr 14-18h und auf Anfrage

Im Herbst stehen in Deutschland Bundestagswahlen an. Vor dem Hintergrund Einfluss gewinnender rechter Parteien und Gruppierungen in ganz Europa hat der Verein zur Förderung von Kunst und Kultur am Rosa-Luxemburg-Platz e.V. den französischen Künstler Arnaud Cohen eingeladen, seine Installation Hunting Season von 2016 in Berlin zu zeigen. Zusätzlich hat der Künstler eine neue Arbeit verwandten Inhalts entwickelt: Dansez sûr moi (2017). Diese beiden Installationen bilden den Kern der Ausstellung. Ergänzend werden ältere Arbeiten gezeigt; darunter Smileys Revanchard (2011) und Winter over Europe (Ich lieb dich nicht, du liebst mich nicht).

Hunting Season rekurriert auf das berühmte ‚Rien’, das Louis XVI. am Vorabend der Französischen Revolution in sein Jagdtagebuch eintrug. Ursprünglich ausschließlich auf den Jagderfolg des Königs bezogen, liegt die Interpretation nahe, hierin ein Zeichen vollkommenen Verkennens der eigenen wie der historischen Lage zu sehen. Für das Foyer des L40, in dem sich der Kunstverein befindet, hat der Künstler eine auf den Ort zugeschnittene Version des Eintrags in Neon gebaut. Diese wird als 22. Beitrag der Reihe wallworks bis 28. Oktober 2017 zu sehen sein.

In den Ausstellungsräumen findet die ursprüngliche Version von Hunting Season ihren Platz Sie wird ergänzt durch die Arbeit Dansez sur moi, die Cohen eigens für Berlin entwickelt hat. Sie beruht auf einer Art archäologischen Untersuchung seines Ateliers, der sogenannten Coutellerie, deren bewegte Geschichte Okkupation und Kollaboration während der Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg bzw des Vichy-Regimes einschloss. Teil der Präsentation wird eine Tanzperformance auf der Installation sein.

English

In autumn elections are held in Germany. Against the background of the growing influence of right-wing parties and groupings in the whole of Europe, the Verein zur Förderung von Kunst und Kultur am Rosa-Luxemburg-Platz e.V invited the French artist Arnaud Cohen to show his installation Hunting Season (2016) in Berlin. In addition, the artist has developed a new work of related content: Dansez sûr moi (2017). These two installations form the core of the exhibition. In addition, older work is shown; including Smileys Revanchard (2011) and Winter over Europe (Ich lieb dich nicht, du liebst mich nicht).

Hunting Season refers to the famous ‚Rien‘, Louis XVI noted in his hunting diary on the eve of the French Revolution. Originally exclusively related to the King’s hunting success, the interpretation suggests that this was a sign of a complete misunderstanding of one’s own as well as the historical situation. For the foyer of the L40, where the Kunstverein is located, the artist has built a version of the entry in neon. This will be shown as the 22nd edition of the wallworks series until October 28th, 2017.

The original version of Hunting Season finds its place in the exhibition space. It is supplemented by the work Dansez sur moi, which Cohen has developed especially for Berlin. It is based on a kind of archaeological study of his studio, the so-called Coutellerie, whose turbulent history included occupation and collaboration during the occupation of France in the Second World War and reign of the Vichy regime. Part of the presentation will be a dance performance on the installation.

Français

A l’approche des élections au Bundestag et devant l’influence croissante des partis et des groupuscules d’extrême droite à travers toute l’Europe, le Verein zur Förderung von Kunst und Kultur am Rosa-Luxemburg- Platz e.V. invite l’artiste Arnaud Cohen à présenter à Berlin son installation de 2016 Hunting Season. Dans le même esprit, l’artiste a développé en 2017 une seconde installation Dansez sûr moi. Ces deux œuvres représentent le cœur de sa proposition berlinoise. Elles sont encadrées d’autres œuvres réalisées par l’artiste sur cette thématique entre 2011 et 2017 dont la vidéo Winter over Europe (Ich lieb dich nicht, du liebst mich nicht) de 2017.

Hunting Season fait référence au fameux « Rien » que Louis XVI avait écrit dans son carnet de chasse le 14 juillet 1789. Si ce mot n’est sensé abordé que l’insuccès du roi à la chasse ce jour-là, on peut également l’interpréter comme un aveu de l’entière méconnaissance de sa situation personnelle et politique.

