Jana Müller, Traces of Truth

06.04.–25.05.2019

27.4.2019 14-18 h Vorstellung der Edition und Publikation zur Ausstellung


Geöffnet Mi-Fr 14-18h und auf Anfrage

Es gab immer ein erhebliches Interesse an echten Tatorten und Beweisobjekten aller Art. In Traces of Truth folgt die Berliner Fotografin Jana Müller dieser Neugier in Bildern, Collagen und Installationen. Sie begibt sich auf Spurensuche und legt imaginative Fährten.

In den Asservatenkammern der Republik – oft triviale Orte wie Garagen und leerstehende Geschäfte – hat die Künstlerin unzählige Beweisstücke dokumentiert. So banal die einzelnen Objekte oft sind, der Lack des Bösen ist noch nicht ab. Im durchaus manipulativen Spiel mit den Assoziationen der Betrachter entwickeln sich neue unvorhersehbare Geschichten. Mit dem Blick auf die Provinz wird der seit Jahren zu beobachtende Hype medialer Verwertung wissenschaftlicher Polizeiarbeit – im Besonderen forensischer Untersuchungen in Form von fiktiven und pseudodokumentarischen Polizeiserien – aufgegriffen und weitergetrieben.

Vordergründig handelt „Traces of Truth“ von der Wahrheit, präziser vom Verhältnis der Realität zur Fiktion und der Rolle des Objekts und des dokumentarischen Bildes in dieser Konstellation. Die Frage ist, ob sich Parallelen zwischen Künstler*innen und Verbrecher*innen ziehen lassen, insofern beide mit „krimineller“ Energie Normen und Tabus verletzen? Müller nimmt hier erstmals wieder einen Forschungsfaden auf, den Erich Wulffen in seinen Aufsätzen zur Kriminalpsychologie in den1920er Jahren begann. Die Kernfragen sind: In welchem Verhältnis stehen Verbrechen und Kunst? Inwieweit sind kriminelle und künstlerische Grenzüberschreitungen vergleichbar? Gibt es evtl. eine vergleichbaren causa, einen parallelen Antrieb für Beides?

English:

Open Wed-Fr 14-18h and upon demand

There always has been a considerable interest in real crime scenes and evidence objects of all kinds. In Traces of Truth Berlin based photographer Jana Müller follows this curiosity in pictures, collages and installations. She searches for clues and sets imaginative tracks.

In the evidence rooms of the republic – often trivial places such as garages and empty shops – the artist has documented countless pieces of evidence. As banal as the individual objects often are, the shine of evil is not yet off. In a quite manipulative game with the associations of the viewer, new unpredictable stories develop. Looking at the province, the hype of media exploitation of scientific police work that has been observed for years – in particular forensic investigations in the form of fictional and pseudo-documentary police series – has been taken up and driven on.

Ostensibly, Traces of Truth deals with the truth, more precisely with the relation of reality to fiction and the role of the object and the documentary image in this constellation. The question is whether parallels between artists and criminals can be drawn in so far as both violate norms and taboos with „criminal“ energy? For the first time in decades Müller picks up a thread that Erich Wulffen began researching in his influental essays on criminal psychology in the 1920s. The key questions then and today are: What is the relationship between crime and art? To what extent are criminal and artistic border crossings comparable? Is there possibly a comparable causa, a parallel drive for both?

Renata Kaminska
Phantom Monument II, 2019

27.04.–30.06.2019

Das Projekt der Phantom Monumente von Renata Kaminska nahm bereits vor einiger Zeit seinen Anfang, als die in Polen geborenen Berliner Künstlerin begann, zur Person Rosa Luxemburgs zu recherchieren. Wie diese ist sie in Zamość geboren. Eine biografische Koinzidenz, die Kaminska zum Anlass nahm, in Polen befindliche Orte aufzusuchen, die einen historischen Zusammenhang mit der Politikerin haben. Was sie fand war in erster Linie Nichts: verschwundene oder vernachlässigte Gebäude, keine Denkmäler, nicht mal Erinnerungstafeln. So wurde zuletzt am 13. März 2018 in Zamość die Gedenktafel entfernt, die an Rosa Luxemburg erinnert hatte. Zwar ist es inzwischen wahrscheinlich, dass das Haus, an dem die Tafel seit 1979 befestigt war, fälschlich für das Geburtshaus Rosa Luxemburgs gehalten wurde, der Grund für die Entfernung aber war – so nimmt es zumindest die Rosa-Luxemburg-Stiftung an – ein politischer und reiht sich ein in eine Reihe von Maßnahmen, die seit 2016 in unserem Nachbarland per Gesetz Straßennamen und überhaupt öffentliche Zeugnisse beseitigt, die an die Zeit des Kommunismus erinnern. Diese Form der damnatio memoriae ist seit der Antike eine gerne praktizierte Politik. Man kennt sie auch aus George Orwells Roman 1984, in dem in Ungnade gefallenen Un-personen rückwirkend vaporisiert (aus Veröffentlichungen gelöscht) werden. Dieser demonstrative Tilgung der Erinnerung an Rosa Luxemburg widmet die Künstlerin 100 Jahre nach deren Tod jetzt eine Skulpturenreihe, deren Name an die nicht vorhandenen offiziellen Erinnerungsorte und –denkmale erinnert und deren freie Form von leeren Fahnenhaltern abgeleitet ist. Ergänzt wird die Skulpturengruppe Phantom Monument II durch Infotexte im Foyer des L40.

Die Werkgruppe der Phantom Monumente wurde, bzw. wird in unterschiedlichen Konstellationen und Größen in Warschau, Berlin, Zürich und Zamość gezeigt. Weitere Informationen unter: www.rosaluxemburg2019.eu