Pour le foyer du Kunstverein l’artiste a également créé une version adaptée de cette inscription en néon. 22èmecontribution d’artiste à la série wallworks des œuvres réalisées in situ pour le foyer du L40 depuis sa création, elle sera présentée jusqu’au 28 octobre 2017.

A l’étage, au côté de Hunting Season l’artiste présente donc Dansez sur moi, une installation participative qu’il a spécialement conçue pour Berlin. Cette installation est construite autour du passé occulté de son atelier « La Coutellerie » dont l’histoire tourmentée est marquée par l’occupation et la collaboration durant la Deuxième Guerre Mondiale sous le régime de Vichy. Lors du vernissage et tout au long de l’exposition, le public sera invité à performer l’œuvre en dansant sur sa surface.

Kuratiert von / curated by / curation par Susanne Prinz


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Awst & Walther, Be Water I

Awst & Walther , Be Water I: Gap to Feed
Einweihung 15.9.17, 16 h, Rosa-Luxemburg-Str. 43

Mytilus edulis (die Miesmuschel) ist ein hauptsächlich in den Gezeiten- und Schelfbereichen der Meere lebende Molluske. Die meisten befestigen sich mit organischen, fadenartigen Teilen an Felsen und anderen harten Substraten. Sie können sowohl im Wasser wie auch längere Zeit an der Luft überleben. Im Rahmen der vom Verein zur Förderung von Kunst und Kultur am Rosa-Luxemburg-Platz e.V. regelmäßig beauftragten künstlerischen Interventionen im Außenraum haben Awst & Walther eine Scheinfassade – errichtet um die Lücke zwischen zwei Häusern zu kaschieren – vollständig mit den Schalen von Miesmuscheln belegt.

Schon seit längerem beschäftigt sich das Künstlerpaar in vielen seiner Arbeiten mit Architektur und Objekten aus dem öffentlichen Raum in ihrem jeweiligen sozialen und stadträumlichen Kontext. Mit der minimalistischen Version einer im Ursprung manieristischen Dekorationsidee markieren Awst & Walther mitten in Berlin eine unsichtbare Leerstelle und verweisen so einerseits auf die jüngste Geschichte des Platzes ‚als noch alles möglich war’ wie auch auf zukünftiges Potential. Das Miesmuscheln im Englischen auch als ‚common mussel’ bezeichnet werden und der Bürger als ‚common man’ ist eine zufällige aber passende Parallele.

* Be Water I wurde unterstützt von der SteDi-Stiftung.

 

Be Water

BE WATER ist die erste umfassende Einzelausstellung von Awst & Walther in Berlin. Sie zeigt Installationen, Skulpturen und Videoarbeiten des walisisch-deutschen Künstlerduos an zwei Orten: dem Georg Kolbe Museum im Berliner Westend und im Stadtraum am Rosa-Luxemburg-Platz (Rosa-Luxemburg-Str. 43). Die Werke von Manon Awst (*1983) und Benjamin Walther (*1978) waren in den letzten Jahren auf vielen internationalen Ausstellungen zu sehen und sind unter anderem prominent in der renommierten Sammlung Boros in Berlin vertreten. Mit BE WATER zeigen Awst & Walther neben einer Gruppe bestehender Arbeiten drei neue Werke, die den diskursiven und interdisziplinären Ansatz der Künstler weiterverfolgen. Gleich einer naturwissenschaftlichen Versuchsanordnung fragen sie nach dem Verhältnis von Mensch und Natur in der heutigen Zeit.

Die Konzeption von BE WATER macht die Auswirkungen des konflikthaften Zusammentreffens sozialer und politischer Strukturen mit den Urkräften der Natur zum Thema. In vier intensiven Phasen wird insbesondere die ambivalente Beziehung des Menschen zum Ozean untersucht. Seit Jahrhunderten ist dieser Projektionsfläche seiner Sehnsucht; Inspiration und Faszination gleichermaßen, was in den Künsten vielfältigen Ausdruck fand. Gleichzeitig birgt der Ozean für den Menschen als wichtige Ressource für Industrie und Ökonomie ein großes Gefahrenpotenzial. Der seit den 1970er-Jahren erkannte Klimawandel und ein steigender Meerwasserspiegel führen weltweit immer häufiger zu Überschwemmungen und Katastrophen. Dieser Widerspruch bildet den Ausgangspunkt der künstlerischen Auseinandersetzungen und knünpft direkt an einen aktuellen Diskurs der Naturverantwortung im Zeitalter des Antropozäns an.

Die Ausstellung entsteht als Kooperation zwischen dem Georg Kolbe Museum und dem Verein zur Förderung von Kunst und Kultur am Rosa-Luxemburg-Platz e.V.. Dr. Ursula Ströbele von der Universität der Künste, Berlin organisiert mit den Künstlern ein halbtägiges, interdisziplinäres Symposium „Natur 4.0“, das im großen Ausstellungsraum des Georg Kolbe Museums stattfindet.

Awst & Walther: Be Water II im Georg Kolbe Museum eröffnet  am 14.10.2017 um 19h.  Am 21.10.17  findet dort ab 14h das Symposion Natur 4.0. statt. Vom 25. bis 27.10.17. Ferienworkshop im Georg Kolbe Museum und im Kunstverein (L40).

English

Awst & Walther, Be Water I: Gap to Feed

Inauguration 15.9.17, 4 pm,  Rosa-Luxemburg-Str. 43

Mytilus edulis (common or blue mussels) are intertidal molluscs, attached to rocks and other hard substrates by strong thread-like structures, and are adapted to live both underwater and outside in the open air. As well as being subject to intensive commercial use they are important filter feeders, playing a vital role in estuaries by removing bacteria and toxins. As one of the public artistic interventions regularly commissioned by the Kunstverein on Rosa-Luxemburg-Platz (L40), Awst & Walther have completely covered a false facade – constructed to disguise a gap between two buildings – with mussel shells.

The artist duo has been involved for a long time, and in many of its works, with architecture and objects in public space and their respective social and urban contexts. With their minimalist version of an originally mannerist decorative idea Awst & Walter mark an invisible gap in the centre of Berlin, thus referring to the square’s recent history, when ‘everything was still possible’, and to its future potential. Parallels between the ‘common mussel’, the animal’s less scientific English name, and the citizen as the ‘common man’ are coincidental but appropriate.

*Be Water I was made possible by the support of SteDi-Stiftung.

Be Water

BE WATER is the first comprehensive exhibition by Awst & Walther in Berlin. It presents installations, sculptures and video works by the Welsh German artist duo at two venues: the Georg Kolbe Museum in Berlin’s Westend and the public space at Rosa-Luxemburg-Platz (Rosa-Luxemburg-Str. 43). In recent years, work by Manon Awst (*1983) and Benjamin Walther (*1978) has been seen in many international exhibitions, and is prominently represented in the prestigious Boros Collection in Berlin. In BE WATER, alongside existing works, Awst & Walther now show three new pieces that pursue their discursive and inter-disciplinary approach. Like a scientific experiment, they ask questions about the relationship between human beings and nature today.

The concept of BE WATER takes up the issue of the effects of the conflictual conjuncture of social and political structures with the primal forces of nature. Four intensive phases particularly examine the ambivalent relationship of humankind to the ocean. For centuries it has been a projection surface for human longing; inspiration and fascination in equal parts, with a manifold expression in the arts. At the same time, as an important resource for industry and the economy, the ocean holds a great potential for danger to human life. Climate change, acknowledged since the 1970s, and a rising sea level are leading to increasingly frequent floods and catastrophes. This contradiction forms the starting point for an artistic debate that directly takes up the current discourse on responsibility for nature in the Anthropocene era.

The exhibition is a cooperation between the Georg Kolbe Museum and the Verein zur Förderung von Kunst und Kultur am Rosa-Luxemburg-Platz e.V. (L40). In cooperation with the artists, Dr Ursula Ströbele, from the University of the Arts, Berlin, has organised the half-day symposium Natur 4.0, which will take place in the large exhibition space of the Georg Kolbe Museum.

Awst & Walther: Be Water II at the Georg Kolbe Museum opens on 14.10.17 at 7pm. 21.10.17 Symposion Natur 4.0 from 2pm at the Georg Kolbe Museum. Holiday workshop at the Georg Kolbe Museum and L40 from 25. to 27.10.17.